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Hinterlassenschaften einer „Grillparty“ an der Ilmenau: Immer wieder müssen Behörde und Naturschutzverbände gegen die Vermüllung im Naturschutzgebiet ankämpfen. Foto: nh

Feiern auf Kosten der Natur

Lüneburg. Wenn sich vorwiegend junge Menschen an Feiertagen treffen, um Alkohol zu trinken und Party machen, tut das der Umwelt selten gut. Die Spuren im Naturs chutzgebiet entlang der Ilmenau sprechen eine deutliche Sprache. Trotz eindringlicher Mahnungen des Landkreises und der Naturschutzverbände benahmen sich einige „Vatertagsausflügler“ am vergangenen Himmelfahrtstag wieder wie die Vandalen. Niedergetretene Zäune, achtlos weggeworfener Müll, illegale Feuerstellen… Und die Gefahr für Eisvogel, Fischotter und Bachmuschel ist noch nicht vorüber – denn zu Pfingsten ziehen die Feierwütigen erfahrungsgemäß wieder in die Natur.

Verträgliches Miteinander statt Verbot

„Wir wollen kein Verbot, sondern ein verträgliches Miteinander von Mensch und Natur“, mahnt Mathias Holsten von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, sagt aber auch unmissverständlich: „Wer sich daneben benimmt und gegen Naturschutzgesetze verstößt, muss mit entsprechenden Strafen rechnen, die in schwerwiegenden Fällen bis hin zur Freiheitsstrafe gehen können.“ Holsten kündigt an, dass auch an Pfingsten verstärkt kontrolliert wird.

Dass das Party-Volk mutwillig die Umwelt schädigt, kann sich der Landkreis-Bedienstete allerdings nur schwer vorstellen. „Viele sehen die Folgen ihres leichtfertigen Handels gar nicht“, glaubt der Naturschutzexperte – „die Leute wollen Spaß haben und feiern. Dass aber aufgrund des Lärms und der Unruhe Altvögel vertrieben werden, und die Jungen deshalb in ihrem Nest verhungern, daran denkt keiner.“

Flaschen in Bruthölen des Eisvogels

So entdeckten vor einigen Jahren Naturschützer leere Flaschen, die Unbekannte an einem Steilhang der Ilmenau in die Bruthöhlen des Eisvogels gestopft hatten. „Wer so etwas macht, dem fehlt jeder Bezug zur Natur“, stellt Holsten fest. Aber auch sonst benehmen sich manche „Ilmenau-Ausflügler“ daneben – davon zeugen die Berge von Müll, die jedesmal nach den Feiertagen eingesammelt werden müssen: Achtlos weggeworfene Getränkedosen, Glasflaschen, Kronkorken bis hin zu Plastikmüll und PET-Flaschen. Selbst einen zweckentfremdeten Einkaufswagen entdeckten aufmerksame Spaziergänger an der Ilmenau – „der wurde als Grill genutzt und anschließend an Ort und Stelle stehengelassen“, ärgert sich Holsten.

Deutlich weniger Probleme als in den vergangenen Jahren registrierte der Landkreis an Himmelfahrt mit den Kanufahrern. Insgesamt sechs Bootsverleiher aus der Region haben sich freiwillig verpflichtet, ihre Boote eindeutig und gut sichtbar zu kennzeichnen. „Wer mit dem Kanu unterwegs ist und sich nicht an die Regeln im Naturschutzgebiet hält, muss damit rechnen, erkannt zu werden und für sein Verhalten womöglich ein saftiges Bußgeld zu kassieren,“ erläutert Kreissprecher Hannes Woenig.

Erneuerung der Wassersportwege

Am Runden Tisch „Kanuwandern“ sucht der Landkreis außerdem gemeinsam mit Kanuverleihern, Wassersportvereinen, Naturschutzverbänden, Wasserverband, Hansestadt Lüneburg und Landkreis Uelzen neue Wege für den Wassersport an der Ilmenau. Das Ergebnis: Rund zwei Drittel der Anlegestellen zwischen Uelzen und der Roten Schleuse werden zum Ende der laufenden Saison erneuert. Auch die Hansestadt Lüneburg plant für 2018, eine neue Anlegestelle im Stadtbereich zu schaffen. Dadurch wollen die Akteure Kanuwanderer an die offiziellen Stege lenken und so die wertvollen Uferbereiche der Ilmenau besser schützen.

Zudem setzen auch die Akteure an der Ilmenau vor allem auf Aufklärung und Zusammenarbeit: Bevor es aufs Wasser geht, informieren die Verleiher ihre Kunden ausführlich über die Regeln im Naturschutzgebiet. Ab 2018 will der Landkreis zudem gezielt zwei Ranger einzusetzen, die Gäste über die geschützte Tier-und Pflanzenwelt aufklären und Regelverstöße bestrafen.

Von Klaus Reschke

Umweltschutz: Spielregeln für Ausflügler

Um die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, haben die Verantwortlichen beim Landkreis einige nützliche Regeln zum Aufenthalt in der Natur zusammengestellt: Ob zu Fuß, zu Pferd oder auf dem Mountainbike, ob mit oder ohne Hund – wer im Naturschutzgebiet unterwegs ist, sollte in jedem Fall auf den ausgewiesenen Wegen bleiben.

Für Hunde gilt die Leinenpflicht. Paddler auf der Ilmenau sollten sich mit ihren Booten möglichst im tieferen Wasser bewegen und nur an den ausgewiesenen Badestellen anlegen. Erkennbar sind die erlaubten „Haltestellen“ an den großen Informationstafeln zum Ilmenau-Lehrpfad und an vorhandenen Holzstegen.

Alle anderen Stellen – auch wenn sie noch so einladend aussehen – sollten nicht betreten werden, weil dort geschützte Tierarten wie der Eisvogel leben. Laute Musik und unnötiger Lärm ist zu vermeiden, um Tiere und andere Besucher nicht zu stören. Lagerfeuer und Grills sind im Naturschutzgebiet grundsätzlich verboten.

One comment

  1. Ist halt so in einer Gesellschaft, in der der Egoismus an erster Stelle steht. Ist mir doch sch… egal wie es hinterher aussieht, sollen sich doch die anderen kümmern. Ich denke, bei vielen ist in der Kinderstube einiges gewaltig schief gegangen.