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Hauptpastor Alexander Röder las einen Segensspruch für das Lüneburger Salz. Siedemeister Mimke Koch ließ in einer Pfanne das Wasser aus der Sole verdampfen: 500 Pfund Salz produziert er für den Hamburger Michel. Foto: be

Reformationsjahr: Lüneburger Salz geht per Ewer an die Elbe

Lüneburg. Vor langer Zeit tauften Christen ihre Kinder auch mit etwas Salz auf der Zunge. Der Brauch erinnert an die Worte Jesu in der Bergpredigt: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Für den Hauptpastor des Hamburger Michel, Alexander Röder, liegt da­rin die Botschaft: „Ihr habt alle Salz in Euch, Ihr seid wertvoll, Ihr seid die Würze.“ Jetzt war der Geistliche im Lüneburger Salzmuseum, um einen weiteren Stein in ein Mosaik zum Reformationsjahr einzufügen: Die Gemeinde der wohl weltweit bekannten Hamburger Kirche feiert ein besonderes Fest, Salz steht dabei im Mittelpunkt.

Salz aus aller Herren Länder

Wie berichtet, erinnert die Hauptkirche St. Michaelis im Jahr des 500. Reformationsjubiläums an Martin Luther, der laut Röder „mutig verkündet“ hat: Durch den Glauben sei jeder Mensch frei und einzig an Gott gebunden. „Aus dieser Glaubensfreiheit heraus sind wir aufgerufen, tatkräftiges und würzendes Salz für unseren Nächsten und die Welt zu sein.“
Viele unterstützen die Aktion. Der Pastor erzählt, dass die Gemeinde aus aller Herren Länder die weißen Kristalle erhält. So kam ein Päckchen aus einem Kloster im Tschad: „Es gibt dort kaum Straßen. So wurde das Salz mit einem Kamel in die Hauptstadt gebracht.“

Weißes Gold für guten Zweck

Lüneburg spielt in dem Projekt eine besondere Rolle. Als Salzstadt mit jahrhundertealter Geschichte haben die Hamburger in Lüneburg 500 Pfund Salz bestellt. Das Salzmuseum hat es auf alte Art gesiedet. Röder überzeugte sich, ob alles ordnungsgemäß läuft – und war zufrieden. Mit dem Ewer bringt eine Mannschaft die Würze über die Elbe in die Metropole. Im Pfingstgottesdienst am 4. Juni soll das Lüneburger Salz mit den Spenden vermischt werden, um so eben symbolisch zum Salz der Erde zu werden. Die Gemeinde möchte das Salz veräußern, mit den Spenden wollen Röder und seine Mitstreiter dann Projekte finanzieren.

Mit dabei waren nun unter anderem die Kustodin des Salzmuseums, Hilke Lamschus, und Mimke Koch, der als Siedemeister aus der Sole das Wasser verdampfen ließ, um Salz herzustellen.
Genutzt werde das extra in Stahlpfannen gesiedete Salz, das in kleine Säckchen abgefüllt wird. Das Sieden wie im Mittelalter, nämlich in Bleipfannen, werde nur in der Ausstellung gezeigt, erklärte Hilke Lamschus. Diese Körner zu essen, wäre extrem ungesund: „In Nahrungsmitteln erlaubte Werte werden um mehr als das Tausendfache überschritten.“ Wenn die Produktion etwa mit Schulklassen nachempfunden werde, nehme man Pfannen aus Edelstahl.

Von Carlo Eggeling

Fliegender Ewer

Das Lüneburger Salz soll auf traditionellem Weg zum Hamburger Michel gebracht werden. Deshalb wollen die Akteure das weiße Gold des Mittelalters am kommenden Freitag, 26. Mai, gegen 11 Uhr im alten Hafen auf den Ewer verladen.

Allerdings hat die ehrenamtliche Crew des Lastschiffs ein Problem: Die drei Schleusen der Ilmenau sind wegen Baufälligkeit gesperrt. Daher hebt ein Autokran der Firma Bruns den Holzkahn gegen 13 Uhr in Höhe Klärwerk aus dem Fluss und legt ihn auf einen Tieflader. Der startet gegen 22 Uhr in Richtung Hafen am Elbe-Seitenkanal. Von dort aus geht die Reise weiter.

Vermutlich kann der Ewer am Sonnabendmorgen das Hebewerk passieren, um dann weiter nach Hamburg zu fahren.