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Lecker Currywurst. Doch wer darf sie künftig auf dem Lüneburger Markt servieren? Darüber ist ein Streit entbrannt, der die Gerichte beschäftigt. Foto: phs

Streit um die Currywurst am Lüneburger Marktplatz

Lüneburg. Das Urteil schmeckt den Verantwortlichen so gut wie versalzene Pommes: Denn die Stadt unterlag vor dem Verwaltungsgericht in einem Streit um die Wurst . Dabei geht es quasi um Weidegründe von Einheimischen und Touristen. Auf dem Marktplatz wechseln sich zwei Wurst-Bräter im Wochenrhythmus ab, um in Höhe Bäckerstraße möglichst viele Gäste sattzumachen. Offenbar ein lukratives Geschäft, denn schon im vergangenen Jahr versuchte ein dritter Anbieter, ebenfalls bedacht zu werden. Die Stadt lehnte ab, der Schnellkoch zog vors Gericht und bekam Recht: Die Stadt müsse ihn berücksichtigen. Das mag die Verwaltung nicht hinnehmen, sie hofft, dass sich das Oberverwaltungsgericht mit der Causa befasst und in ihrem Sinne entscheidet.

Stadt wünscht erweitertes Rotationsprinzip

Die LZ hatte im April vergangenen Jahres über den Streit berichtet. Die Stadt hatte damals erklärt, sie empfehle, dass der Neue sich mit den beiden anderen einigt und dann in das Wechselsystem einsteigt. Es war nicht überraschend, dass die beiden anderen nicht teilen wollten. In Kurzform: Es rechne sich dann nicht mehr.

So entschied die Verwaltung, alles möge so bleiben wie gewohnt. Doch mit dieser Regelung wollte sich der dritte Imbissbetreiber nicht abspeisen lassen – und die Richter gaben ihm Recht. Da die Flächen auf dem Marktplatz regelmäßig neu vergeben werden, hatte sich der Neue einfach beworben – als Erster. Das Gericht erklärte dem Rechtsamt kurz und bündig, sich nicht an die eigenen Kriterien gehalten zu haben, nämlich an das Prioritätsprinzip: Wer seine Wustpappe als Erster im Rathaus abgibt, der hat das Rennen gemacht. Damit hätte der Neue rückwirkend vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020 auftischen dürfen.

Anspruch auf entgangenen Gewinn?

Das mag die Verwaltung nicht einsehen. Sie beharrt auf dem Wurst-Duett, es habe sich bewährt. Offenbar in erster Linie für die beiden Grill-Maxen. Im Rathaus sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Wir haben Zulassung der Berufung vor dem OVG beantragt.“ Dieser Weg schützt die Bestands-Bräter nun erst einmal, denn so ist eine „aufschiebende Wirkung“ eingetreten. Ergo: So lange die Richter von der Uelzener Straße den Pommes-Zwist nicht bescheiden, bleibt alles wie gehabt.

Es stellt sich eine Frage, die so knackig ist, wie eine gute Bockwurst: Geht am Ende alles für den neuen Bewerber aus, hat er dann einen Anspruch auf den entgangenen Gewinn? Dazu hält sich die Pressesprecherin der Stadt bedeckt: „Das sehen wir, wenn es so weit ist.“

