Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Insgesamt vier Quereinsteiger konnte Vögelsens Ortsbrandmeister Henrik Düffert (hinten l.) in den vergangenen Monaten für den aktiven Dienst in der Feuerwehr gewinnen (v.l.): Borris und Naja Hoffmeister, Renke Redell und Andreas Steinich. Foto: t&w

Freiwillige Feuerwehr Vögelsen: Der Funke ist übergesprungen

Vögelsen. Es ist die persönliche Erfahrung, die Borris Hoffmeisters Bild von der Freiwilligen Feuerwehr einen völlig neuen Anstrich gibt. Seit zwei Monaten ist der 40-Jährige bei den Vögelsener Brandschützern aktiv, ist von Dienst und Kameradschaft total begeistert. Der Funke ist definitiv übergesprungen. Nicht nur bei ihm.

Gleich vier dynamische Quereinsteiger konnte Ortsbrandmeister Henrik Düffert durch Hartnäckigkeit und Tatkraft in den vergangenen Wochen für seine Feuerwehr gewinnen, drei von ihnen haben bereits den Aufnahmeantrag abgegeben. Und das sollten die Bürger ihm danken, denn wie in den meisten kleineren Gemeinden fehlt auch in Vögelsen der Nachwuchs. Nicht ohne Grund.
„Wir leben hier im Speckgürtel von Hamburg“, erklärt der 28-Jährige, „viele ziehen hierher und wissen gar nicht, was die Freiwillige Feuerwehr ist.“ Die Folgen sind deutlich: Der Ort wächst, die Mitgliederzahl der Brandschützer schrumpft.

Sinkende Mitgliederzahlen 

Waren es in den 1980er- und 1990er-Jahren noch konstant 40 Aktive, liegt die Zahl derzeit bei 28 – für Düffert ein bedenklicher Zustand: „Meine größte Sorge ist, dass der Alarm losgeht und kein Wagen rauskommt, weil wir einfach nicht genügend Personal haben“, sagt der Ortsbrandmeister und hat deshalb die Initiative ergriffen: Werbemaßnahmen wurden angeschoben, Flyer verteilt, potenzielle Kandidaten während des Neubürgertags persönlich angesprochen. Ein Konzept, das auch bei Borris Hoffmeister gefruchtet hat.

Der 40-Jährige, der als IT-Fachmann arbeitet und vor einem Jahr mit Frau und Kind seinen Wohnsitz von Lüneburg nach Vögelsen verlegt hat, wollte die Brandschützer eigentlich nur finanziell unterstützen – war sein Image von der Hilfsorganisation doch eher bescheiden: „Ich komme aus einem kleinen Ort, da ist die Freiwillige Feuerwehr einmal im Jahr ausgerückt. Zum Laternenumzug“, erzählt er. Als Larifari-Verein sei ihm die Gemeinschaft in Erinnerung – dennoch ließ er sich von Düffert überreden, ist zum Dienst gekommen und hat seine Frau Naja gleich mitgebracht.

„Meine größte Sorge ist, dass der Alarm losgeht und kein Wagen rauskommt.“
Henrik Düffert, Ortsbrandmeister

Auch sie ist von ihren ersten Erfahrungen begeistert: „Ich wollte mich eigentlich nicht wieder an einen Verein binden und mich so verpflichtet fühlen“, sagt die 31-Jährige Laborantin, „aber die Bedenken hat Henrik mir sofort genommen.“ Wenn ein Dienst nicht wahrgenommen werden kann, ist das für den Ortsbrandmeister in Ordnung: „Diesbezüglich hat sich die Feuerwehr geändert“, meint er, „wollen wir unsere Mitglieder halten, müssen auch wir auf die beruflichen und gesellschaftlichen Umstände reagieren.“ Und das gilt auch für die Probezeit.

Jeder bekommt eine Chance

„Wir geben allen die Chance, sich die ganze Sache in Ruhe anzusehen. Und auch ohne Lehrgang dürfen sie unter Einhaltung bestimmter Regeln schon mit zu den Einsätzen fahren.“ Nach spätestens einem Jahr sollten sich die Mitglieder dann aber entscheiden, ob sie die Grundausbildung machen wollen oder nicht – Zeit, die Renke Redell nicht benötigt: „Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken getragen, der Feuerwehr aktiv beizutreten“, sagt der 41-Jährige, der vor sieben Jahren aus Göttingen nach Vögelsen gezogen ist, „denn letztlich will doch jeder, dass einer kommt, wenn es brennt.“ Bezug zum Thema hat der vierfache Familienvater schon lange: Als Fachkraft für Arbeitssicherheit mit eigener Firma in Lüneburg spielt der Brandschutz für ihn auch beruflich eine Rolle.

Unterstützt wird er bei allen Plänen von seiner Frau Freya, die nicht nur voll hinter ihrem Mann steht, sondern auch für weitere neue Kameraden sorgt – so auch im Fall von Andreas Steinich: „Sie hat mich darauf hingewiesen, dass Renke jetzt bei der Feuerwehr ist“, erzählt der 46-jährige Heizungsbaumeister, der gerade seinen ersten Dienst hinter sich hat. Auch er habe schon länger überlegt, Brandschützer zu werden, ein Jobwechsel mit geregelten Arbeitszeiten gibt ihm nun die Gelegenheit dazu. „Ich bin hier total herzlich aufgenommen worden“, schwärmt er, man fühle sich sehr willkommen – ein Empfinden, das alle Neueinsteiger teilen.

Etwa 35 bis 40 Kameradinnen und Kameraden will Ortsbrandmeister Düffert auf lange Sicht als Stamm für seine Truppe haben – ein hehres Ziel, das er hartnäckig und kontinuierlich verfolgt. Für die kommenden Monate sind wieder Aktionen geplant, damit der Funke weiter überspringt.

Von Ute Lühr

Freiwilliger Dienst — darum geht’s:

Die Feuerwehr Vögelsen besteht derzeit aus 22 Männern und sechs Frauen. Sie treffen sich jeden ersten Mittwoch im Monat von 20 bis etwa 22 Uhr zum Dienst. Wer als vollwertiges Mitglied aktiv werden möchte, muss eine Grundausbildung, die sogenannte Truppmannausbildung, absolvieren. Zu den regelmäßigen Diensten und möglichen Einsätzen kommen noch Aktivitäten wie Osterfeuer, Auftritte bei Ortsfesten oder Laternenumzügen hinzu.

Wer Interesse hat, kann sich bei Ortsbrandmeister Henrik Düffert unter (04131) 7574228 oder Mail: ortsbrandmeister-voegelsen@feuerwehr-sg-bardowick.de melden. Die Kontakte zu anderen Ortsfeuerwehren im Kreis finden sich auf der Internetseite der Kreisfeuerwehr Lüneburg. Dann einfach die jeweilige Einheits- oder Samtgemeinde anklicken.