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Ungewohntes Bild: Ein Triebwagen rollte nahe Erbstorf in der vergangenen Woche täglich über die sonst wenig genutzte Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Bleckede. Der „S-Bahn“-Test verlief erfolgreich, jetzt werden Zahlen und Fahrgastbefragungen ausgewertet und an die Politik übergeben. Foto: t&w

S-Bahn: Probelauf lässt auf mehr hoffen

Bleckede/Lüneburg. Das Experiment ist abgeschlossen – und das Ergebnis hat die Verantwortlichen überwältigt. 3021 Fahrgäste nutzten in der vergangenen Woche den „S-Bahn“-Probe­betrieb zwischen Lüneburg und Bleckede. „Deutlich mehr, als wir uns erhofft hatten“, gesteht der Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn, Pero Schmidt. Fünf Mal pro Tag fuhr der Zug hin und her, absolvierte an den fünf Tagen insgesamt 50 Einzelfahrten. Pero Schmidt arbeitet nun an den Auswertungen der Fahrgastbefragungen, eins ist für ihn aber jetzt schon klar: „Wir werden alles geben, damit es in naher Zukunft auf dieser Strecke wieder einen regelmäßigen Personenverkehr gibt.“

Unterstützung erwartet sich Schmidt dabei von der Politik – und hat mit Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) und Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) bereits zwei Unterstützer gewonnen. Beide Verwaltungschefs sind von dem Ergebnis des Probelaufs begeistert, wollen sich nun mit Nachdruck stark dafür machen, dass das Land eine Reaktivierung der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede sowie der Verbindung Lüneburg-Amelinghausen noch einmal prüft. Gute Argumente für ihr Ziel haben sie nach dem Probelauf einige, allen voran die überragende Resonanz. Und: „Die Fahrgastbefragung hat gezeigt, dass das nicht etwa ein Spaßbetrieb war“, sagt Schmidt, „die große Mehrheit der Fahrgäste kam aus der Region und nutzte die Bahn, um zur Arbeit, zum Arzt, zu Behörden oder zum Einkaufen zu kommen.“

Dazu seien Touristen aus dem Umland gekommen, die nach Scharnebeck oder Bleckede wollten. Möglich gemacht haben den „S-Bahn-Verkehr“ auf Probe die Bleckeder Kleinbahn, eine hundertprozentige Tochter der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), und der Eisenbahn-Oldtimer-Verein „Nebenbahn Staßfurt-Egeln“ aus der Nähe von Magdeburg – genauer: ein Team Ehrenamtlicher um Pero Schmidt (Betriebsleiter), Mirko Mokry (Lokführer) und Tim Schierbaum (Fahrgastbetreuer). Das Trio hat den Betrieb eine Woche lang von morgens bis abends begleitet und gestemmt – zu 100 Prozent ehrenamtlich. „Wir glauben an die Sache“, sagt Schmidt, „und dafür nimmt man auch schon mal eine Woche Urlaub.“

Wie es nun weitergeht? „Zunächst werde ich die Auswertung der mehr als 900 Fragebögen verschriftlichen und der Politik übergeben“, erklärt Schmidt. „Dann hoffe ich, dass die das so schnell wie möglich an das Land weitergibt und eine Machbarkeitsstudie einfordert.“ Bedingung: „Die Ergebnisse des Probebetriebs müssen in diese Studie mit einfließen.“ Sollte die positiv ausfallen – „wovon ich ausgehe“ (Schmidt) – müsse das Land den Betrieb der Strecke nur noch ausschreiben.

Parallel müsste die Bleckeder Kleinbahn als Fahrbahn-Verantwortliche die noch ausstehenden Teile der Strecke instand setzen. „Für das nächste 300 Meter lange Teilstück hinter Neu Neetze haben wir gerade 90 000 Euro Förderung vom Bund erhalten“, sagt Betriebsleiter Schmidt. Zusätzlich müssten einige Bahnübergänge technisch gesichert, die Bahnsteige erhöht werden. Aufwand, „der zu bewältigen ist“, glaubt Schmidt. Er ist überzeugt: Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte es wieder einen regelmäßigen Bahnverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede geben. Der erste Schritt zumindest ist schon mal gelungen.

Von Ingo Petersen

4 Kommentare

  1. Ein großes Lob für den Mut und die Initiative der Aktiven! Ich hoffe nun, dass auch der Landrat, der HVV und diese „hochgelobte“ Metropolregion dieses Projekt unterstützen. Nicht nur, dass Pendler besser vorankämen, auch der Tourismus in der Elbtalaue würde profitieren.

    • Sehr schöner Ansatz eine ständig zwischen Bleckede und Amelinghausen pendelnde S-Bahn wäre ein echter Schub für die Region. Allerdings sind an der Strecke mehr als Reparaturen vorzunehmen. Teilweise konnte die Bahn nur Schritttempo fahren. Wenn die jetzige Fahrzeit nicht halbiert werden kann, dann macht die Bahn keinen Sinn.

  2. Hier kann man gut sehen das die Leute den öffentlichen Nahverkehr nutzen wollen (und auch werden). Ich bin auch Pendler (LG HH) und würde gerne mit den Öffis fahren. Bin wirklich nicht scharf darauf mein Auto Tag für Tag zu nutzen. Allerdings sind die Verbindungen so schlecht … da benötige ich pro Strecke 1 Std. mehr (als mit dem Auto). Und dann noch die überfüllten Bahnen/Busse. Ich denke/weiß das viele Pendler so denken. Aber solange der Öffentliche Nahverkehr so stiefmütterlich behandelt wird .. werden die Strassen weiterhin verstopft sein (und die Umwelt belastet).

  3. Vielen Dank an die Ehrenamtlichen!