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Michael Hasenauer von der katholischen Hochschulgemeinde gehört zu denen, die den Raum der Stille nutzen. Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften sollen hier zum Gebet und Gespräch zusammenkommen. Evangelische und katholische Kirche sowie der Zentralrat der Juden in Niedersachsen haben den Bau finanziell unterstützt. Foto: t&w

Lüneburg: Tag der offenen Tür im neuen Audimax

Lüneburg. Wer von der Galerie im ersten Stock ins Foyer blickte, fand den Andrang nicht besonders. Doch der Eindruck täuschte: Rund 4000 Besucher eroberten am Sonnabend binnen vier Stunden den Libeskind-Bau der Universität. Nachdem im März die Prominenz zur Einweihungsfeier geladen war, „darf nun das Volk kommen“, sagte ein Besucher mit einer Portion Ironie in der Stimme. Das Volk kam, sah und staunte über schiefe Wände, betonkahle und an manchen Stellen beige und rote Wände, über ein Labyrinth von Gängen, die scheinbar kreuz und quer zu den Seminarräumen in dem gezackten Bau laufen.

Dass Architekt Daniel Libeskind verwirren will, ist bekannt. Uni-Präsident Sascha Spoun erklärte es dem Publikum, das im Audimax auf alpensteilen Sitzreihen hockte, noch einmal: Die aufstrebenden Linien und harten Kanten sollen einen Kontrapunkt zur ehemaligen Kaserne setzen. „Es ist gewollt, dass Raum- und Sehgewohnheiten irritieren“, sagte Spoun. Der Bau selber wolle anregen, Fragen zu stellen, eben das sei ja eine Aufgabe der Wissenschaft

Treppenhäuser aus Sicherheitsgründen versperrt

Vier Kernpunkte verbinde das Konzept, das Libeskind mit Studenten entwickelt hatte: als Inspiration für einen Dialog, als Innovation durch ein neues Energiekonzept, als Interaktion, um neue Ideen zu entwickeln, und als Intervention. Die Mitte der 1930er-Jahre gebaute Kaserne sei unter anderem Heimat einer Einheit gewesen, die in Osteuropa Kriegsverbrechen begangen habe. Allein das Ambiente des Baus wolle einladen zu einer Diskussionskultur in Frieden und Demokratie.

Besucher sahen es profaner. Ein Mancher wunderte sich über die vielen, vielen Türen: „Alles Brandschutztüren, was die kosten.“ Steuerberater Dierk Dening wollte einen Vortrag besuchen und fand es etwas kompliziert, zehn Minuten auf Raumsuche gehen zu müssen. Andere standen, nachdem sie vor überfüllten Fahrstühlen aufgegeben hatten, verwundert vor Sicherheitsleuten, die Treppenhäuser versperrten und dies mit „Sicherheitsgründen“ erklärten. Es dürfte eher an restlichen Bauarbeiten liegen, denn ganz offensichtlich erledigen Handwerker noch diverse Nachbesserungen.

Kostenexplosion kein Thema

Doch es schwang auch Bewunderung mit. Mancher wie Sven Holdberg findet den Bau „bombastisch“. Die Künstlerin Gudrun Jakubeit, die im Erdgeschoss Arbeiten präsentierte, hat den Koloss in den letzten vier Jahren mehr als 300 Mal gezeichnet und gemalt. Auch sie ist fasziniert. Dass es keine gerade Wand gibt, sie keinen Nagel einschlagen konnte, nahm sie gelassen und als Anregung: „Ich habe mir etwas einfallen lassen müssen und Staffeleien genommen.“ Libeskind als Herausforderung.

Die Uni thematisierte nicht, dass die Kosten des Komplexes, dessen Eingangsbereich wie ein Pfeil nach oben schnellt, von 57 auf mehr als 100 Millionen Euro in die Höhe geschossen sind. Allerdings merkte der ein und andere Besucher die Ausgaben-Explosion an: „Man hätte auch anderes mit dem Geld machen können. Kindergartenplätze schaffen zum Beispiel.“

Uni-Präsident Spoun blieb gelassen. Er freute sich über die vielen Besucher: „Das zeigt ein großes Interesse an der Leuphana.“ Neben Führungen, die in den nächsten Tagen über die Internetseite der Uni angeboten werden sollen, kann er sich gut vorstellen, erneut zu einem Tag der offenen Tür einzuladen.

