Donnerstag , 22. Februar 2018
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Das hat ein bisschen was von „Baywatch“: Junge Rettungsschwimmerinnen der DLRG-Ortsgruppe Lüneburg beim Training.

Die DLRG-Ortsgruppe Lüneburg blickt auf 90 Jahre im Einsatz zurück

Lüneburg. Die Zahl der Ertrunkenen war Mitte der 1920er-Jahre so hoch, dass die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in der am Wasse r gebauten Stadt Lüneburg im Mai 1927 eine Ortsgruppe einrichtete. Doch die Arbeit begann damals eher trocken: Die Helfer beschränkten sich auf die Aufklärungsarbeit, hielten Vorträge und präsentierten Rettungsvorführungen. Das sieht heute ganz anders aus: Die Aufgaben der rund 700 Mitglieder starken Ortsgruppe reichen von Ausbildungen für Schwimmanfänger, Rettungsschwimmer und Taucher bis hin zu Einsätzen im Wasserrettungsdienst und im Katastrophenschutz. Besonders stolz ist die DLRG dabei auf ihre Jugendarbeit, allein im Jugend-Einsatz-Team JET sind 25 Kinder und Jugendliche aktiv. Seit 90 Jahren werden Leben gerettet, Grund genug für eine große Geburtstagsparty am Sonnabend, 10. Juni, auf dem Vereinsheim-Areal an der Friedrich-Ebert-Brücke.

Klaus Spiller, seit vier Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe weiß, dass in der Anfangszeit schnell klar wurde, dass Trockenübungen alleine nicht ausreichten: 1929 begannnen die Lüneburger Rettungsschwimmer mit der Ausbildung von Nichtschwimmern zu Schwimmern und von Schwimmern zu Rettungsschwimmern.“ Die Aktivitäten wurden ausgebaut, 1930 die Koopsche Badeanstalt an der Ilmenau übernommen: „Schon bald ging die Zahl der Badeunfälle im Stadtgebiet spürbar zurück, die regelmäßige Abhaltung von Kursen in Lüneburger Badeanstalten trug erste Früchte. Stadtverwaltung, Schulen und Vereine zogen mit und warben für die Teilnahme an den DLRG-Lehrgängen.“

2200 Rettungsschwimmer wurden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ausgebildet, doch ab da lag die Arbeit erst einmal brach. In den 50er-Jahren dann wurde die Ortsgruppe wieder richtig aktiv. Spiller: „Mit der Eröffnung des Hallenbades 1961 ergaben sich wesentlich bessere Möglichkeiten der Ausbildung. Die schon zu Beginn der 50er-Jahre praktizierte Jugendarbeit wurde durch den Aufbau eines Rettungswachdienstes im Landkreis ergänzt. Nach ersten Anfängen am Reihersee 1961/1962 wurde schon 1963 die erste feste Station, der hölzerne Wachturm, errichtet.“

Da die Aktivitäten immer umfangreicher wurden, brauchte die DLRG ein eigenes Quartier, das sie zunächst in der Schutzhütte am Bockelsberg fand. Nach Aufnahme des Rettungsdienstes 1963 am Barumer See und 1964 an der Elbe mussten größere Räume her – unter anderem für Boote und Geräte. Die fand man in einer alten Baracke auf dem MTV-Gelände an der Lindenstraße. Doch die Sporthalle wurde wegen Baufälligkeit abgerissen.

1967 stellte die Stadt der DLRG den Abtswasserturm für 25 Jahre zur Verfügung, in dem heute unter anderem die Märchensuite des Hotels Bergström untergebracht ist. Bezogen wurde er nach Umbauarbeiten 1970. Doch schon bald tauchten Probleme auf, Klaus Spiller weiß: „Es fehlten Parkmöglichkeiten, die Ausfahrt für Rettungsfahrzeuge wurde oft durch Fremdfahrzeuge blockiert, die Veränderungen in der Umgebung stellten den Standort in Frage. Schon 1982 begannen Gespräche mit der Stadt über Alternativen. Nach langwierigen Verhandlungen konnte von der Stadt das Gelände an der Friedrich-Ebert-Brücke auf 30 Jahre gepachtet und die Finanzierung des neuen Zentrums durch viele Eigenleistungen, Spenden, Zuschüsse und ein ABM-Projekt sichergestellt werden.“

Sportlicher Aspekt immer wichtiger

Das neue Zentrum war als Begegnungs-, Aus- und Fortbildungsstätte konzipiert. Vor allem Jugendarbeit in vielfältiger Form kann praktiziert werden. Der Vorsitzende sagt: „Da die jungen Mitglieder auch mehrheitlich unsere Einsatzkräfte repräsentieren, war es wichtig, die Voraussetzungen für die rein ehrenamtliche Tätigkeit im Wasserrettungsdienst zu verbessern. Werkstatt, Tauchgeräteraum und die Garage für die Kraftfahrzeuge und Rettungsboote sind sachgerecht konzipiert und realisiert.“ Und für die jungen Mitglieder wurde auch der sportliche Aspekt immer wichtiger: Die Athleten des Rettungssportteams Lüneburg sind bei Pool-Wettkämpfen und seit Mitte der 2000er auch bei Freigewässer-Wettkämpfen dabei.

„Für diese Aktivitäten schafft das DLRG-Zentrum an der Ebert-Brücke beste Voraussetzungen“, sagt Spiller – und natürlich für die Feier zum 90-jährigen Bestehen am Sonnabend, 10. Juni.

Von Rainer Schubert

Das Programm

Findet Nemo
11 Uhr: Empfang für Mitglieder und geladene Gäste, Anmeldungen unter info@lueneburg.dlrg.de. Herr Könnig singt Lieder der 1920er- und 1930er-Jahre. Es gibt eine Fotoausstellung und eine Geräteschau.
15-17 Uhr: Kinderfest unter dem Motto „Findet Nemo!“ mit Spielstationen als Schnitzeljagd, Hüpfburg, Malen, Basteln und Knoten sowie einer Kinderdisco.
18 Uhr: Start des Sommerfestes mit fröhlichem Beisammensein, einem Foodtruck und Getränken. Hintergrund

Tragödie führte zur Gründung

28. Juli 1912: Tausende Tagesgäste waren zum Pferderennen in den Kurort Binz auf Rügen geströmt. Als es auf der Seebrücke zu voll wurde, stürzte sie ein. 17 Menschen ertranken in der Ostsee. Letztlich hat diese opferreiche Tragödie allerdings viele Menschenleben geschützt. Denn sie war Anstoß für die Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft am 19. Oktober 1913. Bereits einige Jahre zuvor hatten sich einige Aktive des Deutschen Schwimm-Verbandes mit der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung befasst, da die Zahl von Ertrunkenen (jährlich etwa 6000 bis 8000 Menschen) dramatisch hoch war. Jedoch trat dieser Tätigkeitsbereich angesichts des immer stärker werdenen Strebens nach sportlicher Leistung in den Hintergrund. Das Unglück von Binz bewirkte dann jedoch die Gründung einer eigenständigen Organisation, der DLRG.

One comment

  1. Es war ein rundum gelungenes Jubiläum