Donnerstag , 22. Februar 2018
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Was tun, wenn jemand mit aller Macht den Platz für einen Kumpel frei halten will - das und vieles mehr brachte Maik Peyko (l.) in dieser Woche unter anderem Johannes Kenter (M.) und Matthes Czerlinski bei. Foto: be

Bardowick: Buslotsen lösen Konflikte

Bardowick. Acht anstrengende Schulstunden sind vorbei, es ist heiß und schwül, es wird knapp, um rechtzeitig zum Fußballtraining zu kommen. Es gibt viele Gründe , warum es nach Schulschluss an der Bushaltestelle und auch später auf der Heimfahrt im Bus einmal hektisch werden kann. Um Konflikte rund um den Schulbus in den Griff zu bekommen, hat der Landkreis Lüneburg 2012 das „Buslotsenprojekt“ ins Leben gerufen. Mehr als 1000 Schüler sind bisher ausgebildet – seit dieser Woche ist auch die Hugo-Friedrich-Hartmann-Oberschule in Bardowick dabei.

Diplom-Sozialpädagoge Maik Peyko leitet von Anfang an die Ausbildung der Mädchen und Jungen – am Donnerstag und gestern hat er die künftigen Buslotsen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Wie Stress und Streit überhaupt entstehen, hat er den 22 Mädchen und Jungen aus den 8. und 9. Klassen der Bardowicker Oberschule zunächst erklärt.
Und, wie man dem begegnen kann. „Mit fester Stimme und Freundlichkeit und indem man sich nicht provozieren lässt.“ Zum Abschluss gab es einen „Baukasten“ mit Handlungsansätzen: Was tun, wenn jemand schubst und drängelt in der Schlange vor dem Bus? Wie reagieren, wenn jemand, obwohl der Bus voll ist, unbedingt den Platz für einen Kumpel frei halten will? Nach den Sommerferien gibt es einen dritten Ausbildungsteil, dann informiert die Polizei zum Thema Verkehr.

Mitschüler ansprechen, die sich beim Warten auf den Bus danebenbenehmen, oder auch während der Fahrt im Bus, das gehört zu den Aufgaben der Buslotsen. Wichtig dabei: Abstand halten, sich nicht selbst in Gefahr begeben. Maik Peyko ist überzeugt: „Das gibt auch einen Riesenschub in der Sozialkompetenz der Jugendlichen.“
Zu denen, die in dieser Woche ausgebildet wurden, zählen Ricarda Horrey, May-Britt Augustin und Matthes Czerlinski aus der Klasse 9/3. „Auch, wie man den Busfahrer anspricht, wenn es mal ein Problem gibt, haben wir gelernt“, erzählen sie. Und: „Was wir tun müssen, wenn es im Bus voll ist und stressig wird.“

Darüber, dass auch ihre Schule jetzt beim Buslotsenprojekt dabei ist, freute sich auch Schulleiterin Christiane Bewig. „Wir haben schon andere Projekte an unserer Schule – wie Schüler helfen Schülern oder den Schulsanitätsdienst.“ Auch sie ist überzeugt: Die Teilnahme am Buslotsenprojekt, die Übernahme von Verantwortung, steigert die soziale Kompetenz.
Lehrer Andreas Brunke, der das Buslotsenprojekt schon von der Realschule Embsen kennt, hat es jetzt auch nach Bardowick gebracht und dort koordiniert: „Eine Win-Win-Situation für alle. Und für die teilnehmenden Schüler gibt es auch noch einen positiven Vermerk im Zeugnis.“

Nils Radtke ist stellvertretender Betriebsleiter der KVG – die Verkehrsgesellschaft unterstützt das Projekt seit Anfang an. „Durch die Buslotsen entspannt sich die Situation im Fahrzeug. Und je geordneter es im Bus zugeht, desto weniger besteht die Gefahr, dass unsere Fahrer abgelenkt werden.“ Für den Praxisteil der Ausbildung stellte die KVG gestern einen Bus zur Verfügung.

Von Ingo Petersen