Von Carlo Eggeling

27 Kommentare

  1. Johannes Klein

    Das leere Stroh von den „vier Kernpunkten“ wird Dr. (HSG) Spoun nun wohl bis ans Ende aller Tage dreschen.

    Es ist schlicht unwahr, daß Libeskind das Baukonzept mit Studierenden entwickelt hat. Das Dialogkonzept läßt sich auf jedes x-beliebige Gebäude übertragen. Das Energiekonzept leistet im Hinblick auf Ersparnis nicht das, was ein Jahrzehnt lang behauptet wurde. Zwischen Gebäudegestalt und Ideenproduktion gibt es keine irgend nachweisbare Wechselbeziehung. Und das Geblubber vom Eingriff in die Geschichtsvergessenheit und von der Förderung der Diskussionkultur ist reiner Humbug. Darüber, wie die architektonische Form es sollte fertigbringen können, hier irgendetwas anzuregen oder zu bewegen, gibt es nullkommanull nachvollziehbare Auskunft. Jeder bisher behauptete Zusammenhang ist aufgepfropft und ließe sich leicht durch jeden anderen, ebenso aufs Geratewohl an den Haaren herbeigezerrten ersetzen.

    „Das Ambiente des Baus“ will „zu einer Diskussionskultur in Frieden und Demokratie“ einladen“? Wie genau macht das Ambiente das?

    Und wenn aber „das Ambiente“ tatsächlich etwas macht, warum lädt es dann nicht alle Lüneburger*innen zu einer „nachhaltigen“ Diskussion über Propaganda und Potemkin ein, bei welcher erörtert würde, wie oft und wie lange man Unwahrheiten in Bombast- und Fassadenvokabeln öffentlich wiederholen muss, bis man selbst daran glaubt?

    • „Neben den Drogen, die heute viele Tausende und vielleicht Millionen vergiften, wird unser Verstand obendrein durch die rund um den Globus verbreitete Emission pseudoakademischen Unsinns befallen.“ – Stanislaw Lem

      „Missionsschulen erzogen die ‚Heiden‘ immer und überall zu Menschen zweiter Klasse, anstatt sie auf Selbstverantwortung, Unabhängigkeit und die moderne Welt vorzubereiten.“ – Gert von Paczensky

    • Gelungene Diagnose der Pseudologia Leuphanatastica Präsidialis, Herr Klein. Das Münchhausen-Syndrom (in Tschischowo bei Smolensk auch als Mythomania Potjomkina Kelleritis bekannt) ist nüscht dagegen.

      • Ludwig Garbers

        Krankhaftes Lügen (Pseudologia Phantastica) bezeichnet eine extreme Form des Lügens, bei der es den Betroffenen vor allem darum geht, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Der Begriff wurde von dem Schweizer Psychiater Anton Delbrück im Jahr 1891 geprägt. Umgangssprachlich werden auch die Begriffe „Münchhausen-Syndrom“ und „Hochstapler“ verwendet.

        Im Vordergrund der Pseudologia Phantastica steht die dramatische Selbstdarstellung gepaart mit einem gesteigerten Geltungsbedürfnis. Es werden Geschichten erzählt, die manchmal unwahrscheinlich klingen – jedoch häufig einen wahren Kern enthalten. Diese Geschichten werden immer weiter ausgestaltet und entwickeln dabei eine starke Eigendynamik. Die Pseudologen steigern sich oft so sehr in ihr Lügengebäude hinein, dass sie selbst anfangen, an die erfundenen Ereignisse zu glauben. Anders als bei Notlügen finden sich keine aktuellen äußeren Anlässe, die das Verhalten erklären.

        Charakteristisch für krankhafte Lügner sind ein gutes Gedächtnis, ausgeprägte schauspielerische Fertigkeiten und überdurchschnittliche verbale Fähigkeiten sowie ein sympathisches, gewinnendes Auftreten. Den Pseudologen geht es darum, sich dramatisch vor Publikum in Szene zu setzen und große Aufmerksamkeit zu erzielen. Nicht selten wird dafür bewusst ein besonders gutgläubiges „Publikum“ ausgewählt. Heute gilt die Pseudologia Phantastica daher als Symptom der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

        Herkunft: Lexikon der Psychologie, https://www.psychomeda.de/lexikon/krankhaftes-luegen.html

    • »Das leere Stroh von den „vier Kernpunkten“ wird Dr. (HSG) Spoun nun wohl bis ans Ende aller Tage dreschen.«

      Volltreffer!

