Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Die Zukunft des 1911 gebauten Dampfeisbrechers „Elbe“ ist ungewiss. Für den weiteren Betrieb fehlt ein geeigneter Liegeplatz für das Spezialschiff. Foto: tja

Dampfeisbrecher „Elbe“ sucht neuen Liegeplatz

Geesthacht/Lauenburg. „Es ist ein Armutszeugnis, wie sich um uns gekümmert wird. Dabei ist das, was wir hier anbieten, auf der Oberelbe einmalig“, sagt Marco B öhm, 2. Vorsitzender des „Fördervereins Dampfeisbrecher Elbe“. Dem Spezialschiff und dessen Crew droht die Heimatlosigkeit. Der bisherige Liegeplatz in Lauenburg ist für die überwiegend aus Hamburg kommenden Besatzungsmitglieder zu schwer zu erreichen, in Geesthacht möchte man der „Elbe“ wegen der Bebauung der Hafencity keinen Liegeplatz anbieten. Man fürchtet Konflikte mit den künftigen Bewohnern wegen der Rauchemissionen des Dampfers. „Es sind einfach zu viele Hürden für den Weiterbetrieb da“, sagte Böhm resignierend.

Zu viele Hürden für Weiterbetrieb

1911 gebaut war die „Elbe“ bis 1972 auf dem Fluss als Eisbrecher im Einsatz. Angetrieben von einer Zweizylinder-Expansions-Dampfmaschine mit 280 PS Leistung.
Das Schiff gehört heute Matthias Kruse, der es als privater Eigentümer seit 2006 mit einer ehrenamtlichen Crew fahrbereit hält. „Die Elbtalauen-Linie, die wir hier fahren, ist ein reines Zuschussgeschäft für uns, das machen wir nur aus Verbundenheit zu der Strecke, auf der der Eisbrecher früher im Einsatz war“, sagt Böhm. Bis zu 150 Passagiere können an Bord des gut 30 Meter langen Dampfeisbrechers mitfahren.

„Wir sind nur wegen der ,Elbe‘ hier. Es wäre schade, wenn der Region der Dampfeisbrecher als Attraktion verloren ginge.“
Thorsten Breuel, Passagier aus Hamburg

Große Resonanz in sozialen Netzwerken

Als vergangene Woche die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem neuen Liegeplatz bekannt wurden, war der Aufschrei gerade in den sozialen Netzwerken groß. Umso überraschender, dass bei der für die letzte Fahrt am Sonntag gehaltenen Tour kaum Menschen aus der Region die Chance für den Törn nutzten. Stattdessen waren viele Touristen an Bord. Aber auch die Tourismusgesellschaft des Kreises hat sich – obwohl gerne mit der „Elbe“ geworben wird – bisher nicht für das Spezialschiff stark -gemacht. Einzig CDU-Fraktionschef Sven Minge kündigte an, das Thema Liegeplatz im zuständigen Finanzausschuss beraten zu wollen. „Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden“, so Minge.

Vorerst wird die „Elbe“ auch am 11. und 18. Juni ihre fahrplanmäßigen Sonntags-Fahrten (12.45 und 16.45 Uhr ab Anleger Menzer-Werft-Platz) nach Lauenburg anbieten. Böhm: „Vielleicht gibt es eine schnelle Lösung, sonst ja vielleicht eine ab 2018.“

Das Problem in Zusammenhang mit der Hafencity-Bebauung ist der meistens herrschende Westwind. „Zum Anheizen könnte die ,ELBE’ aus dem Hafen an den Anleger an der Elbe geschleppt werden oder zur Schleuse oder zum Yacht-Hafen. Da sind sicher noch nicht alle Möglichkeiten zu Ende diskutiert“, sagt CDU-Politiker Jochen Meder, der sich für den weiteren Verkehr des Eisbrechers auf der Oberelbe einsetzt.

Von Timo Jann