Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Die Vereinsmitglieder haben schnell zueinander gefunden, sie teilen alle eine Leidenschaft: das Interesse, auf einem Brett übers Wasser zu paddeln. Foto: t&w

Stand Up Paddling in Lüneburg — auf dem Wasser balancieren

Lüneburg. Dass man mal reinfällt und nass wird, gehört einfach dazu. Bei seinem ersten Training ist Erik Fehlow gleich drei Mal im Wasser gelandet, trotzdem ist der 13-Jährige wieder gekommen. Denn das Stand Up Paddling, kurz SUP, hat es ihm angetan. „Das ist mal was Neues und richtig witzig“, sagt er. Vor allem sei es eine Herausforderung das Gleichgewicht zu halten, stabil zu bleiben. Denn darum geht es beim Stehpaddeln: Aufrecht auf einem Surfbrett zu stehen und sich mithilfe eines Paddels fortzubewegen. Auf der Ilmenau sieht man schon seit einigen Jahren immer wieder mal stehende Paddler, jetzt gibt es für sie eine offizielle Vereinigung. Zwölf Wasserratten haben im Dezember einen Verein gegründet.

Dass einige schon länger darauf gewartet haben, zeigt die rege Teilnahme bei den Trainingseinheiten. Immer wieder stoßen auch Neulinge wie Erik und seine Mutter dazu. Marie Dau gehört zu denen, die schon Erfahrungen sammeln konnte. Die 30-Jährige stand vor zwei Jahren das erste Mal mit einem Stechpaddel auf einem Surfbrett. Als sie hörte, dass es in Lüneburg jetzt den SUP und Outdoor Verein (SOV) gibt, musste sie nicht lange überlegen. „Stand Up Paddling ist eine super gute Mischung aus Auspowern, Ausgleich und Abschalten“, schwärmt sie. „Gleichzeitig ist der Sport aber auch ergebnisorientiert, man steht jedes Mal etwas sicherer auf dem Board.“

Erfunden wurde diese Art der Fortbewegung von polynesischen Fischern, sie haben auf Kanus gestanden und auf ihren Fang gewartet. Aus Hawaii stammt nicht nur das Surfen, dort galt SUP früher als Sport des Königs, neben ihm durften sich nur Auserwählte auf einem Board stehend übers Meer treiben lassen. Im 20. Jahrhundert sah man dort dann vor allem Surflehrer beim Stehpaddeln, durch den Einsatz eines Paddels konnten sie schneller zu den Riffen und wieder zum Ufer gelangen. Außerdem hatten sie durch die erhöhte Position einen besseren Blick auf ihre Schüler. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts hat sich das Stand Up Paddling als Freizeitsport immer mehr verbreitet, in Europa ist er vor allem auf Binnengewässern beliebt. Heutzutage finden vielfach Wettkämpfe statt.

Konstantin Herbst ist selbst begeisterter Stehpaddler, gemeinsam mit drei anderen hat er eine Trainer-Ausbildung absolviert, um seine Leidenschaft auch an andere weiterzugeben. Dafür musste er sich mit Führungspraxis, Rettungs- und Sicherheitstechniken, Tourenplanung, Wetter- und Materialkunde auseinandersetzen. Zehn Bretter hat der Verein angeschafft, da einige Mitglieder kein eigenes haben. Ein Grund dafür ist sicher der Preis: Zwischen 800 und 2000 Euro könne man für ein vernünftiges Board ausgeben, weiß der 28-Jährige. „Wir haben aufblasbare Bretter gekauft, sie sind praktisch, weil man sie falten und in einem Rucksack verstauen kann.“ Das sei vor allem für Ausflüge oder für den Transport auf dem Fahrrad praktisch. „Außerdem ist es ein gutes Training, das Board aufzupumpen, bevor man aufs Wasser geht.“

Denn, wer denkt, Stehpaddeln sei nicht anstrengend, hat sich mit dem Sport nicht richtig auseinandergesetzt. Konstantin Herbst lässt seine Schüler erst nach einem ausgiebigen Warm-up aufs Brett steigen. Im Kreis werden die verschiedenen Muskelpartien beansprucht und gedehnt. In Ausfallschritten und Strecksprüngen müssen sich die Stehpaddler dann über die Wiese vor dem Lüneburger Kanu-Club bewegen. Und im Wasser starten die 14 Männer und Frauen zunächst auf den Knien. Bei einem Fang-Spiel müssen sie mit dem Paddel die Spitze der anderen Boards berühren. Ein roter Kopf bleibt da nicht aus.

Beansprucht wird vor allem die Feinmuskulatur, klärt Adrian Wachendorf auf. Er gehört ebenfalls dem Trainergespann an, er paddelt schon seit sechs Jahren übers Wasser. Angefangen hat er mit den Stehpaddeln auf Fiji. „Das macht einfach Bock.“ Besonders anstrengend sei der Sport für die Füße und Schienbeine. „Diese feinen Muskeln sind heutzutage selten trainiert, die Menschen sitzen zu viel“, sagt er. Trotzdem sei die Intensität des Trainings jedem selbst überlassen. „Man kann richtig Strecke machen und gegen den Strom paddeln oder sich einfach treiben lassen.“
Wer das Stehpaddeln auch mal ausprobieren möchte, kann dienstags um 18.30 Uhr oder sonnabends um 10.30 Uhr zum Training kommen. Der Verein trifft sich auf dem Gelände des Lüneburger Kanu-Clubs, Friedrich-Ebert-Brücke 1a.

Von Anna Paarmann

Anlegestellen für Paddler

An der Ilmenau gibt es mehrere Ein- und Ausstiegsstellen für Paddler und Kanufahrer. Hier ein Überblick:

  • Gaststätte „Schröders Garten“
  • Lüneburger Kanu-Club
  • Rote Schleuse
  • Melbeck/Deutsch Evern
  • Bootsanlegesteg an der B 4 zwischen Grünhagen und Melbeck

Der Landkreis Lüneburg sucht gemeinsam mit Kanuverleihern, Wassersportvereinen, Naturschutzverbänden, Wasserverband, Hansestadt Lüneburg und dem Landkreis Uelzen neue Wege für den Wassersport an der Ilmenau.

Ein Ergebnis daraus ist ein Projekt, das federführend von der Landwirtschaftskammer Uelzen koordiniert wird. Zwei Drittel der Anlegestellen zwischen Uelzen und der Roten Schleuse sollen zum Ende der laufenden Saison erneuert werden. Auch die Hansestadt Lüneburg plant für 2018, eine neue Anlegestelle im Stadtbereich zu schaffen.