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Insgesamt 40 historische Trecker hat Jürgen Scharnhop in knapp 35 Jahren gesammelt. Zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Geräten zeigt er sie in seinem Heimat- und Treckermuseum. Foto: phs

Ausflugstipps an Himmelfahrt: Vom Lanz zum ersten Abschlag

Römstedt. Allein in Norddeutschland gibt es rund 20 Ortsteile, die den Namen Niendorf tragen. Doch wohl keiner von diesen vereint auf engstem Raum derart außergewöhnliche und dabei gleichzeitig so verschiedenartige Attraktionen wie die kleine Siedlung der Gemeinde Römstedt. Ob Technik oder Sport – hier kommt jeder auf seine Kosten.

30 Straßenkilomter, aber nur 23 Kilometer mit dem Rad ist Niedorf I von Lüneburg entfernt. Grafik: ck

Egal aus welcher Richtung man das idyllisch gelegene Dorf erreicht: Das Heimat- und Treckermuseum auf dem Hof Scharnhop ist von allen Seiten bestens ausgeschildert. Insgesamt 40 historische Traktoren hat der Hausherr in den vergangenen knapp 35 Jahren hier gesammelt – darunter so legendäre Marken wie Lanz, Normag, Hanomag und Deutz. Dazu gesellen sich noch unzählige Gerätschaften aus alten Zeiten, „größtenteils antike Sammlerstücke, die mir die Besucher mitgebracht haben“, erzählt Jürgen Scharnhop schmunzelnd. So reihen sich auf dem Dachboden des alten Schweinestalls Waschmaschinen neben Kohlhobel, Saftpressen neben Webstühlen, aber auch Schnippelmaschinen und Fahrräder aneinander. Die eigentlichen Schätze des heute 80-Jährigen stehen aber im Erdgeschoss.

1938er Bulldog weckte Kindheitserinnerungen

„Im Jahr 1983 fand im Nachbardorf ein Trecker-Kräftemessen statt“, berichtet der pensionierte Landwirt aus den Anfängen seiner Sammelleidenschaft. „Als plötzlich ein Lanz Bulldog, Baujahr 1938, mit seinem unvergesslichen Klang angefahren kam, lief meine Kindheit wie ein Film in mir ab. So einen musste ich auch haben.“ Kurzerhand inserierte Scharnhop in einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift – und wurde spontan fündig: Innerhalb von nur vier Wochen hatte er seine begehrtesten Stücke zusammen, darunter der 35 PS Ackerluft Bulldog, ein 28 PS Stahl-Deutz, Baujahr 1938, ein Hanomag AGR 38, Baujahr 1940, sowie ein Normag NG22, Baujahr 1938, „weil mein Vater so einen hatte“.

Ob mit Plattfuß, Beulen oder vollkommen verrostet: Scharnhop hatte, was er wollte – und das erregte Aufmerksamkeit: „Die Zeitung kam und schrieb einen Bericht über meine Sammlerstücke, dann erhielt ich Anrufe – und immer mehr Angebote.“ Schon 1990 waren es dann 20 Stück. Und die sollten dann auch der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Hilfe von polnischem Leiharbeiter

Restaurierte der heute 80-Jährige seine Schätze anfangs noch allein und das ganze Jahr über, stieß er doch immer häufiger an seine Grenzen. „Ich war beruflich schließlich total eingespannt“, sagt er, „zudem war die Arbeit an den alten Fahrzeugen doch recht aufwändig.“ So nutzte der Ackerbauer schließlich nur noch die Wintermonate, um sich seinem Hobby zu widmen, und fand in einem polnischen Leiharbeiter eine kompetente helfende Hand. „Das hätte ich alleine nicht hinbekommen.“

Mittlerweile ist Scharnhop längst im Ruhestand, widmet sich Haus, Hof und Familie – und natürlich seinen Gästen. Die sind auch am heutigen Vatertag jederzeit willkommen – genauso wie bei seinen Nachbarn.

