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Zum Schuljahr 2019/2020 soll die Schule Lüne Ganztagsschule werden. Foto: A/t&w

Schule Lüne: Die Politik übernimmt die Regie

Lüneburg. Das Ende der Geduld ist erreicht: Die Schule Lüne wird zur Ganztagsschule, auch ohne das Plazet des Kollegiums. Der Schulausschuss des Rates hat der Stadtverwaltung mehrheitlich den Auftrag erteilt, einen entsprechenden Antrag bei der Landesschulbehörde zum Schuljahr 2019/2020 zu stellen. Die Behörde soll dann per Dienstanweisung ein pädagogisches Konzept einfordern.

„Wir haben einen klaren Ratsauftrag“, erinnerte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Und dieser Auftrag lautet: Alle Lüneburger Grundschulen sollen nach und nach Ganztagsschulen werden. An jenen Schulen, die sich schon auf den Weg gemacht haben, laufe das Modell gut. „Die ist ja kein Teufelszeug.“

Ganztagsschule kein „Teufelszeug“

Ganz im Gegenteil, wie Sozialdezernentin Pia Steinrücke deutlich zu machen versuchte: „Es gibt nachweislich positive Auswirkungen. Die Ganztagsschule ist ein Faktor dafür, dass alle Kinder teilhaben können an Bildung. Sie erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gerade für Alleinerziehende. Pisa war damals der Aulöser für die flächendeckende Einführung. Wir haben geschaut, was uns andere Länder voraushatten. Erziehung, Bildung und Betreuung, all das sind heute wichtige Bestandteile der Ganztagsschule. Sie bietet auch den großen Vorteil, dass sich Schüler noch besser kennenlernen.“

Die Argumente haben die Schulleitung, das Kollegium und Elternvertreter in Lüne nicht überzeugt. Seit 2007 ist die Stadt mit ihnen im Gespräch, weder Lehrer noch Elternvertreter konnten sich bis heute zu einem Ja durchringen (LZ berichtete). Beide Parteien hätten gesagt, sie gingen den Weg nur mit, wenn die jeweils andere Partei auch zustimme, blickte Pia Steinrücke auf den langen Prozess zurück. Auch Bedenken der Eltern, die sich zum Beispiel sorgen, dass es künftig keine flexiblen Abholzeiten mehr gebe, seien in den Gesprächen stets berücksichtigt worden. Nach zehn Jahren ist die Geduld nun aufgebraucht: „Es war ein Knoten, der nicht mehr zu lösen war. Jetzt nehmen wir ihnen die Entscheidung eben ab.“

Steigende Schülerzahlen setzen Verwaltung unter Druck

Zeitlich sieht sich die Verwaltung auch deshalb unter Druck, weil die Schülerzahlen steigen. Den Prognosen zufolge wird die Schule auf eine Fünfzügigkeit wachsen. Dafür fehlen einerseits Räume, andererseits gibt es auch im bestehenden Gebäude großen Sanierungsbedarf. „Wir wollen sechs bis sieben Millionen Euro investieren“, sagte Mädge. Ein einfacher Ausbau ohne Ganztagsschulkonzept würde wesentlich spärlicher ausfallen, etwa ein Drittel der geplanten Maßnahmen würde dann nicht umgesetzt. Geld aus der Kreisschulbaukasse würde dann ebenfalls nicht fließen. Zudem gäbe es in absehbarer Zeit einen Qualitätsverlust, wie Mädge deutlich machte: „Das Land will Schulsozialarbeiter 2019 zunächst nur für Ganztagsschulen finanzieren, erst ab 2021 auch für die anderen Schulen.“

Dass viele Eltern im Einzugsgebiet der Schule durchaus ein Ganztagskonzept wünschen, wie Mädge deutlich machte, konnte auch Philipp Meyn (SPD) bestätigen: „Ich bin Elternvertreter in der Kita Brandheider Weg, da sagen mir die Eltern klar, dass wir die Schule auf den Weg bringen sollen.“ Für ihn sei die Ganztagsschule ein Gewinn für die Stadtteile. Auch Maren Kuhlmann, die für die Landesschulbehörde an vielen Gesprächen zum Thema teilgenommen hatte, sagte: „Ich habe es nicht so erlebt, dass alle Eltern in der Frage grundsätzlich reserviert sind.“

Als Liberaler könne er einen Druck auf die Schule eigentlich nicht unterstützen, sagte Frank Soldan (FDP): „Aber ich kann nachvollziehen, dass man nach all den Jahren der Gespräche irgendwann einen Schlusspunkt setzen muss, wenn man keine einvernehmliche Lösung findet.“ Elternvertreter Stephan Seeger hätte sich eine abermalige Verschiebung der Entscheidung gewünscht, auch wenn er „den Vorstoß der Stadt nachvollziehen“ könne. „Wie lange sollen wir denn noch warten?“, konterte Mädge. Ein Antrag, zunächst nur über den Ausbau des Gebäudes zu entscheiden, die Entscheidung für die Ganztagsschule aber bis Dezember zu vertagen, den David Amri (Linke) stellte, fand dann auch keine Mehrheit. Gänzlich auf Ablehung stieß die Umwandlung bei Dirk Neumann (AfD): „Für mich ist die Ganztagsschule eine Mogelpackung. Sie ist zu mager ausgestattet, und die Belastung der Kinder nimmt weiter zu.“

Mädge sicherte zu, dass auch künftig eine Anschlussbetreuung nach Schulende um 15.30 Uhr sichergestellt werde und kündigte an, dass die Stadt ab 2018 für jede Ganztagsschule eine halbe Stelle finanzieren wolle, um die Schulleitungen organisatorisch zu entlasten. Der Rat muss das aber noch absegnen.

Von Alexander Hempelmann

2 Kommentare

  1. Alexander Tesmer

    Ob die Stadt die Schule dann auch für einen funktionierenden Ganztagsbetrieb entsprechend saniert und umbaut? Lehrerarbeitsplätze, Mensa, Ruhe- und Spielbereiche … Irgendwie mag ich daran nicht so recht glauben.

  2. Detlev Behrens

    Die Politik bestimmt, was gerade zeitgeistig en vogue ist – allerdings, wie überall, ohne die entsprechenden Mittel bereit zu stellen, den Traum auch vernünftig umzusetzen. Es ist wohlfeil, von anderer Länder Beispielen zu schwafeln, ohne hinzusehen, wie viel Geld für eine vernünftige Umsetzung dort ausgegeben wird.

    Das Beispiel Inklusion zeigt, dass aus „gut gemeint“ nicht automatisch „gut gemacht“ wird. Im Grunde geht es (leider) bei der Inklusion ums Geld sparen und bei den Ganztagsschulen darum, Kinder aufzubewahren, damit Eltern in zwei schlecht bezahlten (Vollzeit-)Jobs genug Geld verdienen können – was eigentlich mit einem gut bezahlten Job möglich sein sollte. So geht Neoliberalismus SPD-Style! Und da unterscheidet sich die SPD in keiner Weise von der CDU, der FDP, der AfD und den Grünen. Nur dass die SPD behauptet, etwas für Kinder und Schwache zu tun, es aber nicht tut…