      Und wenn wir nicht gestorben sind, drischt er es auch noch danach.

      • Hubert Kessler

        Ich glaube, bei der Spounschen Reklametechnik des Dauerdreschens ist „The Hoff“ das Vorbild: 29 Jahre nach seinem Nummer-eins-Hit „Looking for Freedom“ geht David Hasselhoff (64?) 2018 in Deutschland auf „30 Years Looking For Freedom“-Tour. Das gab seine Rechenkünstleragentur bekannt. Auf den ungefähr zehn Konzerten wird Hasselhoff dann einen Einheitssoundbrei mit den Highlights seines umfangreichen Backkatalogs präsentieren, als da wären: „Looking for Freedom“ (Single-Version), „Looking for Freedom“ (Maxi-Version), „Looking for Freedom“ (Karaoke-Version), „Looking for Freedom“ (A-capella-Version), „Looking for Freedom“ (rückwärts gesungen), „Looking for Freedom“ in Gebärdensprache, ein „Looking-for-Freedom“-Medley sowie eine Coverversion von Marius Müller-Westernhagens „Freiheit“ (zur Melodie von „Looking for Freedom“).

    • »Die Uni thematisierte nicht, dass die Kosten des Komplexes, dessen Eingangsbereich wie ein Pfeil nach oben schnellt, von 57 auf mehr als 100 Millionen Euro in die Höhe geschossen sind.«

      Das ist eine sehr gelungene, zwar jugend-, aber nicht gänzlich ironiefreie Formulierung vom senioren Stadtredakteur Carlo Eggeling.

      »›Es ist gewollt, dass Raum- und Sehgewohnheiten irritieren‹, sagte Spoun.«

      Können die Gewohnheiten bräsig schaumschlagenden Nichtssagens so sehr irritieren, dass einem sogar der eigene, eben hervorziselierte Unsinn entgeht?

      Jenes heillos in sich verknotete Sprechunglück brachte also der Uni-Präsident selbst hervor. Dafür bürgt natürlich ebenfalls der schlitzohrige Redakteur, der es dokumentiert. Dass Textarchitekt Sascha Spoun verwirren will, ist bekannt. Ich stelle mir vor, wie er es dem Publikum, das im Audimax von alpensteilen Sitzreihen lauschte, noch einmal erklärte: Die aufstrebenden syntaktischen Linien und harten semantischen Kanten seiner Äußerung sollen einen Kontrapunkt zur kasernierenden Normalität unserer Alltagssprache setzen. Der Satzbau selber wolle anregen, Fragen zu stellen, eben das sei ja eine Aufgabe seiner Wortwahl. — Trotzdem: Die obige Preziose artikulatorischer Feinmeisterei würde ich mir von Herrn Spoun gerne einmal ins Lateinische übersetzen lassen.

      • Wenn Herrn Sascha Spoun bereits „Gewohnheiten“ irritieren, die ja den burnout-gefährdeten Social-Media-Präsidenten neuen Typs von den digital-deliberativen Herausforderungen für die Universitätsgesellschaft des 21. Jahrhunderts entlasten sollen, — wie steht es dann mit den disruptiven Kontrapositionen zu diesen durch häufige und stete Wiederholung ihm selbstverständlich und teuer gewordenen rhetorischen Marotten, Ticks und Automatismen, dem Schrägen, dem Gezackten, dem Verzinkten, kurz: dem Ungewohnten?

        P.S.: Was sind „Raumgewohnheiten“? Sind das Praktiken und Rituale, wie sie etwa auf Örtchen der Stille eingeübt werden?

    • Den Raum der Stille habe ich mir am 20. mal angesehen. War nicht leicht, reinzukommen. Ich würde da tatsächlich eher von einem Räumchen als von einem Raum sprechen. Wenn Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum durch jeweils eine Person darin vertreten sind, werden die Repräsentanten von Daoismus, Shintoismus, Bahaitum und Konfuzianismus vor der Tür warten müssen, bis die Konkurrenz das Kämmerchen wieder verlassen hat, um sich anschließend hineinquetschen zu können. Jens-Peter Schultz auch Ochtmissen und Klaus Bruns aus Reppenstedt werden zusammen mit dem Dalai Lama aus Lhasa kaum hineinpassen.

