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Güterzüge, die durch Lüneburg fahren, sind für viele Anwohner der Bahnstrecke ein Dauerärgernis. Sie wünschen sich, dass es dauerhaft leiser wird. Foto: A/t&w

Statt Lärm nur ein Rauschen

Lüneburg. Die Zustände dürften für Anwohner an der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen fast idyllisch klingen: Wenn die Strecke ausgebau t wird, soll es zusätzlichen Schutz geben. Der Belastungspegel in der Nacht von derzeit 74 Dezibel soll um ein Drittel auf 49 Dezibel sinken. Es soll dann sogar möglich sein, bei leicht geöffnetem Fenster zu schlafen. All das würde sich – kurz zusammengefasst – daraus ergeben, wenn das im Dialogforum Schiene Nord gefasste Ergebnis zur sogenannten Alpha-E-Variante umgesetzt werden würde. Diese Botschaft hatte der Ingenieur Michael Jäcker-Cüppers zu einer öffentlichen Fraktionssitzung der Ratsgrünen mitgebracht. Der Fachmann war bis 2009 Leiter des Gebiets „Lärmminderung im Verkehr“ im Bundesumweltamt, jetzt hat er einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Berlin inne.

2030: Doppelt so viele Güterzüge

Wie berichtet, planen Bund und Bahn, Strecken für den Güterverkehr auszubauen. So könnte das sogenannte Dritte Gleis, das zwischen Harburg und Lüneburg bereits in Betrieb ist, in Richtung Süden verlängert werden. Laut Jäcker-Cüppers würde sich die Zahl der Güterzüge von aktuell 180 pro Tag bis 2030 auf 362 verdoppeln. Dazu kommen die Personenzüge.
Anspruch auf zusätzlichen Lärmschutz, das heißt den Bau von Wällen oder Wänden, bestehe im Prinzip nur dann, wenn die Bahn Strecken neu- oder ausbaut, sagte der Sachverständige vor rund 30 Zuhörern im Büro der Grünen an der Neuen Sülze. „Betriebliche Veränderungen begründen keinen Anspruch.“ Das heißt: Wenn über bestehende Gleise mehr Züge rollen, ergibt sich für Anlieger zumeist keine Möglichkeit, dass Forderungen erfüllt werden.

Anwohner bleiben skeptisch

Mehrere Bürger wollten wissen, wie es um den Lüneburger Bahnhof samt dem alten Güterbahnhof bestellt sei. Dort lägen genug Gleise, die Bahn müsse wahrscheinlich nichts erweitern. Der Referent verwies auf den Beschluss der Dialogforums: „Der bedeutet: Lärmschutz an der gesamten Strecke.“ Die Zuhörer hatten Zweifel, ob die Bahn beispielsweise im Bereich Blümchensaal tatsächlich Wände gegen den Krach bauen wird.

Jäcker-Cüppers umriss noch weitere Punkte, die den Lärm reduzieren sollen. So sehe die Vereinbarung vor, dass auf leisere Betriebstechnik gesetzt werde. Das bedeute andere Bremssysteme an Güterzügen, eine bessere Pflege an Rädern und Gleisen. All das soll auch für ausländische Bahngesellschaften gelten; ein weiteres Stichwort war eine Geschwindigkeitsreduzierung.
Zuhörer blieben skeptisch. So erklärte eine Anwohnerin, dass die Bahn nach ihrem Eindruck in den vergangenen Monaten mit deutlich mehr Zügen am alten Güterbahnhof rangiere: „Es ist lauter.“

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Karsten Hilsen

    Bei der Bahn wird schon seit einigen Jahren an Planungen gearbeitet, die derzeitige Standard-Länge der Güterzüge von ca. 700m, auf ca 1500m zu verdoppeln.
    Güterzüge mit einer Regellänge von 1000m verkehren bereits seit mehreren Jahren zwischen Hamburg und Dänemark.
    (Von der ursprünglichen Idee, 1000m lange Züge als Regel-Länge ist man im Verlaufe dieser Planungen auf 1500m gkommen, weil so ein wesentlich günstigeres Aufwand-Nutzen-Verhälnis zu erzielen sei.)
    Doppelte Länge bedeutet, dass die Lärm-Exposition je Güterzug doppelt so lange andauert.
    Ich bin erstaunt, dass dieser Umstand in der öffentlichen Diskussion noch nirgendwo Erwähnung fand.
    Wird die Anzahl der Züge dann doch nicht verdoppelt, weil mit den 1500m Zügen ja schon die doppelte Zahl an Wagen befördert wird?
    Oder wird dem Bürger mit der Anzahl der Züge irregeführt, wenn diese Züge dann die doppelte Länge haben werden?