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Lina Wett übt den richtigen Wurf - und freut sich auf ihr erstes Turnier am Wochenende.

Ultimate: Und die Welt ist doch eine Scheibe

Lüneburg. „Näher ran“, fordert Florian Schnee seine Schützlinge auf, „du musst seine Wurfwege abblocken!“ Doch die jungen Frauen und Männer beim Anfängertrainin g der Lüneburg Farmers halten lieber ein bisschen Sicherheitsabstand, wenn der Kontrahent das Frisbee wirft. Mit skeptischem Blick schaut die ehemalige WM-Teilnehmerin Bettina Körner dem Treiben auf dem Heidkamp zu: „Die Neuen sollten mehr Defense üben. Ansonsten müssen wir bei den Fortgeschrittenen immer bei Null anfangen.“ Es geht schon konzentriert zu bei der Übungseinheit, zumal viele am Wochenende ihr allererstes Ultimate-Turnier spielen werden – den Farmville Cup am Sonnabend und Sonntag auf dem VfL-Platz Am Grasweg.

„Ich habe gehört, dass es da ziemlich crazy ist und dass alle voll abgehen“, sagt Lina Wett, eine der Debütantinnen. Die Studentin ist über Luca Fröhlich, den anderen Coach der Truppe, zu Ultimate gekommen – erst bei einem Praktikum in Tansania, seit April an der Leuphana. Sie spielt sonst Beachvolleyball, findet den Sport mit dem Frisbee aus mehreren Gründen faszinierend: „Männer und Frauen können zusammenspielen, und es geht nicht so krass körperlich zur Sache.“

Studierende sind klar in der Überzahl am Heidkamp, zumal die Farmers ihre Wurzeln im Uni-Sport haben. „Aber wir wollten auch gern bei offiziellen Frisbee-Turnieren des Verbands mitspielen“, erläutert Nikolas Lührs, einer der alten Kämpfen der Farmers. Also schlüpften die Bauern zunächst beim VfL Lüneburg unter, streben nun aber einen eigenen Verein an.

„In einer Uni-Stadt gehen viele schnell wieder“, weiß Lührs, „aber Frisbee ist schwer im Kommen. 30 bis 40 Leute sind regelmäßig dabei.“ Rund die Hälfte von ihnen trainiert die Grundzüge des Sports auf dem ehemaligen Hockey-Platz – das schnelle Hakenschlagen etwa, um Verteidiger abzuschütteln, das richtige Werfen und Fangen oder Techniken für die Defensive.

Wer einem Angreifer gegenübersteht, darf diesen anzählen: „Eins, zwei…“ Spätestens bei „Zehn“ muss der die Scheibe geworfen haben, doch die allermeisten Verteidiger kommen kaum bis zur Drei.

Florian Schnee und Luca Fröhlich ziehen bei allem Spaß ein durchaus strukturiertes Training auf. Aufwärmen, Stabi-Übungen und kleine Spielformen in zwei Gruppen stehen auf dem Programm, ehe sich die Farmers zum Spiel aufstellen können. Gelacht wird aber schon vorher immer wieder, eine entspannte Stimmung ist angesagt. Lina Wett formuliert es so: „Frisbee ist einfach cool. Und du brauchst nur eine Scheibe für zehn Euro, um es überall spielen zu können.“

Von Andreas Safft

Turnier und Probetraining beim VfL

Die wichtigste Regel ist Fair Play

Sieben gegen sieben heißt es beim Ultimate. Ziel des Spiels ist, die Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen – dafür gibt es einen Punkt. Die angreifende Mannschaft darf sich das Frisbee so lange innerhalb des Spielfelds zupassen, solange die Scheibe nicht zu Boden fällt oder von den Verteidigern abgefangen wird.

Oberstes Gebot sind Fair Play und Respekt vor dem Gegner. Körperkontakt ist verboten. Es wird grundsätzlich ohne Schiedsrichter gespielt – so auch beim Farmville Cup, der am Sonnabend ab 9 Uhr und am Sonntag ab 9.30 Uhr beim VfL Am Grasweg mit 24 Teams steigt. Ein Probetraining findet am Freitag an gleicher Stelle ab 16 Uhr statt.