  2. Ingo&Ingeborsch

    Viele Besucher »standen, nachdem sie vor überfüllten Fahrstühlen aufgegeben hatten, verwundert vor Sicherheitsleuten, die Treppenhäuser versperrten und dies mit ›Sicherheitsgründen‹ erklärten. Es dürfte eher an restlichen Bauarbeiten liegen, denn ganz offensichtlich erledigen Handwerker noch diverse Nachbesserungen.«

    Zu der neuesten Riesenflunkerei, nämlich der über den angeblich schon fertig gestellten Libeskind-Bau, gab es in den letzten beiden Wochen eine herrliche Leserdiskussion unter dem Artikel über die großen Probleme beim Vermieten der bizarren Bauruine: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/656032-leuphana-kaum-was-los-im-zentralgebaeude

  3. an die Studierenden Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou hatte ich mm 9. April 2017 um 20:43 Uhr geschrieben:

    in eurem mutigen und durchdachten Grußwort anlässlich der Eröffnungsfeier des neuen Zentralgebäudes am 11. März 2017 betont ihr:

    „Das Zentralgebäude verkörpert einen antifaschistischen Akt durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes – und das ist gut so.“ (https://www.youtube.com/watch?v=hWkAcvhn3cQ??)

    Könnt ihr mir erklären, wie dem Libeskind-Bau gelingt, „durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes“ den vermeinten „antifaschistischen Akt“ zu „verkörpern“? Ja, es gibt einen drastischen, einen sogar extrem aufdringlich sich aufdrängenden Stilbruch zum Kontext! Aber was daran ist „antifaschistisch“? Sind Stilbrüche per se bzw. an und für sich „antifaschistisch“? Oder handelt es sich bei eurer Attributierung einfach um eine wunschmotiviert übernommene Floskel, deren Zuschreibung ihr aber nicht weiter begründen könnt?

    Wenn ihr bedenkt, woher die auffällig ins Auge stechende Zinkverkleidung des Monuments stammt, könnte dann nicht ebenso plausibel behauptet werden, der Bau dekonstruiere gar nicht militaristische Traditionen, sondern gerade umgekehrt: er zerstreue antimilitaristische Vorbehalte gegen Kooperationen neuen Typs mit der modernen Rüstungsindustrie?

    Das Original: https://jj12.wordpress.com/2017/03/13/die-leuphana-und-marschall-potjomkin/#comment-353

    Leider habe ich von Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou – ebenso wenig wie von Sascha Spoun oder den Professoren Achatz von Müller und Ulf Wuggenig – bis heute eine Antwort auf meine Fragen erhalten.

    Woran mag das bloß liegen?

    MfG, Kevin Schnell

  4. Damit, dass man den Ehrentitel „antifaschistisch“ verleihen darf, adelt und erhöht man sich zunächst selbst. Das ist die moderne Form des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit der in diesem Fall nicht ausschließlich das Objekt geehrt werden soll, sondern zunächst einmal der, der diese Ehre verleihende selbst. Die Vortragenden Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou erheben sich auf diese Weise zum Polizist und Richter in einer Person und können in dieser Form groß und allmächtig über dem Geschehen schweben, ohne von eventuellem Makel des Objektes selbst betroffen zu sein oder sich dem Staub der Schlacht vom Hosenbund klopfen zu müssen. Sie bleiben dadurch rein und geradezu päpstlich unantastbar.

