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In diesem Sommer dürfte es an den Stränden Mallorcas eng werden. Die Balearen sind in diesem Jahr bei Urlaubern besonders angesagt – das gilt auch in Lüneburg. Foto: nh

Lüneburger lieben das Mittelmeer

Lüneburg. Wenn in drei Wochen in Niedersachsen die Sommerferien beginnen, dürften für die meisten Urlauber die Reisepläne feststehen. Doch wo zieht es die Lüneb urger in diesem Jahr hin? Gibt es neue Ziele oder werden weiter die klassischen Reiseländer angesteuert? Die LZ hat sich bei Reisebüros umgehört.

„Mallorca und die anderen Balearen-Inseln sind in diesem Jahr eindeutig der Renner“, sagt Marina Schulze-Köhn. Die Geschäftsführerin des Reisebüros Adendorf nennt dafür auch den Grund: die gegenwärtige Lage in der Türkei. Durch die Anschläge dort sei das Sicherheitsgefühl der Urlauber in dem viele Jahre lang beliebtesten Urlaubsland der Deutschen deutlich gesunken. Aber auch das Auftreten von Staatspräsident Erdogan gegenüber Deutschland würden viele nicht auch noch mit einer Reise dorthin unterstützen wollen.

Mallorca statt Türkei

„Da ist ein richtiger Spalt in der Gesellschaft“, hat Thomas Siebert, Inhaber des gleichnamigen Reisebüros in Lüneburg, festgestellt. „Die einen sind eindeutig gegen die Türkei, die anderen weiterhin klare Befürworter.“ Letztere können derzeit mit Preisen rechnen, die laut Sievert „deutlich unter dem Einkaufspreis liegen“. Als Beispiel nennt er eine Woche Urlaub in der Türkei inclusive Flug für 209 Euro pro Person. Und für nur 1729 Euro bietet das Reisebüro Adendorf zwei Wochen Türkei-Urlaub in Alanya als all-inclusive-Angebot einschließlich Flugreise ab Hamburg für eine vierköpfige Familie an.

Doch das Ausweichen etwa auf die spanischen Inseln hat seinen Preis: „Es ist deutlich teurer als im vergangenen Jahr“, sagt Marina Schulze-Köhn. Hotels und Veranstalter langten kräftig zu, „Preisaufschläge von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr sind das Minimum“. Auch Amelie Stumpf-Pawelzik vom Lüneburger Reisebüro Universal Reisen und Thomas Sievert bestätigen den aktuellen Spanien-Trend. „Egal ob Festland, Balearen oder Kanaren, in Spanien geht zurzeit alles“, sagt Thomas Sievert, „da wissen die Kunden, was sie haben.“

Von der Türkei-Krise profitiert auch Nachbarland Portugal. „Die Algarve wird gut nachgefragt“, sagt Amelie Stumpf-Pawelzik, sie führt dies auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zurück. Die ausbleibenden Urlauber in der Türkei tummeln sich aber auch wieder gern in Griechenland, dessen Urlauberzahlen seit der Krise 2015 wieder deutlich zugenommen haben. Zwar wären auch die Preise dort angezogen, „aber so teuer wie Mallorca ist es dort nicht“, sagt Marina Schulze-Köhn. Auch Bulgarien sei für viele wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses ein attraktives Reiseziel.

Griechenland hat sich wieder erholt

Weiter stark im Kommen sind Kreuzfahrten im Mittelmeer, „hier gibt es Angebote für jede Altersklasse“, sagt Amelie Stumpf-Pawelzik. Von preiswerten Familien- bis zu hochpreisigen Luxusfahrten sei auch alles möglich. Thomas Sievert sieht in diesem Bereich bereits neue Ziele: „Kunden, die nicht unbedingt ein deutschsprachiges Schiff brauchen, nutzen vermehrt Kreuzfahrtschiffe US-amerikanischer Anbieter mit interessanten neuen Routen.“ Auch Zypern steigt laut Sievert in der Beliebtheitsskala, „und wer nicht unbedingt Sandstrand braucht, ist mit Kroatien gut beraten“. Noch nicht von den politischen Unruhen im Land richtig erholt hätten sich die Urlaubsländer Tunesien und Ägypten.

Außerhalb Europas haben laut Marina Schulze-Köhn Kuba und Südafrika zugelegt. „Kuba-Freunde wollen dort hin, bevor die Amerikaner wieder Besitz von der Insel ergreifen. Sie möchten noch den Charme des alten Kuba erleben.“ Dazu würde bereits jetzt für 2018 gebucht.

Deutschland-Urlauber zieht es wie gehabt am liebsten an die Ostsee, „wer es etwas preiswerter als an der Schleswig-Holsteiner Küste, aber mindestens ebenso schön haben möchte, fährt nach Rügen oder Usedom oder an die Mecklenburgische Seenplatte“, empfiehlt Marina Schulze-Köhn. Und Last Minute? „Das hängt immer vom Wetter ab. Wenn es bei uns regnet, wollen die Leute weg.“ Da könnte dann die Türkei mit ihren extrem preiswerten Angeboten punkten, ist Thomas Sievert überzeugt.

Von Ulf Stüwe