Aktuell
Home | Lokales | HVV: Großeinsatz der Kontrolleure gegen Schwarzfahrer
Schwarzfahrern und Fahrscheinbetrügern auf der Spur waren gestern die VHH-Kontrolleure Claus E. (l.) und Sven T. am ZOB in Lüneburg. Foto: t&w

HVV: Großeinsatz der Kontrolleure gegen Schwarzfahrer

Lüneburg. „Fahrscheinkontrolle! Ihren Fahrschein, bitte!“ Diesen Satz hörten jetzt Hunderte Fahrgäste, die am Nachmittag mit einem der KVG-Busse den Haltepun kt am Lüneburger Bahnhof ansteuerten. Dort hatten sich Fahrkartenkontrolleure platziert, um beim dritten Prüfmarathon im Bereich des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) gegen Schwarzfahrer und Fahrkartenfälscher vorzugehen. Zum ersten Mal war auch Lüneburg bei der HVV-weiten Kontrolle dabei.

„Bus kommt!“, ruft Sven T., und sofort umstellen er und drei weitere Kontrolleure den hinteren Ausgang des gerade haltenden Busses. Für die Aussteigenden wird ein Entwischen unmöglich. Jeder einzelne Fahrgast wird kontrolliert, ruhig und konzentiert sind die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), die an diesem Tag ihre KVG-Kollegen in Lüneburg unterstützen, bei der Sache. Jeder Fahrschein wird genau unter die Lupe genommen. Sind die Aussteigenden kontrolliert, geht es innen weiter, auch hier nehmen sie sich die Fahrgäste vor. „Wir kontrollieren jeden“, sagt Prüfer Sven. Etwa fünf Minuten dauert ein Einsatz, insgesamt sind es an die 60 Busse, die sie am Nachmittag kontrollieren, manchmal zwei gleichzeitig. Die insgesamt zwölf eingesetzten VHH-Kontrolleure haben gut zu tun.

„Der Schaden, den Schwarzfahrer und Fälscher anrichten, ist enorm. Den Verkehrsunternehmen im HVV entstehen dadurch jährlich Verluste in Höhe von 20 Millionen Euro“, sagt Ulrich Freiberg. Beim HVV ist er für die Einnahmen-Sicherung zuständig, er weiß um die Ausgebufftheit von Kunden, die partout nicht bezahlen wollen. Denn neben dem reinen Schwarzfahren werden vermehrt auch Karten gefälscht oder es wird Kartenbetrug begangen. „Etwa, indem Zeitkarten als verloren gemeldet werden, die Originalkarte aber an Dritte weitergegeben wird“, sagt Freiberg. „Oder Kontobetrug durch Nutzung von Daten Verstorbener“. Häufig würden auch Online-Tickets auf dem heimischen Drucker gefälscht, auch seien Original-Papierrollen für die Ausgabe in den Bussen gestohlen und widerrechtlich bedruckt worden.

„Die Fälscher lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen.“
Ulrich Freiberg, HVV-Mitarbeiter

Zahlen für den Raum Lüneburg hat Ulrich Freiberg nicht, doch er weiß: „Hier ist die Quote erheblich niedriger.“ Das liege vor allem an dem generellen Einstieg vorn beim Busfahrer, außerdem würde auch im Metronom regelmäßig kontrolliert.
Sven T. hat unterdessen einen jungen Mann ertappt, der vorgab, dass die vorgezeigte Zeitkarte ihm gehöre. „Zu dumm nur, dass das Foto erkennbar herausgelöst war. Außerdem verhaspelte er sich bei der Angabe seines Namens, denn auf der Karte stand ein anderer“, sagt der VHH-Kontrolleur. Als der Kontrollierte dann auch noch anfing zu zittern, „war alles klar. Die Polizei brauchten wir dann auch nicht mehr zu rufen“.

Seit gut 20 Jahren ist er im Einsatz. Auch wenn die Anzahl der Erwischten nach seiner Einschätzung eher gleich geblieben ist, habe vor allem der Respekt gegenüber den Prüfern deutlich nachgelassen. „Deshalb müssen wir auch immer in dieser Mannstärke auftreten.“ Ein Vorfall ist ihm in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben: „Eine junge Frau, die mit Kind den Bus verließ und von uns kontrolliert werden sollte, lief plötzlich weg. Erst schleifte sie das Kind noch hinter sich her, dann ließ sie es einfach auf der Straße liegen und verschwand.“ Mit Polizeieinsatz habe man die Frau, die auf das Kind aufpassen sollte, dann stellen können.
Eine spürbare Verbesserung im Kampf gegen Betrüger und Fälscher erhofft sich Freiberg von der Umstellung auf die elektronische HVV-Chipkarte. „Ich gehe davon aus, dass sie in 2018 kommt.“ Bis dahin setzt man auf die neuen mit einem durchsichtigen Hologramm gekennzeichnten Fahrscheine. „Im Moment ist das sicher“, sagt Freiberg. Er weiß aber auch: „Die Fälscher lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen.“

Gegen 18 Uhr war der zweistündige Einsatz am ZOB vorbei. Das Ergebnis nach den ersten 45 Minuten: Von 487 kontrollierten Fahrgästen sind zwölf ohne gültigen Fahrschein erwischt worden, davon zwei mit gefälschter Karte. „Auf die wartet neben den 60 Euro, die jeder Erwischte zahlen muss, auch noch eine Anzeige.“ Damit muss übrigens jeder rechnen, der drei Mal erwischt wurde. HVV-weit waren es gestern insgesamt 607 Personen, die beim Schwarzfahren ertappt wurden. Eines war Freiberg aber auch wichtig: „Es ging uns nicht darum, möglichst viele Strafgebühren einzusammeln. Wir wollten mit dieser Aktion, die wir ja auch vorher angekündigt haben, vor allem um Verständnis für unsere Kontrollen werben.“

Von Ulf Stüwe

Hintergrund: Aus dem Zug in den Knast

Für die Beamten der Bundespolizei, sie sind zuständig für Kriminalität auf Bahnhlinien, ist Schwarzfahren ein Dauerthema. Die Inspektion Bremen, zu der elf Landkreise, 140 Bahnhöfe und Haltestellen sowie rund 1000 Kilometer Schiene gehören, nahm im vergangenen Jahr 2300 Strafanzeigen wegen des „Erschleichens von Leistungen“ auf.

In Bremen sagt Sprecher Holger Jureczko: „Dazu kommen etwa 400 wegen Betruges.“ Der liege zum Beispiel vor, wenn Leute sich auf den Zugtoiletten verstecken oder versuchen durch die Gänge vor den Kontrolleueren zu flüchten. Aber auch Urkundenfälschung kann als Delikt infrage kommen, wenn die „Kunden“ Tickets manipulieren. Beliebt ist es den Fahrschein mit Wachs zu beschmieren – Stempel könnten so abgewischt werden. Das Billet wird dann erneut präsentiert.

Das Strafgesetzbuch regelt das Vorgehen. Denn neben dem „erhöhten Beförderungsentgelt von 60 Euro, kann eine Geldstrafe hinzukommen, Wiederholungstätern droht gar Knast bis zu einem Jahr. Jureczko: „Davon haben wir einige, bei denen summieren sich die Anzeigen.“ Manche seinen psychisch auffällig, andere aber würden bewusst immer wieder den Fahrpreis sparen wollen. ca