Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Willi Schimmer mit seinen beiden Lama-Hengsten Rocky und Lanzelott. Die drei sind auf dem Weg nach Fehmarn. Foto: kre

Mit Lamas nach Fehmarn

Scharnebeck/Lauenburg. Es gibt viele Möglichkeiten, das Leben als Renter zu gestalten: Briefmarken sammeln beispielsweise. Oder sich um den Garten kümmern. Will i Schimmer aber hat eine anderes Hobby für sich entdeckt: Der 60-jährige pensionierte Bundeswehrsoldat hat sich Lamas zugelegt. Und mit denen wandert er jetzt einmal quer durch Deutschland. Von Süd nach Nord. Von Friedrichshafen am Bodensee nach Fehmarn und zurück nach Passau – eine Wegstrecke von mehr als 3000 Kilometern.

Auf seinem Trip passierte das ungewöhnliche Trio am vergangenen Wochenende auch den Landkreis Lüneburg. Auf dem Weg nach Lauenburg – wo er übernachtete – wanderte er von Bad Bevensen kommend am Elbe-Seitenkanal entlang in Richtung Scharnebeck. Dass er gemeinsam mit seinen beiden tierischen Begleitern ein ungewohntes Bild abgibt, ist dem ehemaligen Gebirgsjäger durchaus bewusst – und auch gewollt: Denn die Tour gen Norden dient Schimmers Worten nach auch dazu, das Image der Lastentiere zu verbessern. „Die meisten denken doch, dass Lamas immer nur spucken – dem ist aber mitnichten so!“ „Rocky“ und „Lanzelott“ heißen seine beiden Wegbegleiter, zwei Lama-Hengste. Und in der Tat: Statt den neugierigen LZ-Redakteur mit übel stinkendem Speichel zu attackieren, widmen sich die beiden Vierbeiner viel lieber genüsslich dem satten Grün am Wegesrand. Den gebürtigen Rheinländer Willi Schimmer wundert das nicht: „Die Tiere spucken nur, wenn sie gereizt werden und sich bedroht fühlen!“

„Ich habe den Tieren ein bisschen zu lange in die Augen geschaut, da war es um mich geschehen.“
Willi Schimmer, „Lama-Verrückter“

Doch wie kommt ein ehemaliger Heeresbergführer der Bundeswehr überhaupt auf die Idee, sich für die Zeit des Ruhestands ausgerechnet Lamas zuzulegen? Tiere, deren ursprüngliche Heimat nicht die deutschen Alpen, sondern Südamerika ist? „Ich habe den Tieren ein bisschen zu lange in die Augen geschaut, da war es um mich geschehen“, scherzt der pensionierte Berufssoldat. Längst ist der Ex-Gebirgsjäger, der seit mehr als 35 Jahren in der oberbayerischen Gemeinde Piding lebt, ein wahrer Lama-Experte. Acht Tiere besitzt er, bietet unter anderem privat Trekking-Touren durch das Berchtesgadener Land an. Und mit seinem Lama-Hengst Rocky ist der 60-Jährige auch schon über die Alpen gewandert.

Wer so aktiv mit den Tieren arbeitet, bleibt freilich nicht lange alleine. Mit Traudl und Eugen Treichl, zwei Österreichern, hat Schimmer zwei Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls „Lama-verrückt“ sind. Mit ihnen hat der Pindinger die große Deutschlandtour auch gemeinam geplant. Und nicht nur das: Um Mensch und vor allem auch die Tiere zu schonen, wechseln sich die Wanderer alle drei Wochen ab. Dann werden auch die Lamas ausgetauscht.

Der nächste Ort des Wechsels steht bereits fest: Auf der Insel Fehmarn werden die Österreicher übernehmen. Für Willi Schimmer, Rocky und Lanzelott endet dort also vorerst das Abenteuer – allerdings nur für begrenzte Zeit. Denn dann steht die Rückreise an – entlang des „grünen Bandes“ Richtung Süden.
Willi Schimmer freut sich schon jetzt auf die Wegstrecke. Auf der man viel über die Natur, die Menschen und vor allem über sich selbst lernen kann.

Von Klaus Reschke