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Die angehende Waldpädagogin Kristina Basenau ist fasziniert von Wildkräutern: In ihren Kursen bringt sie den Teilnehmern bei, mit vermeintlichem „Unkraut“ zu kochen. Foto: phs

Wildkräuter: Unkraut kochen am Lagerfeuer

Oerrel. Unkrautvernichter. Diese Bezeichnung trifft auf Pestizide gleichermaßen zu wie auf biologische Bodentruppen. Doch auch Kristina Basenau kön nte sich mit diesem Titel schmücken: Als angehende zertifizierte Waldpädagogin hat sie sich auf Pflanzen, insbesondere auf Kräuter spezialisiert. Ihr Wissen will sie am Sonnabend, 3. Juni, an interessierte Naturfreunde weitergeben – mit einem Kochkursus der anderen Art.

Von Brennessel bis Weidenröschen

„Wir werden eine kurze Wanderung durch den Wald machen, dabei die notwendigen Zutaten sammeln, aber auch viel über die Tiere und Pflanzen des Lebensraumes lernen“, erklärt die Hermannsburgerin den Ablauf der Veranstaltung, „am Lagerfeuer werden wir die Kräuter verarbeiten – jeder für sich und so dosiert, wie er es mag.“
Ob Brennessel oder Löwenzahn, Gundermann oder Spitzwegerich, Schafgarbe oder Weidenröschen: Was in Gärten oder am Wegesrand ärgerlicher- oder unauffälligerweise vor sich hinvegetiert, erfährt an diesem Vormittag seine verdiente Anerkennung. „Vieles ist wahnsinnig schmackhaft und sehr gut zu verarbeiten“, sagt Kristina Basenau.“

Seit einem halben Jahr lässt sich die gelernte Krankenschwester zum Botschafter des Waldes ausbilden, will Jung und Alt mit dem komplexen Begriff der Nachhaltigkeit vertraut machen, ihre Schüler gleichzeitig zu mehr Verantwortung für die natürliche Lebensgrundlage sensibilisieren. „Ich habe zunächst ein Praktikum auf einem Erlebnisbauernhof gemacht“, berichtet sie, „bin dann aber auf die Waldpädagogik aufmerksam geworden.“ Die liege ihr mehr.

Arbeit mit Kinder und Jugendlichen

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen steht im Mittelpunkt der zertifizierten Naturliebhaber – nicht ohne Grund: „Das Wissen über den Lebensraum wird in den Schulen ja häufig gar nicht mehr vermittelt“, sagt Kristina Basenau, „das lassen Lehrpläne und Möglichkeiten oft gar nicht zu.“ Da helfen die Waldpädagogen nach: Egal ob Projekttag, Erlebnistag oder langfristige Aktionen – gemeinsam wird das Vorhaben geplant und auch umgesetzt. Und das auch bei den Gruppen vor Ort.

Leben können von der Ausbildung nur wenige – das ist aber auch nicht das Ziel: „Ich mache den Job, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist, mir wahnsinnig viel Spaß macht, der Wald unglaublich entspannend und gleichzeitig total aufregend ist“, erklärt die Hermannsburgerin, die ständig in Kontakt mit anderen Waldpädagogen ist, viele Anregungen aber auch in der Literatur oder dem Internet findet. „Zu Hause probiere ich vieles aus“, sagt sie, zum Trinken gebe es Sirup aus Fichtennadeln, gegen Kopfschmerzen ein Glas verdünntes eingekochtes Mädesüß, zum Mittagessen schon mal einen Salat aus gesammelten Kräutern. Der steht morgen aber nicht auf dem Programm – viel verraten will Kristina Basenau zum Rezept noch nicht. Nur so viel: „Wir wollen backen.“

Von Ute Lühr

Rezepte Auf Brot oder im Risotto

Wildkräuter genießt man am besten pur und unverfälscht. Die einfachste Art, sie zu verzehren, ist auf Brot. Dazu gibt man die gesammelten Kräuter einfach gewaschen auf eine Scheibe mit Butter, fruchtigem Tomatenmark oder dünn aufgetragenen Tahin (Sesammus) bestrichenes Brot. Wer sie einmal gekocht probieren möchte, kann ein Brennessel-Risotto nehmen.

Dazu (für 2 Personen) ein großes Bund Brennessel mit Handschuhen pflücken, mit der Schere klein schneiden und anschließend lauwarm waschen. Butter in einem Topf zerlassen, eine Tasse Risotto-Reis darin anschwitzen. Mit Wein (fast vollständig verkochen lassen) oder Hühnerbrühe ablöschen.

Immer wieder heiße Brühe nachgießen, bis die Flüssigkeit immer wieder fast verkocht ist. Wenn der Reis gar ist (ungefähr nach 30 Minuten), werden die Brennesselblätter hinzugegeben, das Risotto anschließend umgerührt, bis die Brennesselblätter am Ende wie Spinat zusammenfallen. Zum Schluss 250 g Erdbeeren und gehobelten Parmesan über das Risotto geben.