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Bleckede: Verjüngungskur für Schloss

Bleckede. Ein Bleckeder Schloss, das nach erfolgter Sanierung des Nordflügels im Frühsommer 2019 komplett renoviert ist, das ist ein „Traum“ d es Bleckeder Bürgermeisters Jens Böther (CDU). Gestern ist das Projekt wieder einen kleinen Schritt vorangekommen: Der Ausschuss des Kreistags für Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV empfahl gestern in seiner Sitzung im Gebäude der Kreisverwaltung einstimmig und ohne Aussprache, sich mit 200 000 Euro zu beteiligen.

Das Projekt Nordflügelsanierung ist für die Stadt Bleckede ein mächtiger Brocken: Auf insgesamt 1,75 Millionen Euro beläuft sich der Gesamtfinanzierungsbedarf. Jeweils 400 000 Euro von Bund und Land konnte die Stadt Bleckede aus der Städtebauförderung einwerben. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, legt die die Stadt Bleckede 400 000 Euro als Eigenanteil dazu. „Diese Mittel werden kreditfinanziert“, sagt Bürgermeister Böther.

Westflügel bereits komplett saniert

Weiter beteiligen werden sich die Sparkassenstiftung Lüneburg (250 000 Euro) sowie die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit jeweils 50 000 Euro. Mit 200 000 Euro leistet auch der Landkreis Lüneburg einen ansehnlichen Anteil an der Sanierung des um 1600 errichteten Nordflügels.

Der Westflügel des Schlosses ist bereits komplett saniert, dort ist eine Ausstellung installiert, der Schlossturm wurde mit einer Aussichtsplattform versehen, in der Remise wurde eine Aquarienlandschaft installiert, im Schlossgarten ist eine Besucheranlage mit Bibergehege entstanden – nun also der Nordflügel.

Für Konzerte, Lesungen, Tagungen, Ehrungen und Theateraufführungen wird das Obergeschoss des Nordflügels mit dem großen Schlosssaal, dem Gerichtssaal und dem Renaissancezimmer genutzt. Aber die Räume sind in keinem guten Zustand, müssen saniert werden. Das gilt auch für die sanitären Anlagen in dem Gemäuer.

Ingenieure entdecken Pfusch

Der Löwenanteil der veranschlagten Kosten wird in die Sanierung des Innenbereichs und der Fassaden fließen – jeweils rund eine halbe Million Euro. „Pfusch“ in der Dachkonstruktion haben die beauftragten Ingenieure entdeckt, Faulstellen im Holztragwerk, Feuchtigkeitsschäden im Kellergeschoss und am Mauerwerk, eine gebrochene Dachschwelle, abplatzende Farbbeschichtungen und Insektenbefall im Fachwerk.

Rund 93 000 Euro sind für den Einbau eines Fahrstuhls im Nordflügel eingeplant, damit dieser Bereich des Gebäudes behindertengerecht wird.

Im Frühsommer 2018 sind die Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern im Bleckeder Schlosshof zu Gast. Unmittelbar danach würde Bürgermeister Böther gern mit den Sanierungsarbeiten anfangen. „Und wenn ein Jahr später die Festspiele wieder bei uns sind, wäre ich gern fertig. Ob wir das schaffen, weiß ich nicht. Aber ein Bürgermeister darf doch auch einmal träumen“, so Böther.

Die endgültige Entscheidung über den Zuschuss des Landkreises Lüneburg für das Projekt trifft am Montag, 19. Juni, der Kreisausschuss.

Renaissancebau von 1600
Die erste Burg an der Stelle der heutigen Schlossanlage wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt.

Der zweigeschossige Nordflügel repräsentiert weitgehend einen Renaissancebau von 1600 und wurde vom Amtmann Fritz von dem Berge im Auftrag des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg erbaut. Der Westflügel wurde im 18. Jahrhundert ebenfalls in Fachwerk neu errichtet.

1932 zog das Amtsgericht in das Gebäude. Nachdem das Gericht 1974 aufgelöst wurde, kaufte der Landkreis Lüneburg das Schloss, von 1977 bis 1996 diente es als Zweigstelle der Heimvolkshochschule Barendorf mit Internat.

Danach stand das Schloss bis zum Verkauf an die Stadt Bleckede, die es für den symbolischen Preis von einer Mark im Jahr 2000 erwarb, einige Jahre leer.

Von Ingo Petersen