    • Kevin Schnell

      Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou, lieber Klaus, haben (ANDERS ALS SIE hier im Forum seit Jahren) UNMASKIERT und mit OFFENEM VISIER vor 800 frisch frisierten Damen und Herren, die sich selbst zur wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Prominenz unseres Bundeslandes zählen (unter ihnen der Ministerpräsident, die Wissenschaftsministerin, der Landratsmanfred und der Oberuli, ergänzt durch Bundesbildungsministerin Professor Dr. Wanka und den Architekten Libeskind sowie in Gegenwart von Friedrich von Mansberg, Alexander Schwake, Henning J. Claassen und Bernd Althusmann), eine, nein, – die einzige – kritische Rede gehalten, die sowohl den Bau, um den sich alles drehte, inklusive der um diesen dreist, ja, schamlos herumgefabelten scheinlegitimatorischen Entstehungsmärchen UND den Kontext der ruinösen Selbstaufgabe von Bildung zugunsten von Vermarktung, Verkauf und Verwertung durch unsere inferiore Wissenschaftspolitik zur Sprache gebracht. Und nur, weil – im Vergleich zu den anderen Vortragenden des Vormittags – der MUT außergewöhnlich und das intellektuelle Niveau der Rede dieser beiden Studierenden (https://www.youtube.com/watch?v=hWkAcvhn3cQ??) unerwartet hoch gewesen ist, habe ich mir überhaupt gestattet, meinen Finger auf die einzige Stelle zu legen, wo ihre Argumentation holpert und ins Phrasenhafte ausgleitet. Sie verstehen, Klaus, weil die beiden jungen Leute ALLEN ANDEREN in Substanz und Durchdachtheit so weit voraus waren, hatte ich gehofft, von ihnen eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen, die etwas taugt. Nicht Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou erheben sich, Klaus! Das tun Sie, der zwei Zwanzigjährigen mit irgendwelchen angeschimmelten Geschichtsklischees ans Zeug zu flicken versucht, denen er in Sachen Courage und gedankliches Bemühen, wie es den Anschein hat, nicht das Wasser reichen kann.

  5. Norbert Kasteinecke

    Mich erinnert das pseudointellektuelle Geschwurbel an den Antifaschistischen Schutzwall.

    „Das Zentralgebäude verkörpert einen antifaschistischen Akt durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes – und das ist gut so.“
    Was studiert man eigentlich an der Leuphana?

    • Kevin Schnell

      Die Leuphanarratoren probieren, mit Märchen, Metaphern und Mythen an der Lüneburger Uni-Geschichte zu schreiben. Leider nicht sehr virtuos. Und ganz sicher vergeblich.

      DARUM geht es hier, Bundesnorbert. WENN es gelingen würde, plausibel – oder auch nur erahnbar – zu machen, wie, inwiefern oder AUF WELCHE WEISE „das Zentralgebäude einen antifaschistischen Akt durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes verkörpern“ KÖNNTE, wäre jedenfalls ich zufrieden. Denn was immer man mit dem schwammigen, vielfältig ausdeutbaren und oft missbrauchten Adjektiv „antifaschistisch“ auch im einzelnen meint, die Abwehr eines primitivistisch naturalistischen Köhlerglaubens, der den Vorrang bestimmter Gruppenegoismen biologistisch zu rechtfertigen sucht und im Verfolg davon Massenpanik und Gewaltphantasien anheizt, wäre unbedingt zu begrüßen. Doch – wie gesagt – dies ist hier gar nicht das Problem. (Und darum auch nicht die Frage, was SIE, Norbert, mit dem hier vollkommen deplatzierten, überhaupt durch gar nichts motivierten Aufrufen Ihrer Floskel vom „Antifaschistischen Schutzwall“ auf der Hinterbühne Ihres Agitatorenbewusstseins eigentlich beabsichtigt hatten.)

      Das Problem ist, dass leitende Vertreter der Leuphana einfach BEHAUPTEN, der Libeskind-Bau trage irgendwie zur historischen Aufklärung bei, OHNE DAS BELEGEN ZU KÖNNEN. Sie BENUTZEN (oder instrumentalisieren schlicht) ein zu Recht hochgradig sensibilisierendes – und moralisch aufgeladenes – Erzählmuster, um den Skandal eines verrückt überteuerten und weitgehend dysfunktionalen Bauwerks zu KASCHIEREN. Und die Phrasen und Stereotypen, mit denen sie dies tun, werden mit erheblichem Werbeaufwand wieder und wieder in die Köpfe der Menschen gehämmert. DAS ist mein Einwand und DAZU hätte ich gerne eine Entgegnung von Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou gehört.

  6. Susanne Jäger

    @Norbert Kasteinecke

    Wen interessiert, was Sie woran erinnert?

    Was „man“ studiert? Was studieren Sie?

    Der schlimmste Neidhart ist in der Welt, der Jeden für Seines-Gleichen hält.

    Nicht wahr?

