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Heißluftballonfahrten sind beliebt, auch bei den Lüneburgern - aber für viele kam es soweit gar nicht. Foto: boldt, Bearbeitung: tl

Geplatzte Ballonträume: Betreiber muss vor Gericht

Lüneburg. Einmal die Heimat von oben betrachten, diesen Wunsch hatten viele, die sich in gutem Glauben an eine Heißluftballon-Firma aus Handeloh wandten. Doch d en Gutschein, den sie dort für eine Ballonfahrt kauften, konnten viele nicht einlösen. Mal war es das Wetter, das angeblich nicht mitspielte, mal passte dem Veranstalter der Termin nicht. Auch Kunden aus Stadt und Landkreis Lüneburg klagten über das Geschäftsgebaren – offenbar begründet. Denn jetzt muss sich der Geschäftsführer der Firma vor Gericht verantworten.

Lüneburger scheiterten bei der Suche nach einem Termin

Die LZ hatte bereits im Jahr 2014 über die unzufriedenen Kunden berichtet. Inzwischen sollen mehrere hundert Anzeigen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Stade eingegangen sein, berichtet der NDR. Allen ist gemein: Sie hatten einen Gutschein für eine Ballonfahrt erworben oder von Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern geschenkt bekommen.
Doch beim Versuch, ihn einzulösen, stießen sie immer wieder auf Hindernisse. So erging es auch den beiden Lüneburgerinnen Astrid Fröling und Marika Brunswig, ganze sechs Jahre bemühten sie sich um einen Termin, stets vergebens. Nachrichten auf dem Anrufbeantworter der Firma wurden ignoriert, E-Mail-Anfragen blieben unbeantwortet. Ähnliche Erfahrungen machte Dorit Müller aus Garze, Gudrun Hofmann aus Lüneburg beklagte Ungereimtheiten bei den Terminbestätigungen.

Die hohe Anzahl der Anzeigen ließ schließlich die Staatsanwaltschaft aktiv werden. Drei Jahre lang wurde ermittelt, Wohnungen wurden durchsucht, die Polizei wertete Dokumente und Zeugenaussagen aus. Untersucht wurde der Zeitraum von 2011 bis 2015. Das Ergebnis: Anklage des Geschäftsführers der Handeloher Firma Karsten F. in insgesamt 60 Fällen wegen gewerbsmäßigen Betruges und in 30 Fällen wegen Ballonfahrten ohne Erlaubnis. Zur Begründung sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas, gegenüber dem NDR: „Das Unternehmen war niemals in der Lage, die Ballonfahrten in dieser Anzahl auch durchzuführen.“

„Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher“, ist Frank Dreyer überzeugt, „viele scheuen sich aber, mit ihrer Forderung an die Firma heranzutreten, eben weil diese Gutscheine oftmals ein Geschenk sind. Sie möchten den Schenkenden damit nicht belästigen.“ Seit drei Jahren ist Dreyer Insolvenzverwalter der Heide und Hanse Luftfahrt GmbH, weiß daher um das Geschäftsgebaren von Karsten F., gegen den nun auch wegen Insolvenzverschleppung ermittelt wird. Dreyer: „Gegen den Firmenchef sind diverse Strafverfahren anhängig.“

Dunkelziffer wahrscheinlich noch deutlich höher

Immer neue Firmen soll F. in den vergangenen Jahren gegründet haben, neben der Heide und Hanse Luftfahrt GmbH auch die HHP Ballonfahrt Vertriebs GmbH. Während gegen die erste das Insolvenzverfahren im August 2014 eröffnet wurde, folgte die HHP ein Jahr später. Aktuell wird F. auch als Geschäftsführer der Aeolus-Aviation GmbH aus Handeloh geführt, die als Vertriebsunternehmen für Ballonfahrten agiert. Allen Firmen gemein: Adresse und Telefonnummer in Handeloh sind stets dieselben.

Ob die geprellten Kunden jemals ihren Gutschein einlösen können oder den Gegenwert – immerhin knapp 200 Euro pro Ballonfahrt – erstattet bekommen, scheint unwahrscheinlich, Insolvenzverwalter Frank Dreyer hat „höchste Zweifel“. Auf eine Teilquote dürften sie wohl hoffen, „aber wie hoch diese ist, hängt vom Ausgang des Insolvenzverfahrens ab“. Damit F. nicht mit immer neuen Firmen weitermachen kann, will Dreyer nun auch einen personalisierten Insolvenzantrag gegen den 54-Jährigen erwirken. Vorerst aber muss er sich am 26. Juni vor dem Amtsgericht Tostedt verantworten.

Von Ulf Stüwe