Donnerstag , 22. Februar 2018
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Imme Konzack-Rempe war Beauftragte für Jugendsachen bei der Polizei. Jetzt wechselt die Hauptkommissarin in den Ruhestand. Foto: ca

Steiniger Weg im Dienst der Polizei

Lüneburg. Die Kommissarsanwärterin beeindruckte den Bundeskanzler: Mit einem Ju-Jutsu-Griff und -Wurf schickte sie ihren Trainer zu Boden. Willy Brandt lächelte beeindruckt in der Polizeischule in Hannoversch-Münden und Imme Konzack-Rempe strahlte. Das war 1974. Mit 18 Jahren hatte sie ihre Ausbildung bei der Polizei begonnen. Ein Polizistenleben später, sie ist jetzt 62, beginnt der Ruhestand der Beamtin.

Eine der Pionierinnen 

Die Lüneburgerin gehörte zu den ersten Frauen, die 1973 eine Laufbahn bei der Kriminalpolizei einschlagen durften, im Streifendienst war es erst 1981 so weit, erinnert sich die Beamtin. Zwar hatte es zuvor die weibliche Kriminalpolizei gegeben. Die Damen, die eine Ausbildung als Krankenschwester oder Kindergärtnerin vorweisen und zu Dienstbeginn ledig sein mussten, waren für Jugendliche zuständig. Frauen seien den Herausforderungen nicht gewachsen.

„Die Männer nahmen uns skeptisch auf“, sagt sie. „Da gab es die Meinung, Frauen können das nicht. Da musste ich mich freundlich, aber bestimmt durchsetzen.“ Die Kommissarsanwärterin durchlief verschiedene Stationen, bis sie in ihre Geburtsstadt Lüneburg zurückkehrte: „Ich begann mit der Familienplanung, damit brachte ich die Institution Polizei heftig in Schwierigkeiten. Mutterschutz, wie geht das? Und was machen wir mit ihr, wenn sie aus dem Mutterschutz zurückkehrt?“

Gleichberechtigung — „Es ist noch eine Menge zu tun“

Bei einem Frauenanteil beim Personal von rund einem Drittel bei der Polizei in Stadt und Kreis sind die Fragen für die mehr als 100 Beamtinnen heute selbstverständlich geklärt. Es gibt Teilzeitangebote, in Lüneburg sogar eine eigene Kita für den Nachwuchs von Polizisten. Doch damals sah es anders aus: „Als ich nach dreieinhalb Jahren wiederkam, steckten mich die Vorgesetzten in den Kriminaldauerdienst. Vollzeit und Schichtdienst, obwohl ich zwei kleine Kinder zu Hause hatte.“ Eine Bitte um Stundenreduzierung lehnte die Polizeiführung ab.

Imme Konzack-Rempe machte in einem Arbeitskreis mit, der eben für Gleichberechtigung und andere Arbeitszeitmodelle eintrat. Langsam änderte sich etwas, heute setzen Innenministerium und Behördenleitungen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichwohl findet die pensionierte Beamtin: „Es ist noch eine Menge zu tun.“ Denn auf höheren Führungspositionen seien Frauen noch immer eher die Ausnahme.

Jetzt auf der Agenda: Entspannung , Enkel, Ehemann

Selbstverständlich hat die Polizistin im Dienst ihre Frau gestanden. Unter anderem zwölf Jahre im Rauschgiftdezernat, dann 20 Jahre als Beauftragte für Jugendsachen. „Die Polizei ist ja immer die letzte in der Kette, wenn etwas schiefläuft“, sagt sie. Würden Kinder und Jugendliche kriminell, käme die Polizei ins Spiel. Sie hat die Polizei in Arbeitskreisen vertreten, in denen beispielsweise auch Jugendamt, Jugendgerichtshilfe und Hilfsorganisationen vertreten sind. Vernetzung sei wichtig, um Lösungen zu finden und um die Sichtweise anderer kennenzulernen.

Die Hauptkommissarin war auch für die Koordination anderer Kollegen in der Prävention zuständig, diesen Part übernimmt nun Eleonore Tatge, auch sie ist eine erfahrene Beamtin.
Imme Konzack-Rempe freut sich auf den Ruhestand. Sie will sich ausruhen, sich um ihre Enkel kümmern, mehr mit ihrem Mann unternehmen. Und dann ist da noch die Frauenpower. Sie rockt weiter in der Frauenband Wäxxeljahre. Leidenschaften bleiben.

Von Carlo Eggeling