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Ein Gespräch in einem freundlichen Ambiente: Daniela Kasche leitet die Beratungsstelle. Mehr als 250 Frauen kommen jedes Jahr, um sich Hilfe zu holen. Foto: ca

Wenn das Zuhause zum Albtraum wird

Lüneburg. Nach außen scheint alles in Ordnung. Eigenheim am Stadtrand, Mann und Frau haben gute Jobs, mit den beiden Kindern läuft‘s. Doch hinter der Fassade si eht es anders aus. Wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft, dann „rutscht“ dem Mann „schon mal die Hand aus“ oder er setzt seine Partnerin psychisch unter Druck. In der Beratungsstelle FiF des Frauenhauses kennen Pädagogin Daniela Kasche und ihre Kolleginnen Gudrun Strötges und Maria Schophuis einige dieser Schicksale. Die Opfer suchen Hilfe, ohne ins Frauenhaus ziehen zu müssen. So ist die Langform der Abkürzung FIF, nämlich Frauen informieren Frauen, Programm: Die Beratungsstelle hat Tipps, wer alles Unterstützung anbietet – vom Jugendamt, über Erziehungshilfen bis hin zu beruflichen Begleitungen.

Thema Gewalt rückt mehr in den Fokus

Vor zehn Jahren gründete der Verein „Frauen helfen Frauen“ die Beratungsstelle, finanziert wird sie vor allem über das Land. Gudrun Strötges, die seit dreieinhalb Jahrzehnten im Frauenhaus arbeitet, sagt: „Die Gewalt hat nicht zugenommen, aber sie wird eher zum Thema, und Frauen suchen sich Hilfe.“ Das sind eine Menge: 250 bis 300 Frauen kommen jedes Jahr persönlich zum Gespräch, dazu summieren sich noch einmal durchschnittlich bis zu 700 Anruferinnen.

FiF erreiche Frauen, für die es kaum vorstellbar sei, mit ihren Kindern in das Frauenhaus zu ziehen, berichten die Sozialarbeiterinnen. Wenn es zu Hause nicht mehr auszuhalten sei, können „sie anderswo unterkommen“. Es gehe um Fragen von Trennung und Scheidung, aber auch darum, wie sich eine Beziehung verändern lasse, welche Hilfen möglich sind. Es riefen Frauen an, die schlicht mit der Erziehung ihrer Kinder und ihrem Beruf überfordert seien.

„Einige haben Angst, sich gleich ans Jugendamt zu wenden“, sagt Daniela Kasche. Die 36-Jährige weiß: „Da ist die Sorge, dass die Behörden ihnen die Kinder wegnehmen.“ Da könne man beruhigend wirken und eben an andere weiter vermitteln.

Doch es seien neue Herausforderungen hinzugekommen: Häufiger kämen Frauen mit psychischen Problemen. „Gewalt hat Folgen“, nennt Maria Schophuis als eine Ursache. Ihre Kollegin Strötges ergänzt: „Zwischen uns und der Psychiatrischen Klinik gibt es nicht viele Angebote.“ Auch da könnten Gespräche und Informationen helfen.

Wo das Gesetz an Grenzen stößt

Mit der Zuwanderung kamen auch Frauen, die in ihren Familien Gewalt erleben. Für sie ist es aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds schwierig, so einer Situation zu entfliehen, sagt Gudrun Strötges: „Sie haben außer ihrer Familie niemanden hier.“
Die Sozialarbeiterinnen schildern ein Problem, das auch der Polizei bekannt ist, wenn sie in Unterkünften anrückt. Das vor 15 Jahren in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz beinhaltet eine kurze Botschaft: „Wer schlägt, der geht.“ Doch wohin? Denn für den Mann gelten Auflagen der Unterbringung, er kann nicht einfach vor die Tür gesetzt werden. So versuchen die Unterkünfte und Behörden Lösungen zu finden, unter anderem mit Unterstützung der FiF-Expertinnen. Denen geht es beispielsweise darum, den Opfern die Botschaft zu vermitteln: „Es gibt Hilfsangebote, die stehen Ihnen offen.“

Doch egal, ob Zuwanderer oder Einheimische, manche Täter zeigen keine Einsicht und glauben ihre Frauen weiter beherrschen zu müssen. Daniela Kasche sagt: „Ist die Gefährdung zu groß, vermitteln wir die Frauen in andere Städte weiter.“ ca

Zu erreichen ist die Beratungsstelle unter (04131) 61950.