Von Carlo Eggeling

6 Kommentare

  1. Warum nicht selber machen?

    Um solche Konflikte zu lösen, sollte im Rechtsamt die Liberalisierung der Feuerordnung überlegt werden, damit wenigstens städtische Angestellte sich während der Sommermonate ihre Mittagsmahlzeit unabhängig von der Worschdebudenrangelei mit Hilfe von einem Alibaba One-way Grill oder einem kleinen & mobilen Enders-Gas-BBQ unter freiem Himmel auf dem Marktplatz zubereiten können. Vor dem Einstieg in die Do-it-yourself-Welt des Garens durch Konduktion und Wärmestrahlung ist vom passionierten Brat und Brutzel-Liebhaber allerdings zunächst das adäquate Zubehör zu erwerben. Zum Preis eines mittleren Kleinwagens schafft man sich also einige Kilogramm Stahlblech im Schrottwert von etwa 6,50 € nebst Kunststoffrädchen (→ gelber Sack) an. Must-haves dabei: Deckel, Steinplatte und Räucherfunktion. Außerdem unverzichtbar: Infrarotthermometer, digitaler Präzisionslaserwurstabstandsmesser, damastgeschmiedete Grillzange, Tranchierbesteck mit Horngriffen sowie ein vergoldeter Grillspießchenanspitzer. Das „Fest“ beginnt mit dem Marinieren des Grillgutes in chemiesatten Kräuterpasten und Würzsaucen, dem lieblosen Überschütten verkochter Kartoffeln mit Fertigmayonnaise, und für die Veganer wird eine Gurke geschält. Alsdann geht der Griller auf Youtube und schaut sich dort zu den ersten vier Bieren noch einmal schnell die Tips von renommierten Fernsehkochfuzzis an. Die dadurch gefestigte Annahme, daß auf der heimischen Terrasse auch etwas Genießbares beim Grillen herauskommen könnte, strafen die folgenden Rauchsäulen Lügen: Das ganze Gewürze, Gesauce und Getue hat nur dem Zweck gedient, der erzeugten Kohlenstoffhülle um zähe Reste von Fleischfasern eine Anmutung von Geschmack zu geben.

    Bei all der hochtechnisierten Ausstattung ist es grillenden Menschen nicht klar, daß es sich bei der Zubereitung von Fleisch an offenem Feuer um eine der ältesten Kulturtechniken handelt. Schon der Homo erectus hat vor der eigentlichen Entdeckung des Feuers Grillfleisch gegessen – aus reiner Faulheit. Häufig fiel nach einem Blitzeinschlag ein geröstetes Eichhörnchen oder ein Elch aus einem Baum, außen schwarz und innen roh; das hat zwar schon damals scheiße geschmeckt, aber wenigstens mußten keine lebenden Tiere mehr gejagt werden. Grillen ist demnach schlicht ein Mahnmal für die erschütternde Stagnation in der Entwicklung der menschlichen Art.

    MfG, Kurt Wenninger

  2. „So lange die Richter von der Uelzener Straße den Pommes-Zwist nicht bescheiden, bleibt alles wie gehabt.“

    So isses.

    Und hinterher zahlt der Steuerbürger die Entschädigung an Bräter Nummero drei und obendrauf auch noch die Prozesskosten, weil Herr Mädge für seine beiden Budenbetreiber noch etwas Zeit schinden wollte, indem er in einer vollkommen aussichtlosen Rechtssache in die Revision beim Oberverwaltungsgericht zieht.

  3. Von der Leuphana lernen, heißt siegen lernen. Wer Verkaufsprozesse gewinnen möchte, muss mit zackigen Linien und überraschenden Kontrapositionen im Biss-Marketing die kasernierenden Genusserwartungen der lieben Kinder unterlaufen:

    http://blog.latimera.net/wp-content/uploads/2008/11/currywurst_knut.jpg

  4. Lüneburgerin

    Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem nicht. Die Stadt ist öffentlicher Auftraggeber. Die Wurstbräter benötigen eine Konzession. Solche Konzessionen unterliegen zunächst grundsätzlich dem Vergaberecht. Je nach dem, ob sich der Wert der Konzession oberhalb oder unterhalb des gesetzlich definierten Schwellewertes bewegt, ist ein Vergabeverfahren durchzuführen. Die Vergabe erfolgt für einen definierten Zeitraum. In diesem Zeitraum kann ein Mitwettbewerber keine Berücksichtigung finden. ER kann sich dann an der nächsten Ausschreibung beteiligen. Und wenn die Gemeinde alles richtig macht, würde eine evtl. Klage vor der Vergabekammer erfolglos bleiben. Alles schön transparent! Für die Stadt Lüneburg vielleicht zu transparent?