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Daniel Niehus, Lars Brinkmann, Morten Ehlers, Christopher Müller, Philipp Vogler und Tim Ziech sind begeisterte Pfingstbaumpflanzer. Heute verteilen sie 400 Bäumchen im Ort. Foto: t&w

Mit Pfingstbäumen von Tür zu Tür

Südergellersen. Auf Morten Ehlers und seine Freunde wartete am Sonnabend viel Arbeit: 400 Pfingstbäume wollten die Jungs verteilen. Schließlich sollte fast jeder Haushalt in Südergellersen sein frisch geschlagenes Birkengrün vor die Haustür gestellt bekommen. Morten ist Mitglied der „Pfingstbaumpflanzer Südergellersen“. Eine Truppe von jungen Männern, die diesen uralten Brauch fortleben lässt. „Das Ritual stammt noch aus der Zeit der Germanen“, sagt Christopher Müller, „das Birkengrün soll böse Geister vertreiben.“

So lautet jedenfalls die Südergellerser Erklärung für diesen Brauch. In Reinstorf werden auch Pfingstbäume an Häuser, Zäune und Garagen gebunden – mit anderer geschichtlicher Begründung: Einst sollen damit junge Männer um unverheiratete Frauen geworben haben. Doch ob es um das Vertreiben böser Geister oder um das Werben um fesche Mädels geht – stets wird von den Pfingstbaumaufstellern um Spenden gebeten.

Vor allem Alteingesessene freuen sich auf den Baum

Allerdings wollte nicht jeder Südergellerser Einwohner mit dem Grünschmuck aus dem Wald beehrt werden: Die „Pfingstbaumpflanzer“ wissen das, „wir haben deshalb eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die diejenigen Einwohner schreiben konnten, die keinen Baum haben wollen“, berichtet Christopher Müller. Knapp 60 Haushalte waren das – überwiegend aus den Neubaugebieten. Viele Alteingesessene warteten dagegen schon ungeduldig auf den Birkenschmuck – und noch mehr wohl auf das anschließende Gespräch mit den Pfingstbaumpflanzern: Denn während die einen die Bäumchen verteilen, klingeln die anderen an der Türe, singen ihr Lied und bitten um eine Spende. Oft werden die Pflanzer dann schon mal in die gute Stube auf einen Umtrunk eingeladen. Und ohne einen Schnaps, Süßigkeiten oder eine Geldspende verlassen die Jungs selten ein Haus.

Rund 20 „Pfingstbaumpflanzer“ sind in Südergellersen aktiv – eine Vereinigung, aber kein eingetragener Verein. Darauf legt Sprecher Christopher Müller großen Wert. Und wer kann alles mitmachen bei der Truppe? „Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren“, erklärt Lars Brinkmann, „und man darf nicht älter als 30 sein“. Auch Heirat ist formal ein Ausschlusskriterium, das aber selten angewendet werden muss– „da die Ehemänner ohnehin keine Zeit mehr haben, sich bei uns zu engagieren“, sagen Morten Ehlers und Christopher Müller lachend.

Pfingstsonntag kommt der „Pfingstkarl“

Bereits am Freitagabend hatte der Trupp die rund 400 Pfingstbäume – allesamt Birken – in der näheren Umgebung gesägt und auf den Traktor-Anhänger gepackt. Die Bäumchen waren also frisch, als sie am Sonnabend vor die Türe geliefert wurden. „Und wenn sie in einen Eimer mit Wasser gestellt werden, dann halten sie auch locker zwei Wochen das Grün“, verspricht Christopher Müller.
Am heutigen Pfingstsonntag geht übrigens der „Pfingstkarl“ durch den Ort. Das sind die jungen Konfirmanden mit Bollerwagen, aus dem das gebrochene Bein des „Pfingstkarls“ ragt. Auch sie bitten um Spenden – Eier, Geld oder Süßigkeiten.

Das religiöse Fest
Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche und als Beginn der weltweiten christlichen Mission.

50 Tage nach Ostern ist Pfingsten der feierliche Abschluss der Osterfestzeit. Der Name Pfingsten kommt vom griechischen „Pentekoste“, was 50. Tag bedeutet.

Die Kirche erinnert an diesem Fest an die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie er in der biblischen Apos­telgeschichte beschrieben wird.
Darin werden die Jünger Jesu vom Heiligen Geist erfüllt und können plötzlich sämtliche Sprachen der Erde sprechen und verstehen.

Der Heilige Geist soll nach kirchlicher Lehre in der Welt Person, Leben und Werk Christi in der Geschichte lebendig halten.

Von Klaus Reschke