Keine 400 Meter vom Museum entfernt hat Dörte Schenk gemeinsam mit ihrem Mann Reiner auf einer ausrangierten Ackerfläche eine Golfanlage angelegt – nicht ganz den Vorschriften der traditionellen Ballsportart entsprechend, aber genau das war auch das Ziel: „Wir bieten Golf für Jedermann“, erklärt die Landwirtin, „ohne Mitgliedschaft und Ausrüstung, ohne notwendige Vorkenntnisse oder großartigen finanziellen Einsatz.“

SwinGolf: Start an jedem Abschlag

Genau einen Schläger benötigt der Spieler beim sogenannten SwinGolf. Er ist in verschiedenen Längen erhältlich, weist unterschiedlich gewinkelte Seiten auf und ermöglicht so gleichermaßen Distanzschläge, Annäherungsschläge sowie auch das Einlochen. Der Ball ist größer und weicher als beim traditionellen Golf, das Loch, das das Ende einer jeden Bahn bildet, wesentlich weiter – ansonsten sind die Regeln ähnlich.

Einen Caddy brauchen die Spieler beim SwinGolf nicht: Es gibt nur einen Schläger für alle Schläge, auch ist der Ball größer und weicher als beim traditionellen Golf. Foto: phs

„SwinGolf ist für jeden und jedes Alter geeignet“, meint Dörte Schenk, die die Anlage mittlerweile im 8. Jahr betreibt, „wer sportlich-ehrgeizig ist, geht stramm über die Bahnen und versucht, alle 18 Löcher zu spielen, wer die ganze Sache eher locker sieht, nimmt einen Bollerwagen mit Getränken mit und begießt jeden Schlag.“ Und das kommt nicht selten vor: „Wir haben hier viele Firmenfeiern und Junggesellenabschiede“, erzählt Dörte Schenk, „da kommt jeder auf seine Kosten.“

Zwei bis drei Stunden halten sich die Gäste in der Regel auf dem grünen Rasen auf, „danach lässt dann meist die Konzentration ein wenig nach“, erklärt die Landwirtin. Doch auch wenn es voll wird auf der Anlage – warten muss beim SwinGolf keiner: „Es kann an jedem beliebigen Abschlag gestartet werden.“

Weitere Infos:

Altes Blech und mehr

Das Heimat- und Treckermuseum in Niendorf I Nr.2 (Römstedt) ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Besuch ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.

Wer allerdings eine Führung von Jürgen Scharnhop genießen oder aber mal den Klang einer alten Maschine hören möchte, sollte sich vorab mit dem Hofherrn in Verbindung setzen unter (05807) 248. Weitere Informationen finden Interessierte auch auf der Internetseite des Hofes unter www.hof-scharnhop.de.

Familienspaß auf dem Feld

Die SwinGolf-Anlage von Familie Schenk liegt in der Gemeinde Römstedt, Ortsteil Niendorf I Nr. 1.

Sie ist mittwochs bis samstags ab 13 Uhr, sonntags bereits ab 12 Uhr geöffnet. Kinder bis 16 Jahren zahlen 6 Euro, Erwachsene 10 Euro.

Für Familien und Gruppen gibt es gesonderte Angebote. Wer mit mehr als fünf Personen spielen möchte, sollte sich vorher unter (05807) 207 anmelden. Hunde sind an der Leine erlaubt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.swingolf-niendorf.de.

Eine Radtour wert

Niendorf I in der Gemeinde Römstedt liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Altenmedingen und knapp 30 Kilometer südöstlich von Lüneburg.

Mit dem Rad können verschiedene Strecken genutzt werden, die fürs Auto teilweise nicht zugelassen sind. Die Entfernung reduziert sich dadurch auf etwa 23 Kilometer.

Eine Möglichkeit führt am Ufer des Elbe-Seitenkanals (ESK) entlang bis auf Höhe von Altenmedingen, bevor der Radweg Richtung Osten abzweigt, eine zweite Strecke führt parallel zum ESK über Gifkendorf und Solchs­torf nach Altenmedingen.

Von Ute Lühr