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Seit zehn Jahren gehören Rita und Joachim Schapdick jetzt zur Familie. Für ihre "Leih-Enkel" Jalome (10), Jaden (17), Jamero (12) und Jandro (16) haben sie immer ein offenes Ohr.

Wunschgroßeltern: Auf einen Schlag vier neue „Enkel“

Rullstorf. Zur Feier des Tages gehen Familie Ernst und „Oma und Opa Schapdick“ essen. Schließlich ist es genau zehn Jahre her, dass sie sich zum ersten Mal bege gnet sind. Zusammengeführt hat sie ein Projekt des Caritasverbandes. Unter dem Titel „Wunschgroßeltern“ hat es die Senioren und die Familie mit Kindern vermittelt. Seither sind die Schapdicks Oma und Opa für die vier Kinder, obwohl sie eigentlich nicht verwandt sind.

„Wir haben uns damals auf Anhieb gut verstanden“, erinnert sich Rita Schapdick. Genau wie 2007 haben sich für den LZ-Besuch nun alle wieder um den Wohnzimmertisch der Familie Ernst in Rullstorf versammelt. Gemeinsam schwelgen sie in Erinnerungen: Reitstall, Tierpark, Barfußpark, Otter-Zentrum, Miniaturwunderland – die vier Ernst-Kinder haben schon viel mit ihren „Wunschgroßeltern“ erlebt.

Von den Karl-May-Spielen bis zum DFB-Pokal

Anfangs waren Rita und Joachim Schapdick stets einmal in der Woche bei der Familie. Heute ist der Kontakt lockerer, weniger institutionalisiert. „Mal mehr, mal weniger“, sagt Siegfried Ernst, „genau wie mit richtigen Großeltern.“ Da ihr Sohn in den USA lebt, sehen die Schapdicks ihre leibliche Enkeltochter nur etwa zweimal im Jahr. Umso mehr freuen sich die Lüneburger über die enge Beziehung zu ihren vier „Wunsch-Enkeln“ in Rullstorf. Ausflüge machen sie immer abwechselnd mit einem der vier Kinder. „Dann sitzen sie vorne bei Opa“, erzählt die „Wunsch-Oma“. Alle gemeinsam fahren sie einmal jährlich zu den Karl-May-Spielen nach Bad Segeberg. Da dürfen dann auch Mama und Papa mit. „Das hat eigentlich schon Tradition“, erzählt Jaden (17).

Kinder, wie die Zeit vergeht: Vor zehn Jahren stießen Rita und Joachim Schapdick zur Familie (Bild links). Ihre „Wunsch-Enkel“ sind inzwischen ganz schön groß geworden, Jalome (10), Jaden (17), Jamero (12) und Jandro (16) finden bei den Schapdicks immer ein offenes Ohr.

Das eine Lieblingserlebnis mit Oma und Opa hat Jandro nicht. „Da gibt es viele“, sagt der 16-Jährige. Das DFB-Pokal-Spiel, das er vor sieben Jahren mit seinem Opa besucht hat, ist ihm aber besonders im Gedächtnis geblieben. Jalome (10) geht gerne mit Oma und Opa zum Turnen und Reiten. Und auch der zwölf Jahre alte Jamero hat immer viel Spaß mit seinen Großeltern. Weil er als kleiner Junge unbedingt einen Hund haben wollte, ist seine Oma mit ihm zum Gassigehen ins Tierheim gefahren.

Jaden spielt Theater. „Wenn er dann seine Premiere hat, sind wir natürlich dabei“, sagt Rita Schapdick. „Es ist unglaublich interessant, zu sehen, wie unterschiedlich sich die Kinder entwickelt haben.“ Doch auch Jaden hat ein Herz für Tiere. Zu seinen Lieblingsausflugszielen gehörten der Tierpark und der Eulengarten. „Oma und Opa sind immer relativ gesprächig, das öffnet einem häufig Türen. Dann konnte ich gleich einen Praktikumstag im Eulengarten machen.“

Auch bei ihren Schulaufgaben in Englisch konnten die Schapdicks oft behilflich sein. Denn die beiden Rentner haben beim Auswärtigen Amt gearbeitet und 24 Jahre im Ausland gelebt.
Jandro nennt noch einen Vorteil der regelmäßigen Besuche: „Wenn man sich mit den Eltern gestritten hat, konnte man immer mit Oma und Opa sprechen“, erzählt er. „Die hatten dann auch meist einen Ratschlag.“

Jaden sagt: „Ich bin Oma und Opa sehr dankbar dafür, was sie alles mit uns machen.“ Joachim Schapdick lächelt. „Ihr habt uns manchmal auch ganz schön gefordert. Aber es war immer schön.“

Von Svana Kühn

Das Projekt: Alt und Jung profitieren

Der Caritasverband hat das vor zehn Jahren gegründete Wunschgroßelternprojekt vor fünf Jahren erweitert um Wunschpaten, sodass auch jüngere Erwachsene als Paten Kontakt zu einer Familie bekommen können. „Ziel ist es, im Sinne des Mehrgenerationenhauses verschiedene Generationen zueinander in Kontakt zu bringen“, sagt Claudia Kuchler von der Caritas.

Wunschpaten bauen eine Beziehung zu einem Kind oder Jugendlichen und dessen Familie auf. „Wunschpaten sind keine Babysitter oder Tagesmütter. Ziel ist eine gegenseitige, längerfristig tragende Beziehung, bei der alle Seiten eine Bereicherung erfahren können: Kinder und Jugendliche durch neue Lebensbegleiter, die sie fördern und stärken; Eltern werden in ihrem Alltag entlastet;

Wunschpaten können positive Rückmeldungen erfahren, wie Vertrauen, Zuneigung, Freude oder eine mögliche Einbindung in das Familienleben“, macht Kuchler deutlich. Am Donnerstag, 15. Juni, findet ab 15.30 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema im Geschwister-Scholl-Haus, Carl-von-Ossietzky-Straße 9, statt. Es gebe in Stadt und Landkreis noch viele Familien mit Kindern im Alter von 1 bis 15 Jahren, die sich über den Kontakt zu Wunschpaten freuen würden. Kontakt: (04131)  777777.