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Ein Bild erinnert an Sylvia, Miriam und Marco Schulze. Das Foto stand neben der Eingangstür ihres Hauses in Drage, abends zündeten Anwohner zur Erinnerung Kerzen an. (Foto: ca)

Neue Spur im Fall Schulze aus Drage?

Drage. Fast zwei Jahre nach dem Verschwinden der Familie Schulze aus Drage verfolgt die Polizei eine Spur: Mitglieder eines „Privatermittler- Teams“ haben in der Feldmark, unweit des Hauses der Schulzes, eine Jeanshose und einen gebastelten Stern aus Plastikperlen gefunden. Eine Zeugin, so heißt es auf der Internetseite des Teams, meint, die Dinge könnten Tochter Miriam Schulze gehören. Die zuständige Polizei in Buchholz bestätigt, dass sie die Funde auf DNA-Spuren im Landeskriminalamt untersuchen lässt. Sprecher Jan Krüger: „Mit einem Ergebnis ist in den nächsten Wochen zu rechnen.“

Familie bleibt verschwunden

Wie berichtet, gilt die Familie seit dem 22. Juli 2015 als vermisst. Vater Marco wurde später tot aufgefunden, Suizid wahrscheinlich, Ehefrau Sylvia und Tochter Miriam blieben bis heute verschwunden. Es war damals der letzte Schultag vor den Sommerferien, an dem die Schulzes in ihrer Siedlung gesehen werden. Einen Tag später soll der Vater noch in einem der Autos der Familie unterwegs gewesen sein. Am 31. Juli bergen Taucher den Leichnam Marco Schulzes bei Lauenburg aus der Elbe. Auch ein Damenrad wird gefunden. Die Ermittler vermuten, dass er aus Drage zur Brücke geradelt ist und sich dort mit einem Stein beschwert in den Strom stürzte.

Die Polizei verfolgte zahlreiche Hinweise, suchte im August auch am Mühlenteich in Holm-Seppensen. Denn Zeugen wollen die Familie dort im Juli beobachtet haben, es gibt verwandtschaftliche Beziehungen der Schulzes in diesen Bereich. Spürhunde schlugen an, die Ermittler um Hauptkommissar Michael Düker gehen davon aus, dass die Schulzes dort gewesen sind, Mutter und Tochter möglicherweise dort starben – doch Leichen finden die Beamten nicht.

Viele Spekulationen in diesem Fall 

Die These der Polizei: Es könnte sich um einen erweiterten Suizid handeln. Aufgrund einer Krise tötete Marco (41) seine Frau Sylvia (43) und Tochter Miriam (12) und nahm sich dann selbst das Leben. Warum – das liegt im Dunkeln. Chefermittler Düker sagte damals: „Es gibt eine denkbare Erklärung.“ Welche, wollte er nicht verraten.

Noch ist die Polizei skeptisch, ob die bereits im Dezember gefundene Hose tatsächlich von Miriam stammt. „Wir warten auf die Auswertung von möglichen DNA-Spuren“, sagt Polizeisprecher Krüger. Man habe den Bereich um das Haus der Schulzes damals weiträumig abgesucht, auch mit Hunden. Entweder sei die Kleidung übersehen oder erst später dort abgelegt worden. Wenn die Hose tatsächlich Miriam gehören sollte, werde man die Ermittlungen noch einmal aufnehmen.

Doch selbst wenn es eine Verbindung zu den Schulzes gebe, könnte man auch simple Erklärungen für den Fund finden, heißt es aus Polizeikreisen: Denkbar sei, dass jemand die Kleidung aus irgendeinem Grund bei sich hatte, etwa weil die Kinder zusammen gespielt hatten, und die Hose dann weggeworfen hat, weil er Angst hatte, unter Verdacht zu geraten.

Spekulation, wie so vieles in diesem Fall. Vielleicht klärt sich alles auf, wenn irgendwann die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze gefunden werden. Denn dass Mutter und Tochter tot sind, daran hatten Ermittler Düker und seine Kollegen keinen Zweifel – allen Gerüchten zum Trotz, nach denen Sylvia und Miriam angeblich in einem warmen Land ein neues Leben begonnen hätten. Auch dafür gibt es keine Belege.

Von Carlo Eggeling

Private Ermittler wollen Verbrechen aufklären

Das Privatermittler-Team (www.privat-ermittler-team.de) besteht im Wesentlichen aus dem Privatdetektiv Thomas Höntsch und seinem Kollegen Iven Lewerentz. Lewerentz sagt: „Wir arbeiten hier unentgeltlich, rein aus Interesse.“ Ihre These: Marco Schulze hat Frau und Tochter im gemeinsamen Haus getötet und dann in der Nähe verscharrt. „Deshalb suchen wir seit eineinhalb Jahren rund um den Wohnort.“

Ausgestattet mit Bodensonden erforschen sie die Umgebung: „Bestimmte Bereiche schließen wir aus, zum Beispiel wenn der Boden zu hart ist, weil Baumwurzeln darin sind.“ So sei eine Handvoll Plätze übriggeblieben, die man auch der Polizei genannt habe: „Möglicherweise suchen die Beamten dort mit Leichenspürhunden.“ Hose und Stern habe eine Mitstreiterin gefunden.

Die kurze Jeans habe verschmutzt in der Feldmark gelegen, im Hosenbund seien Schnürsenkel gewesen. Die beiden Hobby-Ermittler hoffen auf einen Erfolg und damit auf Aufträge von Privatleuten. Kontakt: (040) 8304813.