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Rolf Krause und Nane Schroeter nehmen vorsichtig die Bienenwaben in Augenschein. Foto: t&w

Nachwuchs-Imker schwärmen für Bienen

Holzen. Fasziniert beobachtet Nane Schroeter den Imker Rolf Krause bei der Arbeit, verfolgt jede seiner Bewegungen: Vorsichtig hebt er einen Holzrahmen aus eine m seiner Bienenstöcke heraus, nimmt die gelb-braunen Honigwaben in Augenschein. Dutzende Bienen krabbeln darauf herum, auch um die Köpfe der beiden schwirren zahlreiche Insekten, ein lautes Summen liegt in der Luft. Angst gestochen zu werden, hat Nane Schroeter, die inmitten des Schwarms steht, nicht: „Im Gegenteil, ich finde es aufregend“, sagt die 17-jährige Radenbeckerin. Für ihr Alter hat sie ein eher ungewöhnliches Hobby: Statt für Handball, Ballett oder Reiten interessiert sie sich für das Imkern.

Imkern liegt im Trend

Seit April besucht sie deshalb in ihrer Freizeit einen Imker-Grundkurs. Seit 2008 bietet der Kreisimkerverein Lüneburg Imker-Kurse an. Das Interesse an dem aktuellen Grundkurs aber sei besonders groß gewesen, sagt Vorsitzende Claudia Kutzick: „Wir hatten um die 50 Anfragen, darunter auch immer mehr Frauen.“ Imkern liegt derzeit im Trend: „Bienen und Naturschutz – das sind heute immer wieder Themen in der Öffentlichkeit. Viele bewusst lebende Menschen wollen einfach einen Beitrag dazu leisten“, glaubt Kutzick.

„Wir hatten um die 50 Anfragen, darunter auch immer mehr Frauen.“
Claudia Kutzick, Kreisvorsitzende

Um alle Interessenten in dem Grundkurs unterzukriegen, musste ein neues Konzept her: Die nun angemeldeten 40 Teilnehmer werden von Paten begleitet, die ihnen die Arbeit mit den Bienen beibringen. In insgesamt zwölf Theoriemodulen, die alle zwei Wochen in den Räumen der AGL (Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH) stattfinden, lernen die Teilnehmer das nötige theoretische Fachwissen. Finanziert wird der Kurs von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Teilnehmer zahlen lediglich eine Aufwandsentschädigung für die Paten.
Rolf Krause war der Erste, der sich als Pate zur Verfügung gestellt hat.

Ein Bienenvolk ist ausgeschwärmt. Imker Rolf Krause zeigt seinen „Patenkindern“, was zutun ist.

„Bienen sind die interessantesten Lebewesen, die ich kenne“

Der 78-Jährige ist selbst seit Jahren leidenschaftlicher Imker und so wie alle Paten auch Mitglied im Lüneburger Kreisimkerverein. „Ich hab Zeit und mir macht das einfach Spaß. Bienen sind die interessantesten Lebewesen, die ich kenne. Jede Biene hat ihre eigene Aufgabe“, schwärmt der Holzener, der sowohl sein Imker-Wissen als auch seine Faszination derzeit mit vier „Patenkindern“ teilt: Nane Schroeter, sie ist die jüngste Kursteilnehmerin, Bodo Blasch und Peter Andres aus Bavendorf sowie Günther Strecker aus Lüneburg – er ist mit 77 Jahren der Älteste im Kurs.

Die vier haben an diesem Tag eine besondere Aufgabe: Eines der Bienenvölker ist ausgeschwärmt und hat sich in einem Baum in Krauses Garten niedergelassen. „Das Ausschwärmen soll eigentlich nicht passieren“, erklärt Krause, „scheinbar waren zu viele Bienen in dem Stock und er war zu eng. Jetzt können die Kursteilnehmer sehen, was man in so einem Fall macht: Eine Styroporkiste unter den Schwarm halten und auf den Ast hauen, sodass die Bienen hineinfallen.“ Erfolgreich sei dies allerdings nur, wenn auch die Königin in die Kiste falle, nur dann würde ihr der Rest der Bienen folgen. „Wenn nicht, fliegen alle wieder in den Baum“, erklärt Krause.

Ein Bienenjahr lang – von der Auswinterung im März/April bis zur Einwinterung im Dezember – begleitet er seine Nachwuchs-Imker. Entmilbung, die Behandlung gegen Parasiten sowie das Erkennen und Bekämpfen von anderen Krankheiten, das Bilden von Bienenvolkablegern, die Wintereinfütterung und natürlich die Ernte des süßen Honigs stehen unter anderem auf dem Lehrplan, der sich auf das Bienenjahr hin ausrichtet und somit an die einzelnen Jahreszeiten gebunden ist.

Von Patricia Luft