Donnerstag , 22. Februar 2018
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Knapp 525 Millionen Euro haben die Spielhallen in Niedersachsen im vergangenen Jahr umgesetzt. Zwar spülen die Daddelhallen auch viele Steuern in die Stadtkasse, aber ihre Zahl soll reduziert werden, um die Spielsucht einzudämmen. Foto: A/t&w

Viele Spielhallen vor dem Aus

Lüneburg/Hannover. Tausende Niedersachsen sind spielsüchtig, deswegen soll die Zahl der Spielhallen drastisch reduziert werden. Trotz fünfjähriger Übergangsfris t gibt es für die Betreiber erst kurzfristig Klarheit, welche Halle bestehen bleibt. Das sorgt für großen Protest. Rund 1500 Spielhallenbeschäftigte haben gestern in Hannover friedlich, aber lautstark für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen die Schließung vieler Automatenhallen demonstriert. Wegen verschärfter Vorschriften für das Betreiben von Spielhallen in Niedersachsen stehen ab Juli 1000 der 2000 Spielhallen mit mehr als 3000 Arbeitsplätzen vor dem Aus. Mit einem von der Automatenindustrie heftig kritisierten Losverfahren sollen die Kommunen bestimmen, welche Spielhalle bestehen bleibt und welche geschlossen werden muss.

Die LZ hatte bereits vor einem Jahr über die anstehenden Schließungen geschrieben. Die Stadt hatte dabei auch Zahlen genannt: Neben acht einzelnen Betrieben gebe es acht Mehrfachkomplexe mit insgesamt 23 Spielhallen. 15 davon können keine neue Konzession mehr bekommen. Eine Lotterie, wie in anderen Kommunen angedacht, soll es trotzdem nicht geben, da die Verbünde jeweils nur einem einzigen Betreiber gehören. Mit den Betroffenen befinde sich die Verwaltung im Austausch, hieß es damals. Und darum geht es:

Was droht den Spielhallenbetreibern?

Es gilt künftig ein Mindestabstand von 100 Metern zwischen jeder Spielhalle. Außerdem dürfen Spielhallen künftig nicht mehr in einem Komplex gebündelt werden. Das heißt, dass pro Halle nicht mehr als zwölf Automaten betrieben werden dürfen.

Gibt es bei den verschärften Regeln für Spielhallen keinen Bestandsschutz und keine Härtefallregelungen?

Einen Bestandsschutz gibt es nicht, allerdings Härtefälle. Steht ein Betreiber kurz vor der Rente oder droht ihm unausweichlich die Insolvenz, kann es Ausnahmen geben. Dies ist auch beim Mindestabstand denkbar, wenn zwei Hallen zwar Luftlinie weniger als 100 Meter auseinanderliegen, die tatsächliche Wegstrecke aber länger ist. Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat in einem Urteil jüngst betont, dass die Regelung zur Befreiung in Härtefällen eng auszulegen sei. Die drohende Schließung von Spielhallen sei kein Härtefall, sondern sei vielmehr vom Gesetzgeber beabsichtigt.

Wie viele Spielautomaten gibt es in Niedersachsen?

Der Arbeitskreis Spielsucht hat bei einer Abfrage in den Kommunen im vergangenen Jahr 17 998 Automaten in 1058 Spielhallen ermittelt. Knapp 4000 weitere stehen in Gastronomiebetrieben.

Wie viel Geld lassen die Niedersachsen jährlich in Spielhallen?

Nach Erhebung des Arbeitskreises Spielsucht lag der Umsatz der Spielhallen in Niedersachsen 2016 bei knapp 525 Millionen Euro. Der jährliche Spieleinsatz pro Einwohner lag im Schnitt bei 88,89 Euro.

Wie viele Spielsüchtige gibt es in Niedersachsen?

Die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) schätzt die Zahl der Menschen mit glücksspielsuchtbezogenen Problemen auf etwa 76 000. Weitere 75 000 Personen haben demnach ein problematisches oder krankhaftes Spielverhalten, wobei es nicht nur um Spielhallen-Publikum geht. Die Zahl der Ratsuchenden mit Glücksspielproblemen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Rund 89 Prozent von ihnen sind männlich und im Durchschnitt 34 Jahre alt.

Hilft die Schließung von Spielhallen gegen Spielsucht?

Nach Einschätzung von NLS-Glücksspielexpertin Martina Kuhnt auf jeden Fall. „Je höher die Verfügbarkeit ist, ist auch die Nachfrage.“ Gerade Spielhallengroßkomplexe mit vielen Geräten, wie sie künftig verboten sind, seien für Spieler attraktiv. Dass Spieler nach dem Schließen von Hallen verstärkt ins Internet ausweichen, glaubt sie nicht. „Glücksspieler wollen den Automaten anfassen, das vor Ort erleben.“

Wie verfahren andere Länder mit Spielhallen?

Ähnlich wie Niedersachsen haben auch die anderen Bundesländer strengere Regeln erlassen. Ziel ist die Bekämpfung der Glücksspielsucht. Nicht überall ist der künftige Mindestabstand zwischen den Hallen gleich.

Hat der Protest von Spielhallenbetreibern und Beschäftigten Aussicht auf Erfolg?

Der neue Glücksspielstaatsvertrag greift nach einer fünfjährigen Übergangsfrist ab Juli dieses Jahres. Die vom Kabinett nachträglich beschlossenen Regeln zur Umsetzung müssen allerdings noch vom Parlament gebilligt werden. Alle Parteien liegen bei der Eindämmung der Glücksspielsucht auf einer Linie. Hunderte Klagen gegen Losentscheide in Kommunen sind aber noch bei den Verwaltungsgerichten anhängig. dpa/red

One comment

  1. Kann mir mal jemand erklären, was den Kick ausmacht in solche Automaten Geld zu stecken, in der Hoffnung, dass sich 3 Walzen (ohne das der Spieler Einfluss hat) drehen, in der Hoffnung das alle 3 dann das gleiche Bild zeigen? Vielleicht sollte man den Leuten mal den Automaten erklären, das ist wie wenn man den Zaubertrick verrät, das macht dann auch keinen Spaß mehr.