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Die Schule Lüne soll Ganztagsschule werden – gegen den Willen von Schulleitung und Kollegium. Foto: A/t&w

Schule Lüne soll Ganztagsschule werden

Lüneburg. Der Durchbruch schien im Sommer 2013 erreicht. Nachdem die Stadt sechs Jahre lang vor allem beim damaligen Rektor auf Granit gebissen hatte in ihrem Bestreben, die Schule Lüne zur Ganztagsschule umzuwandeln, war plötzlich von Aufbruchstimmung die Rede. Ein neuer Schulleiter war in Amt und Würden, die Stadt guten Mutes, dass bald ein pädagogisches Konzept vorliegt und sie mit dem Umbau starten kann.

Doch schon bald war von der Aufbruchstimmung nichts mehr zu spüren. Die Versuche der Verwaltung, die den politischen Willen, demzufolge alle städtischen Grundschulen zu Ganztagsschulen werden sollen, umzusetzen hat, verliefen für Lüne erneut im Sande. Jetzt ist der Geduldsfaden gerissen: Die Stadt will den Antrag im Schulausschuss am kommenden Mittwoch auf den Weg bringen – und die Schulleitung notfalls zwingen, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.

Steigende Schülerzahlen setzen Stadt unter Zugzwang

Vor vier Jahren hatte der damalige Erste Stadtrat Peter Koch der Schule einen Mangel an Innovationsfreude attestiert. Der sei auch dafür verantwortlich, dass es einen Investitionsstau gegeben habe. Denn die Stadt als Schulträger müsse schließlich verantwortungsvoll mit Steuergeld umgehen, könne nicht umbauen, wenn kurz danach durch eine Umwandlung in eine Ganztagsschule schon wieder alles über den Haufen geworfen werden muss. Inzwischen gibt es neben dem in die Jahre gekommenen Gebäude eine zweite Variable, die die Stadt unter Zugzwang setzt: steigende Schülerzahlen. Den Prognosen zufolge sind in den nächsten sechs Jahren fünf Mal so viele Erstklässler zu erwarten, dass jeweils fünf Klassen gebildet werden müssen. Dafür fehlen Räume. Es müsste also sowieso angebaut werden. Zudem macht die Verwaltung einen steigenden Bedarf an nachmittäglicher Betreuung aus.

Die Stadt schlägt deshalb vor, nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Auch wenn sich die Schule trotz einer „Vielzahl von Gesprächen bislang nicht entschließen“ konnte, „den Weg zur Ganztagsschule zu gehen“, und auch „der Wechsel in der Schulleitung keine Veränderung an der grundsätzlich ablehnenden Haltung der Schule, vor allem des Kollegiums“, gebracht habe, wie es in der Ausschussvorlage heißt, soll der Antrag jetzt gestellt werden. Vorab habe sich die Verwaltung über das Prozedere informiert, mit dem Ergebnis: Liege ein entsprechender Beschluss der Politik vor, werde die Landesschulbehörde die Schulleitung dienstlich anweisen, das pädagogische Konzept für eine Ganztagsschule mit dem Schulträger – also der Stadt – zu erstellen.

Liegen das Konzept und das erforderliche Raumprogramm vor, könnte der Ausbau zur fünfzügigen Ganztagsschule beginnen. „Voraussichtlich im nächsten Jahr beginnen wir mit dem Umbau“, sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz. „Eine Elternbefragung erfolgt nach den Sommerferien.“ Dabei gehe es dann um Inhalte und die Form der Ganztagsschule. Frühester Beginn der Ganztagsschule könne das Schuljahr 2019/2020 sein, direkt zum Schuljahresbeginn oder zum zweiten Halbjahr.

Warum ist der Widerstand an der Schule eigentlich so groß? Die kommissarische Schulleiterin kommentiert das nicht, sondern verweist auf die Personalrätin, die aber möchte sich „zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich äußern“.

Kollegium und Eltern wollen das Modell nicht

Doch bei der Ablehnung dürfte es vor allem um die Form der Ganztagsschule gehen. Das am weitesten verbreitete Modell der offenen Ganztagsschule mit freiwilligen Nachmittagsangeboten ohne entsprechende Lehrerstunden ist für viele Pädagogen ein Etikettenschwindel. Statt Lernen finde überwiegend Betreuung statt. Ihre Haltung sollen sie in den Gesprächen mit der Stadt auch mehrfach „pädagogisch begründet“ haben, heißt es.

Das Kollegium steht nicht allein mit dieser Position, wie Elternvertreter Stephan Seeger verdeutlicht: „Wir als Eltern sind auch skeptisch. Bis auf den baulichen Aspekt sehen wir die Schule gut aufgestellt. Wir haben schon heute eine Nachmittagsbetreuung mit 150 Plätzen, das funktioniert tadellos. Bei den Eltern ist die Sorge groß, dass sich die Situation mit der Ganztagsschule eher verschlechtert. Aber jetzt stellt die Stadt eben den Antrag. Wir sagen ja nicht grundsätzlich: Das ist alles doof. Wir werden uns nach unseren Möglichkeiten einbringen.“
Den Lehrern dürfte indes gar nichts anderes übrig bleiben. Wenn der Schulausschuss, der am 24. Mai ab 15.30 Uhr in der IGS in Kaltenmoor tagt, grünes Licht gibt, dürfte wenig später eine entsprechende Dienstanweisung aus der Landesschulbehörde ins Haus flattern.

Von Alexander Hempelmann