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Die Sängerinnen des Frauenchors strecken fröhlich ihre Hände in die Höhe: Sie haben sich ihre Fingernägel pink lackiert, um sich für Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung starkzumachen. Foto: t&w

Frauenchor bekennt Farbe

Lüneburg. Bei diesen Mai-Konzerten war etwas sichtbar anders: Der Frauenchor „MissTöne“ bot dem Publikum in der Lüneburger Musikschule jetzt nicht nur ein buntes Programm aus Rock, Pop, Klassik und Musical, sondern auch eine ordentliche Portion Farbe. Die rund 50 Sängerinnen hatten sich allesamt die Fingernägel pink lackiert, um eine Aktion zu unterstützen, die zurzeit die Sozialen Netzwerke beschäftigt: den Hashtag-Protest „PinkFirst“.

„Wir sind froh, Frauen zu sein“

Zum Hintergrund: Die Aktion hatte die Frauenzeitschrift „Brigitte“ am Internationalen Frauentag im März gestartet, ausgelöst wurde sie durch den „Women‘s March on Washington“, dem Protestmarsch für Frauen- und Menschenrechte, der am Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump Hunderttausende Unterstützer fand. Viele Frauen und Männer sind dabei mit pinkfarbenen Hüten auf die Straße gegangen, weltweit fanden Solidaritätsmärsche statt.

Cathrin Claußen singt in dem Lüneburger Frauenchor, auch sie stand jetzt mit pinkfarbenen Fingernägeln auf der Bühne. Sie sagt: „Wir sind froh, Frauen zu sein, aus mindestens 50 verschiedenen Gründen. Und das soll auch so bleiben.“ Die ersten Risse im Lack würden aber auch daran erinnern, wie brüchig Freiheit und Selbstbestimmung seien, wie kurz die Geschichte der Frauenbewegung und wie weit noch der Weg, Zwangsheirat, Beschneidung, Frauenhandel, Ehrenmord, Missbrauch, Gewalt, Diskriminierung und Chancenungleichheit ein Ende zu machen.
Und auch wenn die Farbe von den Nägeln verschwunden, man wieder Lehrerin, Ergotherapeutin oder Mutter sei, wolle man noch immer Farbe bekennen für die Rechte aller Frauen auf der Welt. ap