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Mädels auf Vatertagstour: Sven, Andy, Daniel, Sinan und Carlos (v. l.) stoßen auf eine spaßige Vatertagstour an – im neunten Jahr gehen die fünf jungen Damen als Männer auf Tour. Foto: be

Stadt und Landkreis Lüneburg: Kontrastprogramm an Himmelfahrt

Lüneburg/Scharnebeck. Väter sind viele wohl noch nicht, die mit Bollerwagen und viel Bier am Himmelfahrtstag unterwegs sind. Einige der jungen Herren, aber auch Damen, geben sich kräftig die Kante. Doch es gibt die vielen anderen, die bei Sonnenschein mit Freunden und Familie zu Radtouren aufbrechen an die Elbe oder in die Dörfer im Landkreis – Ausflugsstimmung. Während es für die Polizei in Stadt und Kreis kaum Vorkommnisse gab, sah es nahe dem Inselsee in Scharnebeck, wie in den Vorjahren, anders aus.

Ein Magnet ist gestern der Waldgasthof in Böhmsholz. Wirt Norbert Schmidt lässt auf der Ladefläche eines Lkw die Band Drive spielen. Die Jungs um Volker Nielsen geben Gas. Bei Covernummern wie „Don‘t you, forget about me“ von den Simple Minds wippen und klatschen Hunderte mit. Die Gäste stärken sich mit Spanferkel und Bratwurst, mit Bier und Brause. Kinder toben auf dem Spielplatz. Gute Laune. Wirt Norbert Schmidt ist zufrieden: „Es läuft super. Das Wetter ist ein Gedicht, auch wenn‘s morgens nicht so aussah.“ Über den Tag seien wohl 2000, wenn nicht 3000 Gäste gekommen.“

Kaum ein Durchkommen gibt es für die Polizei auf der Zufahrtsstraße zum Scharnebecker Inselsee: Dicht gedrängt stehen Hunderte meist jugendliche Vatertagsausflügler, hören Musik aus mobilen Boxen, trinken Schnaps und Bier.

Kontrastprogramm hingegen am Scharnebecker Inselsee, der weiträumig abgesperrt ist. Während sich auf der Zufahrtstraße schon mittags Hunderte Jugendliche zum Feiern versammelt haben, die reichlich Alkohol trinken und von denen manche bereits schwankend zu wummernden Bässen wanken und später haufenweise Müll hinterlassen, sieht es am See selbst anders aus: Gegen fünf Euro Eintritt darf das Gelände betreten werden, Mitarbeiter der Gemeinde und Mitglieder des Förderkreises Inselsee kontrollieren die Eingänge.

„Fünf Schlägereien und sieben Platzverweise, bei einem Mann wurde ein Schlagstock sichergestellt.“
Klaus Hempel, Hauptkommissar

Am Mittag sitzen einzelne Gruppen gemütlich um den See herum, manche spielen Volleyball, andere grillen. Dabei sind etwa Leonie, Nina, Anna, Jutta und Kai, allesamt Leuphana-Studierende, die sich genüsslich eine Portion Erdbeeren schmecken lassen und mit Geländewart Gerhard Busse klönen. „Wir hoffen, es bleibt so ruhig“, sagen sie.
Polizisten, Sicherheitsmitarbeiter und Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warten auf Einsätze – und alle hoffen, dass es nicht all zu viele geben wird. 24 Personen und fünf Fahrzeuge stark ist das Aufgebot der DLRG, für die Torben Gedrath die Einsatzplanung macht: „Wir sind bereit für Sanitätseinsätze in welche Richtung auch immer.“

Andrang und gute Laune in Böhmsholz: Die Band Drive heizt dem Publikum kräftig ein. (Foto: phs)

Junge und Alte, Männer und Frauen, Familien und Freundeskreise sind bei herrlichem Wetter auf den Straßen unterwegs. Etwa Daniel, Andy, Sinan, Carlos und Sven, die mit ihrem Bollerwagen von Bardowick in Richtung Ilmenau ziehen. In Wirklichkeit heißen die fünf Daniela, Anni, Sina, Caro und Svenja. „Aber wenn wir schon Vatertag feiern, dann auch richtig“, sagen die Mittzwanzigerinnen, die sich alle aus der Schule kennen und schon das neunte Jahr als Männer verkleidet auf Tour gehen. Verpflegung haben sie reichlich dabei. „Brownies und Nudelsalat sind von Anfang an Standard.“

Als am späten Nachmittag der Alkoholpegel steigt, muss die Polizei am Inselsee einschreiten. Auf den Zuwegen zum See kommt es zu Schlägereien. „Wir haben fünf Körperverletzungen aufgenommen“, sagt Hauptkommissar Klaus Hempel gegen 19 Uhr. „Zudem haben wir bei einem Mann Pfefferspray und einen Schlagstock sichergestellt. Die Kollegen haben sieben Platzverweise ausgesprochen.“ Ein Betrunkener sei Richtung Adendorf marschiert, habe dort randaliert – er konnte seinen Rausch in der Zelle ausschlafen. Rund 250 junge Leute seien noch am Feiern, aber es würden weniger. Lob gab es für die DLRG und den Sicherheitsdienst am See: „Das ist eine gute Zusammenarbeit.“

Von Ingo Petersen und Carlo Eggeling