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Immer wieder entsorgen Unbekannte Bauschutt und Müll in der freien Landschaft. Wohl auch, um Deponiekosten zu sparen. Foto: kre
Immer wieder entsorgen Unbekannte Bauschutt und Müll in der freien Landschaft. Wohl auch, um Deponiekosten zu sparen. Foto: kre

Müll-Entsorgung in der freien Landschaft als größtes Problem

Lüneburg. „Das hat es in der Form noch nicht gegeben“, sagte der Kreisnaturschutzbeauftragte Axel Schlemann, als er sich jetzt vor dem Umweltausschuss des Lüneb urger Kreistages aufbaute. Er gab dem Gremium eine Prioritätenliste wichtiger Naturschutzthemen an die Hand, die seiner Ansicht nach in dieser Wahlperiode von den Kommunalpolitikern auf Kreisebene angepackt werden sollten. Gleichermaßen dürfte es eine Reaktion auf die Kritik vor wenigen Monaten gewesen sein, dass der Kreisnaturschutzbeauftragte zu wenig in der Öffentlichkeit sichtbar gewesen sei. Doch obwohl die Ausschussmitglieder sich mit Schlemanns Arbeit weitgehend zufrieden zeigten, kündigte er an, das Amt am Ende des Jahres niederlegen zu wollen.

Als ein gravierendes Problem nannte Schlemann die häufige Entsorgung von Abfall in der freien Landschaft. Zum einen handle es sich oft um aussortierten Müll, der von fahrenden Sperrmüll-Piraten in Wald und Flur gekippt werde. Schlemann: „Eine Lösung wären stärkere Kontrollen oder Sperrmüllabholung auf Abruf.“ Auf den Einwand von Nicole Ziemer (SPD), dass das Thema vor zwei Jahren schon einmal durchdiskutiert worden sei, sagte er: „Damit ist das Problem nicht aus der Welt.“

Heimische Pflanzen werden verdrängt

Besonders problematisch und mit Langzeitwirkung sei die Entsorgung von Grünabfällen in der Landschaft. Schlemann: „Wenn es einfach nur grüner Humus wäre …, doch tatsächlich werden Neophyten in der Landschaft ausgebracht, die heimische Pflanzen verdrängen.“ Das führe zu einem Entzug von Nahrungsquellen für Bienen, Schmetterlinge und Hasen. Als Ursache für die wilde Grünabfallentsorgung sieht Schlemann das Verbot von Brenntagen und „nicht bedarfsgerechte Annahmezeiten“ bei der Deponie. Eine mögliche Lösung: dezentrale Annahmestellen für größere Chargen Gartenabfälle und Grünschnitt sowie längere Öffnungszeiten der Deponie am Wochenende.

Kritik gab es zuletzt an Kreis und Kommunen, dass vielfach Ausgleichsmaßnahmen für Baumaßnahmen schlecht oder gar nicht umgesetzt würden. Auch eine mangelnde Kontrolle durch den Kreis, dem dafür das Personal fehlt, wurde angemahnt. Schlemann empfahl nun die Einrichtung eines Kompensationspools für Ausgleichmaßnahmen. Dafür müsse die Politik der Unteren Naturschutzbehörde den Auftrag erteilen.

Zudem erneuerte der Naturschutzbeauftragte seine Forderung nach der Einrichtung einer hauptamtlichen Naturwacht und die personelle Aufstockung des Landschaftspflegetrupps des Landkreises. Ein Vorbild für die Naturwacht zur Kontrolle der Naturschutzgebiete sind die Ranger, die in der Tourismussaison in der Heide- und Elberegion nach dem Rechten sehen. Zudem sei die Bezeichnung Landschaftspflegetrupp „sehr optimistisch“ gewählt, besteht er doch nur aus einem hauptamtlichen Mitarbeiter, der von ein, zwei Hilfskräften unterstützt wird.

Eichenprozessionsspinner mechanisch absaugen

Eine gemeindeübergreifende Lösung, die nur vom Landkreis angestoßen werden könne, fordert Schlemann beim Thema Feld­raine ein. Dabei geht es um die Grünstreifen zwischen Ackerrändern und öffentlichem Grund, die zunehmend verschwänden. Er verwies auf eine Erhebung von vor rund zehn Jahren aus dem Kreis Uelzen, wonach rund 1400 Hektar öffentliche Grünflächen heimlich zu Acker gemacht worden seien. Schlemann: „Selbst wenn es im Kreis Lüneburg nur wenige Hundert Hek­tar wären, ginge damit viel bedeutsamer natürlicher Lebensraum verloren.“

Weniger Lebensraum wünscht er sich hingegen für den Eichenprozessionsspinner, bekräftigte abermals seine Forderung, die hochallergenen Raupen verstärkt mechanisch abzusaugen, anstatt auf kostengünstige Schädlingsbekämpfungsmittel zu setzen, die auch andere Insekten und Lebensgemeinschaften schädigen. Gleichwohl machte er deutlich, dass man mit einer weiterhin „punktuellen Bekämpfung keine großräumige Wirkung“ entfalten könne. Zum Schluss sagte Schlemann: „Das sind meine Wünsche und Empfehlungen.“ Was die Kreistagspolitiker daraus machen, werden die nächsten Monate zeigen.
Von Dennis Thomas

Mehr dazu:

Axel Schlemann: Aufgetaucht und viel beschäftigt

2 Kommentare

  1. Müll irgendwo abladen geht gar nicht.
    Und gerade der Japanische Staudenknöterich ist ein Teufelszeug!!Im Westen von Lüneburg wächst der jetzt auf einer wilden Müllkippe munter vor sich hin.Und wo der wächst wächst nichts anderes mehr der macht alles platt!!Da würde auch kein Gift helfen!!Habe die Plage leider im Garten.
    Schade ist das anderer Seits das gerade keine Säcke für Grünabfälle zu bekommen sind!
    Auch wieso Teppichdoden beim Speermüll mitgenommen wird Laminat aber nicht, erschliest sich mir nicht!

    Das nicht jeder einen Anhäger hat oder sein Auto voll Müllen oder Bauschutt haben will kann ich verstehen. Und dann lieber 500m weiter den Kram in den Wald kippt kommt sicher immer wieder vor.
    Wenn es grüne Säcke gibt wieso gibt es sowas nicht auch für Bauabfälle im kleinen Masstab ober für anderen Sperrigenmüll der nicht zum Sperrmüll gehört.
    Ich glaube nicht das es alleine die Kosten sind!

    • Nö, das ist Bequemlichkeit oder Unwissenheit – die Kosten können es jedenfalls nicht sein. Darum habe ich auch kein Verständnis für solche Sauerein. Ich habe sowohl Gartenabfälle, Bauschutt und auch ein komplettes Gartenhäuschen immer problemlos und sehr günstig zur Deponie in Bardowick gefahren. Ich weiß nicht wie sich die Kosten zwischenzeitlich entwickelt haben, aber für eine volle Kombiladung habe ich vor einigen Jahren nur 10 Euro bezahlt – da kann man nun wirklich nicht meckern! Mein Tipp: Kauft euch für 10 Euro eine Maurerbütt im Baumarkt, dann bleibt das Auto auch sauber!
      Gruß aus der „schönsten Stadt der Welt“