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Im Oktober hatte Dr. Akbar Nassery noch gut lachen. Doch jetzt wurde ihm die Leitung des Bauamtes entzogen, weil er „nicht die Erwartungen erfülle“, lautet die Begründung des Landkreises. Foto: A/dth

Bauamtschef des Landkreises wird Leitung entzogen

Lüneburg. Der Fachdienst Bauen bleibt eine personelle Dauerbaustelle des Landkreises Lüneburg. Dabei hatte die Verwaltungsspitze mit der Einstellung von Dr. Akb ar Nassery im Oktober 2016 gehofft, das Image als „Bauverzögerungs“ oder – schlimmer noch – als „Bauverhinderungsbehörde“ endlich loszuwerden. Doch jetzt, nach nur acht Monaten, ist die Stelle des Leiters erneut vakant. Nassery ist nicht mehr Chef der Abteilung.

Auf LZ-Nachfrage heißt es aus dem Kreishaus: „Dr. Akbar Nassery hat als Fachdienstleiter Bauen leider nicht die Erwartungen erfüllt, die wir in ihn gesetzt haben. Die Verwaltungsleitung hat ihm deshalb die Funktion der Leitung entzogen und ihm eine neue amtsangemessene Aufgabe im Fachdienst Bauen zugewiesen. Da Dr. Nassery gerichtlich gegen diese Entscheidung vorgeht, können wir keine weiteren Angaben machen. Die Leitung des Fachdienstes Bauen wurde vorübergehend Kreisrätin Sigrid Vossers übertragen.“

Soweit die offizielle Stellungnahme der Verwaltungsspitze. Nassery möchte sich nicht äußern, verweist an seinen Rechtsbeistand, den Lüneburger Anwalt Sebastian Jäkel. Der sagt: „Ich kann den Vorwurf der Schlechtleistung nicht nachvollziehen, zumal meinem Mandanten bei seiner Einstellung noch konkret eine Beförderung innerhalb der Besoldungsstufe in Aussicht gestellt worden war, die nun aber nicht eingehalten wurde. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es um emotionale Befindlichkeiten geht.“
Der Anwalt bedauert, dass dieses Problem „offenbar nicht anders zu lösen“ ist, als mit dem Gang vor Gericht. „Wir haben im Vorfeld auch das Gespräch mit Frau Vossers gesucht. Das ist leider ergebnislos verlaufen.“

Gesprächiger als die Kreisspitze und Nassery zeigen sich einige Kreistagspolitiker. „Die Einstellung von Herrn Nassery ist an der Politik vorbei erfolgt“, moniert ein Kommunalpolitiker im Gespräch mit der LZ und fährt fort: „Dazu muss man wissen, dass sich Herr Dr. Nassery zuerst als Nachfolger von Kreisrätin Monika Scherf beworben hatte.“ Hier kam der 38-Jährige nicht zum Zug. Der Kreistag entschied sich für Sigrid Vossers – die jetzige Vorgesetzte von Nassery. Damit war die Akte Nassery eigentlich geschlossen, stattdessen aber wurde ihm die Stelle des Fachdienstleiters Bauen angeboten. „Der Kreisausschuss wurde über diese Personalie nur informiert. Eine Vorstellungs- und Fragerunde hat nicht mehr stattgefunden – mit dem Hinweis darauf, dass Person und Lebenslauf doch schon bekannt seien“, erinnert sich ein Politiker aus dem Kreistag.

Diese schnelle Entscheidung ist insofern ungewöhnlich, da andere leitende Kräfte bei ihren Bewerbungen durchaus den Gang durch die Gremien antreten mussten, obwohl auch sie zum Zeitpunkt ihrer Vorstellung keine Unbekannten waren. Zum Beispiel Jens-Michael Seegers, der jetzige Leiter des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau- und Unterhaltung.
Zu seinem Amtsantritt im Oktober vergangenen Jahres hatte Nassery in einem LZ-Interview betont, dass im Bauamt des Landkreises eine neue Struktur notwendig sei, „damit unsere Arbeit den Kommunen und den Bürgern zugute kommen kann“, sagte der Hochbau-Ingenieur damals wörtlich.
In der Tat soll Nassery den Fachdienst Bauen des Landkreises „massiv umgestellt“ haben, berichten Insider. Mit der Folge, dass viele Mitarbeiter nur noch schwer erreichbar seien. „Das kommt draußen nicht gut an“, beschwert sich ein Kreispolitiker gegenüber der LZ.

Eher für Unmut denn für Erleichterung sorgte der neue Kurs im Bauamt auch in den Fachabteilungen einiger Rathäuser im Kreis. Nassery habe für alles, „aber auch wirklich alles“ zuallererst Bebauungspläne verlangt, selbst für angedachte Lückenbebauungen. „Das Aufstellen solcher Pläne aber kostet sehr viel Geld und dauert“, gibt ein Samtgemeindebürgermeister aus dem Kreis zu bedenken. Ob die Entscheidung der Kreisspitze, den Amtsleiter abzusetzen, letztlich rechtens war, muss nun das Gericht entscheiden.

Von Klaus Reschke

2 Kommentare

  1. Sehr mutig vom Landkreis die Entscheidung den Bauamtsleiter zu entmachten. Wenn jemand dafür nicht geeignet ist, dann muss er Platz machen. Behörden sind für die Bürger da und nicht andersherum.

    • Behörden sind für die Bürger da und nicht andersherum.
      ob sich das bei den behörden noch mal rumspricht?