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Angelika und Hermann Reimer können keine Anrufe entgegennehmen, Telefon und Internet sind ausgefallen und kein Techniker weiß Rat.

Kein Telefon, kein Internet, und das seit Wochen

Lüneburg. Wer die Nummer von Angelika und Hermann Reimer in Barendorf wählt, hat momentan kein Glück. „Der von Ihnen gewünschte Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar“, sagt eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Seit drei Wochen kann das Ehepaar nicht über Festnetz telefonieren, auch das Internet funktioniert nicht. Fünf Techniker waren bereits im Haus, haben sogar ein neues Modem installiert und die Leitung vom Hausanschluss bis zum Verteilerkasten im Dorf überprüft – einen Fehler konnten sie nicht finden.

Mit der Geduld inzwischen am Ende

Der 57-Jährige ist mit seiner Geduld am Ende, er ist nicht nur beruflich von beidem abhängig, auch die demente Schwiegermutter erreicht ihre Tochter jetzt nicht mehr. „Unsere Festnetznummer ist sehr kurz, die kennt sie und kann sie auch selbst wählen“, sagt Angelika Reimer, die jetzt Tag und Nacht ihr Handy bei sich hat. „Aber wenn ich mal in einem netzfreien Raum bin, erreicht mich der Pflegedienst auch da nicht.“

Am 10. Mai hat Hermann Reimer das erste Mal bei 1&1 angerufen, dort hat er vor rund acht Jahren den Vertrag abgeschlossen und bislang nie Probleme gehabt. Die Tage davor war der Barendorfer noch in der Reha, von dort hatte er mehrfach versucht, seine Frau zu Hause anzurufen – vergeblich. „Da war immer besetzt.“
Mit jedem neuen Techniker habe 1&1 einen neuen Fall eröffnet, nach dem Termin stets eine SMS geschickt und so mitgeteilt, dass man die Störungsmeldung erhalten habe und sich melde, sobald Neuigkeiten bekannt sind. Gemeldet hat sich der Anbieter nie – bis vor einigen Tagen. Da klingelte dann das Handy von Hermann Reimer. „Man sagte mir, dass sich die Zeitung gemeldet hat und der Schaden jetzt behoben wird.“

Doch sowohl das Telefon als auch das Internet funktionieren nach wie vor nicht. „Wir können keine E-Mails bekommen, Kunden erreichen mich nicht.“ Auch der Makler, der Neuigkeiten über einen Hausverkauf zu berichten hat, dringt nicht zu ihnen durch. Finanzielle Einbußen bleiben nicht aus: Hermann Reimer führt einen Ein-Mann-Betrieb im Bereich Garten- und Landschaftspflege, ältere Kunden wählen für den Erstkontakt vor allem die Festnetznummer. „Von meinen Stammkunden habe ich die Nummer, die könnte ich zum Glück mit dem Handy informieren.“

Entschädigung für ständiges Vertrösten

Da die Steckplätze der Telekom gehören, muss 1&1 stets von dort einen Techniker beauftragen. Auf LZ-Nachfrage sagt Kerstin Perkert, Pressesprecherin bei 1&1: „Unser Technologiepartner hat uns informiert, dass der Anschluss von Herrn Reimer aufgrund eines technischen Defekts im Hauptverteiler nicht funktioniert.“ Der Austausch des Bauteils sollte am 30. Mai erfolgen – passiert ist nichts.

Die Telekom hat den Fehler mittlerweile gefunden, Pressesprecherin Martina Morawietz sagt, dass der betroffene Anschluss im Rahmen der Netzmodernisierung auf einen neuen Internetzugangsknoten umgestellt worden sei. „Leider führte ein Datenfehler im Netzprofil für den Kunden zur Störung. Dieser Fehler wird nun behoben.“ Wie lange das dauert, könne man nicht abschätzen. Für Hermann Reimer ist klar, dass er eine Entschädigung fordern wird, sobald alles wieder läuft. „Dieses ständige Vertrösten geht gar nicht, eine Schadensbehebung sollte nicht drei Wochen dauern.“

Eva Schleif ergeht es ganz ähnlich. Sie hatte alles bestens vorbereitet für den Umzug nach Brietlingen und die Eröffnung ihrer Naturheilpraxis. „Ich war am 10. März im Lüneburger Telekom-Laden an der Bäckerstraße und habe eine neue Festnetz-Nummer beantragt, ein Anschluss liegt bereits“, erzählt sie: „Ich bekam eine neue Rufnummer, die sollte zum 2. Mai greifen.“ Der Umzug erfolgte am 5. Mai, doch die Heilpraktikerin war nicht zu erreichen: „Ich hatte Anzeigen geschaltet mit der neuen Telefonnummer und werbe auf meiner Homepage damit. Doch übers Internet bin ich ja auch nicht erreichbar. Leute, die sich für meine Seminare interessieren, können nicht buchen, da ich es nicht bestätigen kann.“

Besserung in Ausicht gestellt

Alle zwei Tage sei sie im Telekom-Laden gewesen, geholfen werden konnte ihr nicht. Eva Schleif: „Schließlich gab man mir den Tipp, eine Servicenummer der Telekom anzuwählen. Dort hieß es, dass die Leitung erst zum 20. Juni freigeschaltet werden könne.“ Die Frau war stocksauer: „Ich lebe von der Praxis. Wenn ich nicht mit möglichen Kunden kommunizieren kann, kann ich auch keine Termine absprechen.“ Eva Schleif geht davon aus, dass ihr so etwa 5000 Euro entgehen.

Sie klagte der LZ ihr Leid, die hakte beim Unternehmen nach. Telekom-Sprecherin Martina Weidmann: „Die Verzögerung bei der Anschluss-Bereitstellung der Kundin hat mit Arbeiten am IT-System – Migration – zu tun. Während diese läuft, ist keinerlei Buchung oder Auftrag möglich. Die Arbeiten sind abgeschlossen, leider hat das System die Buchung des Kunden-Anschlusses erst zum 20. Juni vorgegeben. Unser Service hat diese Buchung nach Rücksprache mit Frau Schleif storniert und per Eilauftrag eine erneute Buchung zum 6. Juni eingestellt.“ Damit kann die Heilpraktikerin nach eigenen Angaben nun „einigermaßen gut“ leben.

Von Anna Paarmann und Rainer Schubert

One comment

  1. Tut nichts zur Sache

    ,,Du bist kein Vielleicht-Fluffy und keine Lahmleger-Lusche. Du bist ein Macher.“

    So der dämliche Telekom Slogan, in dem suggeriert werden soll, daß ausgerechnet die Telekom dem Mittelstand ins Internet hilft. Wie es wirklich aussieht, steht oben, nach dem Motto: Die Kritiker der Elche sind oft selber welche!