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Sie haben bei dem bundesweiten Geschichtswettbewerb mit Facharbeiten über die Geschichte von St. Johannis Förderpreise ergattert: (v.l.) Lukas Langer, Kilian Dornheim, Luise Rostin und Finn Lieske.
Sie haben bei dem bundesweiten Geschichtswettbewerb mit Facharbeiten über die Geschichte von St. Johannis Förderpreise ergattert: (v.l.) Lukas Langer, Kilian Dornheim, Luise Rostin und Finn Lieske.

Die Geschichte von St. Johannis

Lüneburg. Mit ihren Facharbeiten über die Lüneburger St. Johanniskirche haben vier Schüler des Gymnasiums Oedeme die Jury überzeugt. Beim bund esweiten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wurden sie mit zwei Förderpreisen belohnt. Am 10. August fahren Luise Rostin (16), Lukas Langer (19), Finn Lieske (17) und Kilian Dornheim (17) gemeinsam mit ihrem Lehrer Dr. Tilo Altenburg nach Hannover, um im Landtag ihren Preis entgegenzunehmen.

In ganz Deutschland haben mehr als 5000 Schüler zum Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ geforscht. Aus Oedeme haben insgesamt elf Schüler ihre Arbeiten bei dem bundesweit größten historischen Forschungswettbewerb für junge Menschen eingereicht. Er wird alle zwei Jahre zu wechselnden Themen ausgeschrieben. Die Körber-Stiftung, die diesen Wettbewerb jetzt zum 25. Mal veranstaltet hat, möchte so bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte wecken, Selbstständigkeit fördern und Verantwortungsbewusstsein stärken.

Für ihre Arbeiten haben die Lüneburger Elftklässler mit dem Stadtarchiv zusammengearbeitet. Tilo Altenburg leitet das Seminarfach, in dem die Schüler lernen sollen, wie an einer Uni zu arbeiten. „Ziel des Wettbewerbs war es, ein regionales Thema zu bearbeiten und wie Historiker direkt an den Quellen zu arbeiten.“ Sechs Wochen hatten seine Schützlinge zum Schreiben Zeit, davor durften sie aber schon jede Menge Bücher wälzen.

Luise und Lukas haben sich mit einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 1451 auseinandergesetzt, diese übersetzt und anschließend analysiert. Bei dem Schriftstück handelt es sich um einen Ablassbrief, den der bekannte Gelehrte Johannes von Kues der St. Johanniskirche ausgestellt hatte. „Uns hat vor allem motiviert, dass diese Urkunde von der protestantischen Geschichtsschreibung nie wirklich bearbeitet wurde“, erzählt Lukas.

Streit zwischen Stadt und Kirchengemeinde

Ihre Klassenkameraden haben sich mit einem Konflikt von 1951 beschäftigt. Dabei ging es um das Patronat der St. Johanniskirche. Finn verdeutlicht: „Ein Pastor hat damals inoffiziell eine Pfarrerstelle belegt und mit der Gemeinde ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Dann wurde er seines Amtes enthoben, weil ein anderer aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist.“ Das habe einen großen Streit zwischen Stadt und Kirchengemeinde verursacht, dieser sei auch öffentlich in der Landeszeitung ausgetragen worden, sagt der Schüler. Deshalb habe man sich vor allem auch in Leserbriefen informiert.

Pädagoge Altenburg ergänzt, dass die Stadt bis heute noch das Recht habe, einen Pastor einzusetzen. „In anderen Städten obliegt das den Kirchen.“ Er spricht aber auch Lob aus: „Der Stadtrat stimmt sich aber seit dem Streit in den Fünfzigern eng mit der Kirche ab.“

Von Anna Paarmann