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Die Bauarbeiten für die Erweiterung des Residenz-Hotels am Munstermannskamp laufen bereits. (Foto: us)

Residenz-Hotel Lüneburg: Streit unter Nachbarn

Lüneburg. 28 Zimmer hat das Residenz-Hotel am Munstermannskamp, 44 sollen es werden. Die Arbeiten für den geplanten Anbau sind in vollem Gange, doch gegen das P rojekt regt sich Widerstand. Nachbarn stören sich an der Größe des neuen Objekts und befürchten zunehmende Lärmbelästigung. Weil aus ihrer Sicht die erteilte Baugenehmigung der Stadt nicht zulässig ist, klagten zwei Parteien vor dem Verwaltungsgericht. Jetzt wurde die Klage abgewiesen. Ob damit die Hürden genommen sind, ist noch nicht ausgemacht.

Sind die Klagen zulässig?

„Wir müssen die Begründung abwarten, erst dann können wir entscheiden, ob wir Berufung einlegen werden“, sagte Rechtsanwalt Dr. Rudolf Kiesewetter als Vertreter der Kläger nach Bekanntgabe des Urteils. Auch sei dann erst erkennbar, ob die Klage unzulässig oder unbegründet gewesen sei, sagte der Anwalt.

Denn bereits zu Beginn der Verhandlung wurde deutlich, dass das Gericht auch über die Frage zu entscheiden hatte, ob die von den Wohneigentümer-Gemeinschaften der beiden Nachbargrundstücke Munstermannskamp 8 sowie 8a und 8b eingereichten Klagen überhaupt zulässig gewesen sind. „Wie sollen Fragen der Verschattung etwa und des Lärms in einem einheitlichen Verfahren geklärt werden?“, fasste der Vorsitzende Richter Horst-Dieter Müller das Problem zusammen. Laut Anwalt Dr. Ernst Ludwig Nell als Vertreter der beigeladenen Hotel Drege GmbH, der Betreiberin der Herberge, sei das nicht möglich, die Rechte stünden gemäß eines höchstrichterlichen Urteils jeweils nur den einzelnen Wohneigentümern zu. Sie hätten also einzeln Klage einreichen müssen.

Genehmigung des Projekts steht in Frage

Neben der formalen Bewertung ging es im Wesentlichen aber um die Frage, ob das Projekt überhaupt hätte genehmigt werden dürfen. Dieses sieht die Errichtung eines Anbaus mit 16 Zimmern vor. Doch anders als ursprünglich geplant soll der mehrgeschossige Anbau nicht mehr nördlich an das bestehende Gebäude unter Einbeziehung der Böschung an der angrenzenden Bahnstrecke angedockt werden (LZ berichtete) – ein entsprechender Bauantrag war von der Stadt abgelehnt worden –, sondern südlich davon in Richtung Munstermannskamp. Zugleich war per Baugenehmigung festgelegt worden, dass die von den vorhandenen zwölf Stellplätzen ausgehenden Lärmemissionen durch geeignete Maßnahmen einzuschränken sind.

Das aber sah die Gegenseite als nicht erfüllt an. Sie argumentierte, dass die zusätzlichen nächtlichen Lärmspitzenwerte zum Beispiel durch zuschlagende Autotüren um 2 dBA überschritten würden, was den Widerspruch des Leiters des Rechts­amts der beklagten Stadt Lüneburg, Wolfgang Sorger, hervorrief. Er berief sich dabei auf ein vom Bauherrn vorgelegtes Gutachten, das die Einhaltung der zulässigen Grenzwerte bestätige. Überdies sei die Argumentation auch deshalb nicht stichhaltig, weil die bestehenden Stellplätze anders als die künftigen nicht lärmgeschützt seien.

Ein weiterer Kritikpunkt der Kläger galt der Frage, ob das Hotel durch den Anbau nicht unzulässig vergrößert werde. Ein Hotel dieser Größenordnung sprenge den Rahmen in dem Wohngebiet am Munstermannskamp. Das Problem hier: Für dieses Gebiet ist noch gar kein Bebauungsplan festgelegt worden. Ob sich das Gericht letztlich der Argumentation der Stadt und des Hotelbetreibers anschloss oder eher formale Gründe zur Abweisung der Klage führten, wird letztlich die Begründung zeigen.

Von Ulf Stüwe