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Mirjam Anschütz ist mit Felix auf Tour durch Norddeutschland, um über Pferdearbeit zu informieren.

Pferdearbeit zum Anfassen in der Loewe-Stiftung

üneburg. Gemählich trottet der rheinisch-deutsche Kaltblüter Felix übers Feld, zieht eine Kassine hinter sich her. Das Arbeitsgerät zieht Furchen und wirft in der Mitte einen Damm auf. Während Mirjam Anschütz das Pferd führt, lenkt Alex Ostwald den Pflug, damit dieser nicht aus der Spur läuft. „Für welche Gemüsearten ist der Wall eigentlich geeignet?“, möchte Ostwald von Mirjam Anschütz wissen. „Du kannst alles darauf setzen“, erklärt sie.

Alex Ostwald ist einer von 13 Mitarbeitern der Bio-Landwirtschaft der Loewe-Stiftung in Ochtmissen. Im Rahmen des beruflichen Qualifizierungs-Projektes „Mach mit – Lebendige Landwirtschaft“ erfahren sie hautnah und praktisch, welche Alternative es zur maschinellen Arbeitsweise gibt. Expertin für moderne Pferdearbeit ist Mirjam Anschütz, die in Witzenhausen Ökologische Agrarwirtschaft studiert hat. Dort kam sie zum ersten Mal mit Pferdearbeit in Berührung, erweiterte ihr Wissen in einer Fuhrhalterei in Poppau, ihrem Heimatort. Seither trainierte und arbeitete sie mit Felix, „der mittlerweile ein gutes Arbeitspferd geworden ist“.

Im vergangenen Jahr brach sie mit Felix, Kutsche und Pferdegeräten von Poppau Richtung Polen auf, um in Betrieben zu zeigen, wie Pferdearbeit in einer ökologischen, tier- und menschenfreundlichen Landwirtschaft eingesetzt werden kann und wie Anbauteile für verschiedene Arbeiten mit der Kassine funktionieren. Da das Interesse groß war, startete sie Mitte Mai dieses Jahres erneut. Diesmal geht die Tour durch Norddeutschland. Angesteuert werden unter anderem Bio-Betriebe, Betriebe mit solidarischer Landwirtschaft und solche, in denen Menschen mit Behinderung in die Landwirtschaft integriert werden.

Seit 30 Jahren Mitglied im Bioland-Verband

Die Idee, das Projekt nach Ochtmissen zu holen, hatte Katja Frielinghaus, verantwortlich für den Anbau von Bio-Gemüse auf der 5,7 Hektar großen Ackerfläche der Loewe-Stiftung. In einer Pferdefachzeitschrift hatte sie darüber gelesen, mit Katja Puhlmann, Geschäftsführerin der Loewe-Stiftung, war sie sich einig: Das passt gut zur Fortbildung unserer Werkstattmitarbeiter und bietet praktische Erfahrungen in Sachen alternative Arbeitsweisen. „Die Loewe-Stiftung ist seit 30 Jahren Mitglied im Bioland-Verband. Wir bauen Kartoffeln und Gemüse wie Wurzeln, Sellerie, Fenchel, Mangold an“, berichtet Katja Puhlmann.

Die Werkstattmitarbeiter sind für Aussaat, Pflege, Ernte und Bereitstellung der Ware zuständig, die im Hofladen sowie in Bio-Läden in der Stadt verkauft oder in der Küche der Einrichtung verarbeitet wird. Während der Absatz vor zehn Jahren eher mäßig war, nimmt er inzwischen stetig zu. „Auch viele kleine Lebensmittelgeschäfte wenden sich an uns, weil wir Bio- und regionale Produkte anbieten.“ Nachhaltige Landwirtschaft bedeute aber auch, sich zum Beispiel über die Arbeit mit Zugpferden zu informieren.

Alex Ostwald war von der Arbeit mit Felix so begeistert, dass er schmunzelnd prompt vorschlug: „Das Pferd bleibt hier.“ Doch Felix und seine Halterin zieht es weiter. Nach einer Verschnaufpause geht es nach Rotenburg/Wümme.

Von Antje Schäfer