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Prinzessin Anne unterhielt sich gut gelaunt mit dem neuen Parcourschef Mike Etherington-Smith über die Geländestrecke.

Prinzessin Anne in Luhmühlen

Luhmühlen. Ein großer SUV nähert sich dem Haupteingang. Gut 30 Journalisten zücken alles, was sie haben, um Bericht zu erstatten: Kameras, Fotoapparate, Handys, ja sogar Block und Stift. Das ist sie, das muss sie sein. Doch dann steigt ein französischer Reiter aus, der sich einfach nur mit dem Shuttle zum Turnierplatz hat fahren lassen. Sein verdutzter Blick verrät, dass er wohl noch nie so viel Presse auf einmal gesehen hat. Und vielleicht fragt er sich sogar für einen Moment, ob die alle wegen ihm hier sind.

Nein, sind sie nicht. Sie warten auf die Prinzessin. Und als dann ein Offizieller laut vermeldet: „Die Feuerwehr am Eingang meldet, sie kommt“, weicht der kurzzeitige Spannungsabfall bei der Journaille sofort wieder höchster Konzentration. Um 13.08 Uhr fährt Prinzessin Anne mit einer kleinen Wagenkolonne vor und wird unter dem stakkatohaften Klicken der Fotoapparate von Michael Spethmann, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Turniergesellschaft Luhmühlen, und deren Geschäftsführerin Julia Otto begrüßt.

Schirmherrin des Turniers

Vor 30 Jahren war die Tochter der englischen Königin Elisabeth II. und Prinz Philip zuletzt in Luhmühlen, damals in ihrer Eigenschaft als Präsidentin des Weltreiterverbandes FEI. Diesmal gibt sie sich als Schirmherrin des Turniers die Ehre und adelt damit das Jubiläumsturnier unter dem Motto „60 Jahre große Vielseitigkeit“ in Luhmühlen. Prinzessin Anne kommt als royaler Ehrengast, aber sie kommt auch als Expertin. 1971 war sie Einzel-Europameisterin in der Military, wie der pferdesportliche Dreikampf damals noch hieß, 1975 wurde sie just in Luhmühlen zweifache Vize-Europameisterin.

Sie ist also eine ebenso interessierte wie kompetente Gesprächspartnerin, als ihr der neue Parcourschef Mike Etherington-Smith und Julia Otto einige markante Punkte der Geländestrecke zeigen. Darunter der Meßmer-Teich, der zu aktiven Zeiten von Prinzessin Anne noch Europa-Teich hieß, und seit Jahrzehnten das Kernstück der Luhmühlener Cross-Country-Kurse geblieben ist. „Sie hat sich sofort daran erinnert, wie es früher war und mit uns die Veränderungen diskutiert. Das zeigt, wie sehr sie diesem Sport weiterhin verbunden ist“, sagt Julia Otto später.

Es ist heiß an diesem Tag auf der Westergellerser Heide, und pflichtschuldigst öffnet man der Prinzessin nach der Hindernisbesichtigung sofort die Tür zum klimatisierten Auto. Doch die schlägt das Angebot aus und setzt ihren Weg zum VIP-Zelt durch die Ladenstraße zu Fuß fort. Plötzich hält sie inne, macht einen Schwenk in das Zelt von „Horse & Rider“ und plauscht mit Inhaberin Linda Heising. Ein spontaner, außerplanmäßiger Stopp – ein Horror für jeden Personenschützer und auch für diejenigen, die dafür zuständig sind, die Presse auf Distanz zu halten.

Bedingungen wurden kontinuierlich verbessert

Schließlich erreicht der Tross das VIP-Zelt zum Empfang für geladene Gäste. Draußen drücken sich die Journalisten an der Zeltplane fast die Nasen platt, um noch etwas zu erhaschen. „Es ist eine wahre Freude, wieder hier zu sein. Es hat sich einiges verändert in den letzten Jahren – hier in Luhmühlen und allgemein im Sport. Luhmühlen hat in den letzten sechzig Jahren so viel Beständigkeit gezeigt, in der Organisation, der Gestaltung und in der Gastfreundlichkeit, dass ich mir sicher bin, dass sich Reiter auch in der Zukunft darum bemühen werden in Luhmühlen starten zu dürfen. Die Bedingungen wurden kontinuierlich verbessert, und über die letzten sechzig Jahre sind so viele Sportler in Luhmühlen über sich hinausgewachsen. Ich freue mich sehr hier zu sein und mit Ihnen dieses schöne Jubiläum zu feiern. Gleichzeitig hoffe ich, dass die gesamte Veranstaltung ein großes Fest wird“, sagt die Prinzessin offiziell.

Die Professionalisierung des Vielseitigkeitssports sieht sie aus zwei Blickwinkeln: „Gut ist, dass der Sport viel populärer geworden ist. Schwierig ist aber, dass durch das ständig erhöhte Niveau ihn längst nicht mehr jeder betreiben kann.“

Ehrlich, freundlich, nicht gezwungen

Ob die vier- und fünfjährigen Kinder, die danach beim Geländeführzügel-Wettbewerb reiten, einmal höchstes Level erreichen, steht in den Sternen. Aber der königliche Gast hat auf der Tribüne größtes Vergnügen mit den Darbietungen der Jüngsten und führt die Siegerehrung durch. Es wirkt ehrlich, freundlich, nicht gezwungen. Die beiden Doppel-Olympiasieger Michael Jung und Hinrich Romeike hatten unterstützt von ARD-Moderatorin Judith Rakers als Jury für den Rahmenwettbewerb fungiert.

Nach etwa zweieinhalb Stunden streben die Prinzessin und ihr Gefolge dem Ausgang zu. Kurz nachdem sich der Ehrengast verabschiedet hat, sitzt Julia Otto in der Lounge des Multifunktionsgebäudes. Sie ist geschafft, im Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Stolz, Freude und Erleichterung. „Ich glaube, sie ist sehr schnell in der Atmosphäre bei uns angekommen und hat sich hier sehr wohl gefühlt. Für uns war es eine ganz große Ehre, dass sie hier war.“ Ein Tag, an den man sich in Luhmühlen noch lange erinnern wird.

Von Matthias Sobottka