  7. Der Bau selber wolle anregen, Fragen zu stellen, eben das sei ja eine Aufgabe der Wissenschaft
    meine frage: was sollte der schwachsinn? die erklärungen erscheinen mir noch schwachsinniger. hoch durchgeistiger müll bleibt müll. schwamm drüber ,wie bei der elbphyl. bald werden menschen in massen erscheinen, ihre köpfe in den nacken legen und sich fragen: was soll das? wer hat für dieses hier geld ausgeben? man wird ihnen antworten: es war volkswille und deswegen habt ihr es auch bezahlt.

    • Hallo Klaus Bruns, anders als die Leuphanesen in ihrem Libeskind-Prêt-à-porter trage ich aus Prinzip keine Markenklamotten, mein Freund geht die Angelegenheit viel spielerischer an: Als uns vorhin auf der Strandpromenade in Travemünde eine junge Dame entgegenkam, die ein T-Shirt mit der Aufschrift »Super Dry Beach« trug, rief er ihr begeistert zu: »Ich möchte lösen: Wüste!«

      Wie halten Sie das beim Shoppen und Flanieren in Reppenstedt?

      Katinka Buddenkotte

  8. vom zentralrat der juden hätte ich erwartet, sie wären bessere kaufleute, als die evangelische und katholische kirche.so kann man sich irren.

    • Können Sie mal erklären was sie mit diesem Kommentar zum Ausdruck bringen wollen? Mit was steht der Kommentar im Zusammenhang?

      • Klaus
        ist ihre frage ernst gemeint? wer sich mit den sogenannten spendengebern hier beschäftigt, bekommt hier automatisch die antwort auf meine feststellung

    • Vom Zentralrat von Anikó Hauch, also Ihnen, Herr Bruns, hätte ich erwartet, Sie wären ein liberalerer Besserwisser als die Dumpfbacken, die immer noch mit den einzementierten Verschörungsschablonen vom Weltfinanzjudentum im Kopf herumposten.

    • Karlheinz Fahrenwaldt und Klaus Bruns, wir haben uns ja ewig nicht gesehen! Komm, laßt uns ein Bier trinken und über die alten Zeiten schweigen!

  9. Verehrter Kreistagsabgeordneter Fahrenwaldt

    Warum so streng? Müssen wir dem Präsidium der Leuphanesen nicht dankbar sein? Oder können Sie sich an eine Komödie seit dem Einakter „Les Précieuses ridicules“ von Molière erinnern, uraufgeführt immerhin schon am 18. November 1659 (im Théâtre du Petit-Bourbon), die uns mit ähnlich schöner Regelmäßigkeit einen derart bunt gemischten Reigen von zahlreichen Elementen des klassischen Lustspiels geboten hätte, wie es Herr Spoun und seine Bühnenmitarbeiter tun? Groteske, Scherz, Commedia dell’arte, ätzende Literatur- und Gesellschaftssatire und possenhafter Unsinn in barocker Hülle und Fülle — und das alles praktisch täglich und auch noch vollkommen unfreiwillig?

    Allzeit die Ihre: Teja Fischer

  10. Am Donnerstag ist Denis Johnson, einer der größten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart, mit siebenundsechzig Jahren gestorben. In seinen Romanen erkannte sich der Mensch als unbekanntes Wesen.

    Es sind sehr gegenwärtige Romane. Denn sie handeln auch von der erstaunlichen Leichtigkeit, mit der sich Politiker, Glücksritter, Aufschneider, Geschäftsmänner und Hasardeure durch einen schwülen Dunst von Fake bewegen wie über eine abenteuerliche literarische Bühne. Wo es finster ist, verwirklichen sie sich selbst. Vielleicht in Ghana, in Kuwait, bei Bertelsmann oder am Bockelsberg. Die Welt ist voller Möglichkeiten.

  11. In ein paar Jahren, wenn der Libeskind-Bau fertiggestellt sein und die Künstlerin Gudrun Jakubeit den Koloss mehr als 3.000 Mal gezeichnet und gemalt haben wird, kommt bestimmt einmal ein kluger Student auf eine Idee, was Herr Spoun und Herr Dr. Meyer-Guckel mit der Multiplex-Immobilie anfangen könnten.

    • Vielleicht sollten die beiden es mal mit Lehre und Forschung versuchen. Wer tatsächlich arbeitet, kann auf Claqueure gut verzichten. Bei uns in der Radiologie toben auch nicht alle paar Tage Heerscharen von Gaffern durchs Gebäude.