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Gelegenheit macht Diebe: Wenn ein Fahrrad nicht oder nur unzureichend gesichert ist, haben Täter leichtes Spiel – wie auf diesem gestellten Foto. Foto: A/t&w

Lüneburg, Hochburg in Sachen Fahrraddiebstahl

Lüneburg. Der Fahrraddiebstahl ist längst ein Alltagsdelikt. Statistisch gesehen werden im Landkreis Lüneburg täglich zwei bis drei Fahrräder gestohlen. In konkreten Zahlen heißt das: 908 Mal haben Langfinger im vergangenen Jahr zugeschlagen. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik der Polizei hervor. Und das sind nur die der Polizei gemeldeten Fälle, manch ein Opfer verzichtet auch auf eine Anzeige, weil das gestohlene Rad keinen großen materiellen Wert mehr hatte. Damit zählt Lüneburg in einem bundesweiten Vergleich von 160 Städten und Kreisen zu den 30 gefährlichsten Landkreisen Deutschlands, was Fahrraddiebstähle angeht, kommt in einer Rangfolge auf Platz 22.

Lüneburg belegt Platz 4 in Niedersachsen

Das Internetportal billiger.de hat den Vergleich jetzt veröffentlicht, der auf den offiziellen Statistiken der Polizei fußt. Für die Rangfolge wurden die Taten in Relation zur Einwohnerzahl gesetzt. Danach ist der brandenburgische Kreis Spree-Neiße die Hochburg der Fahrraddiebe mit 1012 Taten pro 100 000 Einwohner. Lüneburg kommt auf 502 Taten pro 100 000 Einwohner, was neben Platz 22 insgesamt zudem Platz 4 in Niedersachsen bedeutet. Zum Vergleich: Der sicherste Landkreis, der Kreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz, verbuchte gerade mal 15 Taten pro 100 000 Einwohner. Im Städtevergleich ist die Fahrrad-Stadt Münster auch die Fahrrad-Diebstahlsstadt Nummer 1.

Bundesweit mager ist die Aufklärungsquote, mit durchschnittlich 8,8 Prozent ist sie so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr und so gering wie bei kaum einem anderen Delikt. Lüneburgs Polizei steht mit 12,3 Prozent etwas besser da, doch auch hier wurde im vergangenen Jahr nicht mal jeder achte Diebstahl aufgeklärt.

Motiv für Fahrraddiebstahl unterschiedlich

Dabei ist die Bandbreite der Täter groß, verdeutlicht Polizeisprecherin Antje Freudenberg: „Da sind der Drogenkonsument, der mit dem Verkauf eines geklauten Rades seine Sucht finanziert dabei, der Kneipengänger, der eine günstige Gelegenheit für eine Heimfahrt nutzt, aber auch die angeblichen Sperrmüllsammler, die im vergangenen Jahr bei uns schon mal 30 Räder auf einen Schwung mitgenommen haben.“ Einen ganz aktuellen Fall gab es in Adendorf, wo ein Sperrmüllsammler am Mittwochabend an der Artlenburger Landstraße zwei Räder in seinen Lkw gepackt haben soll und weggefahren sei. Zwei Zeugen informierten die Polizei, die den 44-Jährigen stellen konnte.

Die Ordnungshüter haben ihre Arbeit in dem Deliktsfeld in den vergangenen Jahren durchaus intensiviert. Immer wieder bieten sie kostenfreie Codierungen an, durch die Räder individuell zugeordnet werden können, was sie wiederum zumindest für manche Diebe weniger attraktiv macht. „Dem reisenden Täter, der seine Beute hinterher im Ausland verkauft, ist das relativ egal, ob ein Fahrrad codiert ist, das wird er auch so los, aber der örtliche Täter lässt dann schon mal die Finger davon, weil die Entdeckungsgefahr höher ist“, weiß Freudenberg.

Die Lüneburger Polizei hat im Internet mit ihrem Portal speichenkommissar.de ein Angebot geschaffen, wo Fahrräder regis­triert werden können, um sie – wenn die Beamten einen Verdächtigen mit einem potenziell gestohlenen Rad aufgreifen – schneller den rechtmäßigen Besitzern zuordnen zu können. Die Maßnahmen scheinen zu fruchten: Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Fahrraddiebstähle immerhin um 169 Fälle gesunken.

Von Alexander Hempelmann

Tipps der Polizei

  • Das Fahrrad immer anschließen, wenn man unterwegs ist. Polizeisprecherin Antje Freudenberg: „Auch das vermeintlich unattraktive alte Klapper-rad wird gestohlen, wenn die Gelegenheit günstig ist. Ein Dieb sucht sich immer den leichtesten Weg.“
  • Auch im Schuppen, in der Garage oder im Carport sollten Räder extra gesichert werden.
  • Beim Schloss nicht zu geizig sein. „Wenn man ein teures Fahrrad kauft, sollten auch ein paar Euro für ein vernünftiges, sicheres Schloss drin sein“, findet Freudenberg.
  • Das Rad am besten codieren und registrieren lassen, mindestens aber die Rahmennummer kontrollieren und notieren. „Nicht immer stimmt sie mit der Nummer auf der Rechnung überein“, weiß Freudenberg. „Ohne korrekte Nummer sehen Sie das Rad nie wieder, auch wenn es mal gefunden wird.“