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In Stadt und Kreis besitzen viele Kinder das Seepferdchen-Abzeichen. Doch das Angebot an Schwimmbecken könnte größer sein. Foto: A/t&w

Das Schwimmbad als Klassenzimmer

Lüneburg. Mindestens jeder zweite Grundschüler bundesweit kann nicht richtig schwimmen. Zu dieser Einschätzung kommt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Ein Grund sei, dass die Schwimmausbildung an vielen Schulen zu kurz komme, weil kein Schwimmbad erreichbar sei. Anders sieht es offenbar in Lüneburg aus. Hier liegt die Quote der Schüler, die schwimmen können, deutlich höher. Tobias Leger vom Jugendvorstand der DLRG Lüneburg weiß: „In vielen Grundschulen findet Schwimmunterricht statt, da das Sportbad vormittags für Schulen und Vereine reserviert ist.“ Im Landkreis sehe es aber schlechter aus aufgrund der langen Fahrtzeiten zu den Bädern.

Prozent der Kinder schaffen das Bronzeabzeichen

„In Lüneburg sind wir sehr gut organisiert“, sagt Barbara Hinzmann, Leiterin der Grundschule Häcklingen. Als Sprecherin des Netzwerks Lüneburger Grundschulen hat sie überdies einen guten Überblick über die Lage in der Stadt und weiß, wo bei den Grundschulen der Schuh drückt. „Ihr Seepferdchen schaffen eigentlich alle, aber auch beim Bronze-Abzeichen ist die Quote hoch.“ Nach ihrer Einschätzung schaffen rund 95 Prozent der Grundschüler das Bronze-Abzeichen, „je nach Leistungsstand aber geht es auch bis zum Gold-Abzeichen“.

Einmal pro Woche steht Schwimmen mit je einer Doppelstunde auf dem Stundenplan, in der Regel wird dies in der dritten Klasse angeboten. „Bei einem Jahr Schwimmunterricht kann Schule es leisten, dass Schüler mit normalen motorischen Fähigkeiten schwimmen lernen“, ist Hinzmann überzeugt, die aber auch weiß, dass dies nur möglich ist, wenn – wie in Lüneburg – auch ausreichend Schwimmbäder zur Verfügung stehen. „Im Landkreis sieht das schon anders aus, und das wirkt sich oft durch sehr lange Anfahrtszeiten zu Lasten des Schwimm-unterrichts aus.“
In der Heiligengeistschule bekommen Sprachförderschüler ein Jahr länger Schwimmunterricht, wie Schulleiterin Barbara Geck erklärt. Aber auch hier gilt: „Die meisten schaffen es bis zum Seepferdchen.“

Mehr Kinder als Erwachsene können nicht schwimmen

Im SaLü wird laut Geschäftsführer Dirk Günther deutlich, dass immer mehr Kinder und Erwachsene nicht schwimmen können. „Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben unterschiedlicher Qualifizierungsanforderungen für Schwimmlehrer an Schulen beziehungsweise in den Bädern spielen hier unter anderem auch der Transport der Schüler von den Schulen in die Schwimmbäder und die insgesamt zur Verfügung stehenden Schwimmbecken eine Rolle. Denn obwohl wir hier in Lüneburg noch ganz gut aufgestellt sind und alle mithelfen, die Wasserzeiten anbieten können, kann der große Bedarf nicht optimal gedeckt werden, und er wird weiter zunehmen.“

Das SaLü bietet pro Woche mehr als 25 Stunden im Sport- bzw. Wellenbad und Bewegungsbecken für Schwimmunterricht von Schulklassen. Während der Sommermonate nutzen die Schulen bei Bedarf auch das Freibad Hagen. Ergänzend bietet die SaLü-Schwimmschule pro Kursstaffel wöchentlich insgesamt 22 Kurse zur Wassergewöhnung ab 3 Jahre, zum Schwimmenlernen und zur Verbesserung der Schwimmtechnik an.

„Insgesamt wurde die Zahl der Schwimmkurse in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet, trotzdem sind alle Kurse sehr schnell ausgebucht und wären ohne das neue Kursbecken gar nicht möglich. In Sachen ‚Schwimmunterricht für die Kleinsten‘ kooperiert das SaLü auch mit Kindertagesstätten, die sich jeweils um Organisation und Anfahrt der Schwimmkurse kümmern, während das SaLü die Schwimmlehrer stellt. Last but not least bietet die Hansestadt Lüneburg gemeinsam mit dem SaLü jedes Jahr Ferienschwimmkurse im Sommer an. Den kommunalen Gremien ist es auch zu verdanken, dass schon vor Jahren entschieden wurde, das SaLü in öffentlicher Trägerschaft zu erhalten. Nur dadurch wurden die bisherigen und die geplanten positiven Weiterentwicklungen des Bades möglich.“

Einmaliges Konzept in Niedersachsen

Der Lüneburger Rat hatte 2006 beschlossen, für Grundschüler eine Schwimmförderung anzubieten. Den Ausschlag dafür hatten alarmierende Berichte über die hohe Zahl von Nichtschwimmern gegeben. Verwaltung, Schulleitungen, DLRG, die Fachberaterin Sport der Lüneburger Schulen sowie der Sportbeirat erarbeiteten erstmalig in Niedersachsen ein Konzept, wonach unter Anleitung von zwei ausgebildeten Schwimmübungsleitern in den Oster-, Sommer- und Herbstferien Wochen-Schwimmkurse für nichtschwimmende städtische Grundschüler der 2. und 4. Klassen angeboten werden. Die Anmeldung erfolgt laut Stadt in der Regel über die Grundschulen.

Die nächsten zwei Sommerferienkurse finden vom 26. bis zum 30. Juni statt, zwei weitere vom 3. bis zum 7. Juli. Die Stadt fördert das Projekt jährlich mit bis zu 10 000 Euro, dies ermöglicht es, dass sich die Kursgebühr je Kind nur auf 20 Euro beläuft. Dadurch wird auch Kindern aus finanziell schwächeren Familien die Teilnahme an einem Anfänger-Schwimmkursus ermöglicht.

Training im SaLü: Sicher im Wasser

Rechtzeitig vor Beginn der Sommerferien veranstaltet das SaLü-Team ein Kinder-Sicherheitstraining im Bewegungsbecken der Badewelt. Am Sonnabend, 10. Juni, gibt es von 9.30 bis 12.30 Uhr jede Menge Tipps und praktische Übungen für die Sicherheit im und am Wasser. Eingeladen sind alle Kinder ab 6 Jahren. Auch Jüngere können teilnehmen, wenn sie bereits ein Seepferdchen-Abzeichen haben. Das Training beginnt mit 30 Minuten Theorie. Spielerisch und kindgerecht angeleitet, finden die Kinder danach die Antworten auf diese Fragen heraus:

  • Was kann ich machen, um in jeder Situation sicher zu sein?
  • Wie rette ich meinen Freund oder meine Freundin, wenn sie im Wasser in Not geraten sind?
  • Wie verhalte ich mich bei unterschiedlichen Witterungen (Eis, Regen, Hitze)?
  • Welche allgemeinen Verhaltensregeln im und am Wasser muss ich kennen?
  • Wie bediene ich verschiedene Rettungsgeräte?
  • Welche Wirkung hat Bekleidung, wenn ich damit ins Wasser springe?(mit praktischen Übungen)

Das dreistündige Sicherheitstraining kostet pro Kind 12 Euro. Da die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzt ist, sollten sich Interessierte rechtzeitig anmelden unter (04131) 7230.