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Der Tiergartenkamp ist bei Spaziergängern und Radfahrern beliebt. Der Wunsch nach einer Bebauung scheiterte schon mal.

Tiergartenkamp als Baugebiet?

Lüneburg. Der Tiergartenkamp im Osten der Stadt, hart an der Grenze zum Waldfriedhof, ist plötzlich wieder Thema als Bauland. Dagegen hatten vor Jahren erfolgre ich eine Bürgerinitiative und die Grünen protestiert. Am Ende wurde das Gebiet unter Landschaftsschutz gestellt. Der Grundstückseigentümer ist nun an den Bauausschussvorsitzenden Niels Webersinn (CDU) herangetreten mit dem Wunsch, dort Bauland entstehen zu lassen. Webersinn trug das Thema in die Jamaika-Gruppe, deren Sprecher er ist. Mit den Grünen ist das Areal nach wie vor nicht verhandelbar, macht deren Fraktionschef Ulrich Blanck deutlich. Gleichzeitig pocht die Gruppe darauf, dass ein Stadtentwicklungskonzept von der Verwaltung auf den Weg gebracht wird. Für Oberbürgermeister Ulrich Mädge ist das ein „Hochglanzpapier fürs Regal“.

Jamaika mahnt Konzept für Stadtentwicklung an

Laut Webersinn ist der Landwirt Heinrich Lübbecke mit seinem juristischen Beistand auf ihn zugekommen, um die Flächen des Tiergartenkamps erneut zur Baulandentwicklung anzubieten. Verbunden sei für ihn damit gewesen, dass dann der Grundstückseigentümer „auch etwas Gutes für die Stadt“ tue. Der solle dann im Gegenzug Flächen, die ihm am Bilmer Berg gehören, zu einem landwirtschaftlichen Preis von rund drei Euro pro Quadratmeter zur Verfügung stellen, damit dort der LSK und die an der Lüner Rennbahn geplante Arena angesiedelt werden könnten.

Entsprechende Gespräche bestätigt Lübbeckes Rechtsanwalt Hendrik A. Könemann: „Mein Mandant bietet im Südosten der Stadt Flächen als Bauland an.“ Die Flächen des Tiergartenkamps. Dass die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind, sei laut Könemann kein Grund, nicht dennoch darüber zu sprechen. Letztlich müssten Sachargumente und nicht Emotionen den Ausschlag geben. „Es kann auch nicht sein, dass die Stadtentwicklung immer am Südosten der Stadt vorbeigeht.“

Niels Webersinn und Ulrich Blanck äußern sich dazu auch im LZplay-Interview:

Und dann kommt noch die Arena ins Spiel. Parallel sucht Könemann das Gespräch mit dem Landkreis. Hier bietet er, sollte es nicht zur Einigung mit der Stadt kommen, Flächen im Gebiet „Bilmer Berg II“ für den Bau der vom Kreis geplanten Arena Lüneburger Land für einen Quadratmeterpreis von 70 Euro an – statt 2,88 Euro wie im Angebot für die Stadt. „Diese Lokalität dürfte zum Bau von Sportstätten besser geeignet sein als die teureren, bislang angedachten Flächen gegenüber dem Mediamarkt.“ Doch auf LZ-Anfrage bestätigte jetzt der Landkreis, dass der Kauf dieser Fläche inzwischen „notariell abgeschlossen“ sei. Montag tagt zudem der Kreistag zur Arena.

Kein Zurückrudern gibt es laut Blanck in Sachen Tiergartenkamp: Im November 2009 hatten die Mitglieder des Grünflächenausschusses mehrheitlich gegen zwei Stimmen der CDU für einen Antrag der Grünen gestimmt, das Areal unter Schutz zu stellen. Monate zuvor sah es noch so aus, als könnte das Gebiet Bauland werden, die damalige SPD/CDU-Gruppe hatte das im Rahmen eines Antrags gefordert. Die Bürgerinitiative Tiergartenkamp hatte dagegen massiv und erfolgreich Front gemacht – flankiert von Grünen, FDP und Linken. Die Idee einer möglichen Ansiedlung des LSK und der Arena am Bilmer Berg sagt aber auch Blanck zu.

Darüber hinaus sei man sich in der Gruppe einig, dass es weitere Flächen für den Wohnungsbau brauche, sagen Webersinn und Blanck. Dringend benötigt werde dabei besonders günstiger Wohnraum, das von der Stadt auf den Weg gebrachte Wohnungsbauprogramm würde da nicht reichen. Doch wie und wo und ob überhaupt Lüneburg noch weiter wachsen solle, das könne man nur entscheiden auf Basis eines von der Gruppe nachdrücklich geforderten Stadtentwicklungskonzeptes. Solange es dieses nicht gebe, lägen auch die Pläne von Lübbecke auf Eis, sagt Webersinn. Er kritisiert, dass Oberbürgermeister Mädge das Konzept in Frage stelle.

Mädge warnt vor Koppelgeschäft

Der Verwaltungschef kontert: „Wir haben Bebauungs- und Rahmenpläne, der Flächennutzungsplan wird fortgeschrieben, und es gibt eine Wohnungsbedarfs-analyse, all das ist Grundlage für das Wohnungsbauprogramm bis 2021. Ich sehe nicht, warum wir ein Stadtentwicklungskonzept brauchen, das rund 600.000 Euro kostet, zwei zusätzliche Mitarbeiter bedeutet und in drei Jahren veraltet im Regal steht.“

Mädge warnt auch vor einem Koppelgeschäft bezüglich Tiergartenkamp und Bilmer Berg. Der Beschluss für den Tiergartenkamp als Schutzgebiet sei bindend „und ist im Raumordnungsprogramm festgesetzt“. Um das wieder zu ändern, bedürfte es politischer Mehrheiten in Rat und Kreistag. Gleichzeitig begrüße er, dass es seitens Lübbeckes jetzt nach vielen Jahren Verhandlungsbereitschaft für einen Teilverkauf für mögliche Gewerbeflächen am Bilmer Berg gebe. Die Flächen könnten aber, selbst wenn man wollte, zurzeit gar nicht entwickelt werden, erst müsse die A39 rechtskräftig beplant sein. „Und es gibt keinen Bebauungsplan und keinerlei Erschließung.“ Im Fazit bedeute das, dass es dort erst 2020 Planrecht zum Beispiel für eine LSK-Sportanlage geben könne.

Von Antje Schäfer und Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. Laut Webersinn ist der Landwirt Heinrich Lübbecke mit seinem juristischen Beistand auf ihn zugekommen, um die Flächen des Tiergartenkamps erneut zur Baulandentwicklung anzubieten.
    mein lieber niels, lasse dich nicht einwickeln. der landtag ruft dich nicht, aber die menschen hier vor ort.

  2. Was ich mich Frage … Was würde passieren wenn man (Lüneburg) nicht ständig neue Baugebiete eröffnet ? Sondern mal sagt „OK… Jetzt ist genug.“ Die (Miet-)Preise würden steigen ? Tun sie das jetzt nicht auch ?! Die Kosten trägt doch am Ende die Allgemeinheit. Mehr Straßen, Höhere Instandhaltungskosten, mehr Infrastruktur, mehr Schulen, etc. Und das ganze kann ja jetzt schon nicht mehr finanziert werden. Oder liege ich mit der Frage daneben !?