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Der neue Fahrradstreifen auf der Hamburger Straße ist für Rolf Meyer ein Positiv-Beispiel. „Das funktioniert gut, man wird von den Autofahrern akzeptiert.“ Im Radfahrer-Zeugnis kommt Lüneburg im Bundesvergleich auf Rang 28 von 98 vergleichbaren Städten. Foto: t&w

Lüneburg bekommt ein „Ausreichend“ beim Radfahrer-Test

Lüneburg. Vor allem das Angebot öffentlicher Leihfahrräder sagt den Lüneburgern zu, außerdem ist das Stadtzentrum mit dem Drahtesel gut erreichbar. Schwierig wird es allerdings, wenn man sein Fahrrad in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen möchte. Auch die schmalen Radwege missfallen vielen, und natürlich die vielen Fahrraddiebstähle, über die die LZ gestern erst wieder berichtet hatte. Das sind wesentliche Ergebnisse des neuesten Fahrradklima-Tests des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Lüneburg hat sich bei der bundesweiten Aktion im Vergleich zur Befragung im Jahr 2014 leicht verbessert: Die Hansestadt steht jetzt auf Platz 28 unter 98 Städten mit einer Gesamtnote von 3,59.

An der siebten Umfrage des ADFC haben im vorigen Herbst 120 000 Personen in 539 Städten und Gemeinden teilgenommen: Per Fragebogen haben sie bewertet, ob das Radfahren in ihrer Heimat Spaß bereitet oder Stress bedeutet und dafür Schulnoten vergeben. Der Test ist eine Art Zufriedenheits-Index der Radfahrer in Deutschland. Die Städte werden dabei nach Einwohnerzahl kategorisiert: So fällt Lüneburg in die Gruppe der Städte mit 50 000 bis 100 000 Bewohnern. An dieser aktuellen Befragung haben auch deutlich mehr Lüneburger teilgenommen: 2014 gaben nur 196 Personen eine Bewertung ab, jetzt waren es 566.

Fahrraddiebstahl ein großes Ärgernis

Eine große Veränderung bei den Ergebnissen sieht Rolf Meyer, Mitglied im ADFC-Kreisverband, nicht. Auch der vorangegangene Test sei aus seiner Sicht wie der aktuelle ernüchternd gewesen. „Es ist zu beobachten, dass die Leute anspruchsvoller werden, eine höhere Erwartungshaltung haben.“ Dem könne die Stadt nicht nachkommen. Tatsächlich liegt Lüneburg leicht über der niedersächsischen Durchschnittsnote von 3,7. Im Bundesland hat es die Hansestadt in ihrer Größenklasse auf Platz 5 geschafft, Niedersachsen zählt gar als fahrradfreundlichstes Bundesland.

Deutlich besser als die Durchschnittsbewertung aller Städte dieser Größe liegt Lüneburg im Bereich „Öffentliche Fahrräder“. Die roten Leihräder seien für jeden einfach, zuverlässig und preisgünstig nutzbar. Das ist auch Rolf Meyer aufgefallen: „Es ist interessant, dass das Leihfahrradsystem von den Leuten sehr positiv anerkannt wird, da steht Lüneburg zwei Noten besser da.“ Auch der Winterdienst auf Radwegen, oft ein Kritikpunkt am LZ-Lesertelefon, wird positiv bewertet, ebenso sind viele Teilnehmer der Meinung, dass in Lüneburg jede Altersgruppe Fahrrad fährt – egal ob Alt oder Jung (Note: 2,1).

Richtig gute Bewertungen gibt es für Lüneburg insgesamt aber nur wenige: Eine 2,5 gab es dafür, dass man seine Ziele mit dem Rad zügig und direkt erreichen könne, ebenso für die Einbahnstraßen-Regelung. So seien die meisten in der Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben.

Warum nicht mal ein autofreier Sonnabend?

Weitaus häufiger haben die Lüneburger die Note 3 oder 4 vergeben. Negativ wurde beispielsweise die Überwachung der parkenden Autos auf Radwegen bewertet, der Großteil der Befragten tendiert eher dazu, dass dies von der Stadt großzügig geduldet werde. Mit die schlechteste Note gab es für den Raddiebstahl, hier liegt Lüneburg mit einer 4,6 auch nochmal deutlich unter dem Durchschnitt von 4,1. Auch seien viele Wege für Radfahrer zu schmal, teilweise holprig und in einem schlechten baulichen Zustand.

Für Rolf Meyer ein großes Manko. „Die Breite der Radwege und die Oberflächen sind miserabel.“ Das sei nicht unbedingt eine Vernachlässigung der Stadt, sondern häufig auch Aufbrüchen durch Wurzeln geschuldet. Die schlechte Qualität der Lüneburger Radwege habe auch mit dem Alter der Stadt zu tun. Vieles sei zudem für Autofahrer gebaut worden. Dennoch sollte die Stadt, die sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahnen geschrieben hat, „auch mal den Autos weh tun – vielleicht hilft da ja mal ein autofreier Samstag“.

▶ Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests sind im Internet unter www.fahrradklima-test.de zu finden.

Von Anna Paarmann