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Jagdpächter Stefan Switalla (l.) und Jäger Markus Böller suchen eine zu mähende Wiese nach Rehkitzen ab. Die Drohne hat eine Wärmebildkamera an Bord. Foto: t&w

Mit der Drohne auf Rehkitz-Suche

Echem. Der Himmel über Echem ist wolkenlos, die Sonne strahlt – und Milchviehhalter Tim-Philipp Junge greift zum Handy: Er wählt die Nummer von Stefan Switalla, seit Jahren ein Routineanruf zum Start der Grasernte. Gemeinsam wollen Bauer und Jäger verhindern, dass beim Mähen der Wiesen Rehkitze ins Schneidwerk geraten und sterben. Ihre bewährte Methode, um den Mähtod zu verhindern: Der Jäger läuft einen Abend vor der Mahd die Wiese ab, steckt Flatterbänder und Knistertüten in die Erde und hofft, dass die Ricke in der Nacht ihr Kitz aus dem „unruhigen“ Gelände holt.

Neu in diesem Jahr: Switalla bekommt Unterstützung von seinem Jagdkollegen Markus Böller und dessen Drohne. Mit Wärmebild-Kamera ausgestattet sucht das Fluggerät im hohen Gras nach Tieren. „So können wir deutlich gezielter handeln“, sagt Switalla.

Noch ist der Drohnen-Einsatz im Vorfeld der Grasernte die Ausnahme, der Einsatz aufwendig und teuer, „hinzu kommt, dass die Technik nicht überall vorhanden ist“, sagt Dr. Eckhard Asche von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dennoch hält der Fachbereichsleiter Nachhaltige Landnutzung die Technologie in diesem Bereich für zukunftsfähig. „Wenn die Politik entsprechende Förderprogramme auflegen würde, könnte man in Kombination mit den bewährten Vorsorge-Maßnahmen vor der Mahd sicherlich noch einiges für die Sicherheit der Kitze und Wiesenbrüter tun.“

Experte empfiehlt mehrere Vorsorgemaßnahmen

Auch in Echem dient die Drohne bisher lediglich als Unterstützung, „noch läuft das Ganze als eine Art Testlauf“, sagt Markus Böller. Dennoch macht die Auswertung der Wärmebild-Aufnahmen die Arbeit schon jetzt ein bisschen einfacher, „ersetzen kann sie Absuchen und Vergrämungsmaßnahmen aber noch nicht“. Doch jede Unterstützung ist für Switalla und seine Mitjäger bei 500 bis 600 Hektar Grünland rund um Echem willkommen. Switalla: „Alle Flächen abzusuchen, ist personell und zeitlich schon eine echte Herausforderung.“

Optimal wäre laut Dr. Asche eine Kombination aus Vorsorgemaßnahmen. „Ein bis zwei Tage vor der Mahd sollten die Jäger informiert werden, sodass tagsüber Lärm- und Lichtquellen auf der Wiese aufgestellt werden.“ Zusätzlich sollten mithilfe einer Drohne Kitze, aber auch Wiesenbrüter mit ihren Nestern lokalisiert und in Sicherheit gebracht werden. „Wenn es dann mit der Mahd losgeht, sollten die Landwirte von innen nach außen mähen, um den Tieren die Flucht zu ermöglichen.“
Darüber hinaus sollte das Mähwerk mit einem akustischen Signalgeber ausgestattet werden. „Der Pieper ist vorne an der Maschine angebracht und sendet sein Signal dorthin, wo noch nicht gemäht wurde.“ Die letzte Chance zur Flucht.

Wünschen würde sich Dr. Asche zudem, dass Jäger und Landwirte auch die Bevölkerung beim Absuchen der Wiesen einbinden würde. In Echem ist das im Ansatz gelungen. Nachdem Inge Prestele aus Barförde im vergangenen Jahr ein beim Mähen getötetes Kitz gefunden und Anzeige gegen unbekannt erstattet hatte, hat sie dieses Jahr eine Einladung von Switalla zur Mithilfe erhalten. „Eine tolle Geste und ein Angebot, das ich gern angenommen habe“, sagt sie. Dass auch das nicht ausreichen wird, alle Kitze und Bodenbrüter vor den Schneidwerken zu retten, ist ihr klar. „Aber gemeinsam retten wir sicher mehr.“

Von Anna Sprockhoff