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Das Tanklöschfahrzeug ist ein Jahr jünger als Dietrich Heyden, allerdings ist das Fahrzeug schon ausgemustert. Der ehemalige Ortsbrandmeister hingegen ist weiter im Dienst. Foto: t&w

Niedersachsen will Altersgrenze für Feuerwehrleute heben

Lüneburg. Das Rentenalter liegt inzwischen bei 67 Jahren, gleiches soll künftig auch für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute in Niedersachsen gelten. Die Landesre gierung möchte die Helfer statt bis 63 demnächst bis 67 Jahre ausrücken lassen. In Stadt und Kreis Lüneburg nehmen es die Feuerwehrchefs gelassen. Kreisbrandmeister Torsten Hensel sagt: „Wir haben uns dafür ausgesprochen. Wer länger machen will, kann es tun. Und wer früher gehen möchte, der kann das auch machen.“ Ähnlich sieht es Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft: „Manche finden es gut, andere nicht.“ Große Auswirkungen erwartet er nicht: „Viele hören ja schon jetzt auf, bevor sie die Altersgrenze mit 63 erreicht haben.“

Aus Sicht von Innenminister Boris Pistorius reagiert das Land damit auf Personalmangel bei den freiwilligen Brandbekämpfern: „Mit der Anhebung der Altersgrenze kommt das Innenministerium insbesondere den Wünschen aus jenen Teilen Niedersachsens nach, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind.“ Denn es gibt zwischen Elbe und Harz Regionen, in denen so wenig junge Leute leben und sich engagieren, dass man auf Senioren setzen muss.

In Lüneburg selbst kommt Diesterhöft mit seinen rund 240 Männern und Frauen relativ gut klar. Obendrein verfügt er über ein gutes Dutzend hauptamtlicher Kräfte, die in den Werkstätten beschäftigt sind und tagsüber kleinere Lagen oftmals allein oder mit geringer Unterstützung abarbeiten.

„Durch den allgemeinen Zuzug in Lüneburg haben wir Zulauf“, sagt der Stadtbrandmeister. Oftmals haben sich die „Neuen“ zuvor in ihren Heimatorten bereits für die Feuerwehr eingesetzt. Allerdings verlieren die Lüneburger auch Leute: Wer für ein Studium umziehe, kehre meistens nicht zurück. Dazu komme eine gewisse Altersmüdigkeit. Mancher, der neben ein bis zwei Übungsdiensten pro Monat zusätzlich mehrmals alarmiert werde, und dazu eben auch das eine und andere Zipperlein spüre, der quittiere den aktiven Dienst und wechsle in die Altersabteilung, die sich nur für Unternehmungen in der Freizeit trifft.

Auch Kreisbrandmeister Hensel warnt vor zu großen Erwartungen. Sicher würden einige Feuerwehrleute auch im Seniorenalter in die Stiefel steigen und ausrücken. Aber auch er weiß, dass viele seiner Kameraden mit Anfang 60 Schluss machen. Zwar seien im Vergleich viele fitter als Altersgenossen es vor 20, 30 Jahren waren, doch ab einem Alter um die 50 gingen beispielsweise die wenigsten noch unter Atemschutz gegen ein Feuer vor: „Dafür brauchen wir jüngere.“

Gleichwohl schätzt Hensel seine älteren Mitstreiter: „Sie haben viel Erfahrung.“ Und am Steuer der großen schweren Fahrzeuge und als Maschinisten haben sie eine hohe Kompetenz, an der Jüngere noch arbeiten müssten. Die Ergänzung von Jung und Alt habe sich bewährt. Und so werde es auch nach der nach oben gesetzten Altersgrenze laufen.

Von Carlo Eggeling

Feuerwehr in Zahlen:Nachwuchs ist willkommen

Rund 3700 Männer und Frauen engagieren sich ehrenamtlich in den Feuerwehren in Stadt und Kreis. Eine Statistik (Stand Ende 2016) beleuchtet die Altersverteilung im aktiven Dienst.

Danach sind 359 Kräfte jünger als 20 Jahre, in der Gruppe 21 bis 27 Jahre sind 554 Frauen und Männer zu finden, bei den 28- bis 40-Jährigen sind es 943, bei den 41- bis 50-Jährigen 855 und bei den über 50-Jährigen 889. Über-60-Jährige werden nicht ­extra ausgewiesen.