Aktuell
Home | Lokales | Wilschenbruch: Blindgänger im Grünen
Ein trügerisches Idyll: Im Garten des Hauses von Josefine von Freiesleben in Wilschenbruch könnte ein Blindgänger schlummern. (Foto: ca)

Wilschenbruch: Blindgänger im Grünen

Lüneburg. Wenn Josefine von Freiesleben mit Familie und Freunden auf der Terrasse sitzt, genießt sie ein kleines Paradies. Blumen leuchten, Grün wuchert üppig, Vögel geben ein Konzert im entspannten Wilschenbruch. Nur ein kleiner Holzpflock mit orangefarbener Kappe weist darauf hin, dass sie in einem trügerischen Idyll lebt. Denn der Holzkeil markiert den Bereich, in dem wahrscheinlich ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegt. Zwar nimmt die Kieferorthopädin diese ungewollte Nachbarschaft mit Gelassenheit. Doch verschwinden soll das gefährliche Erbe der Vergangenheit schon. Wann, das ist die Frage.

Stadt lässt Luftbildaufnahmen auswerten

Wie berichtet, hat die Stadt alte Luftbildaufnahmen auswerten lassen. Anhand der Bilder, die die Alliierten vor und nach Bombenabwürfen gefertigt haben, können Experten ablesen, wo vermutlich noch Blindgänger in der Erde schlummern. Lüneburg war zwar von den mörderischen Flügen weitgehend verschont geblieben, doch im Februar und April 1945 öffneten die Bomber ihre Schächte, Sprengkörper fielen vor allem rund um den Güterbahnhof und am Fliegerhorst der Theodor-Körner-Kaserne. Im Baugebiet Wittenberger Bahn waren zuletzt mehr als ein Dutzend Bomben gefunden und entschärft worden.

Josefine von Freiesleben und ihre Nachbarin Gabriela Thiem, auch auf ihrem Grundstück ruht wohl ein Blindgänger, erzählen, die Stadt habe sie auf Bürgerversammlungen informiert, auch gebe es einen Ansprechpartner, doch eigentlich hätten die Funde längst entfernt werden sollen.
Was sie ärgert, sind die Kosten. „Wir haben unser Haus 2008 gekauft“, sagt Gabriela Thiem. „Es gab keinen Hinweis auf eine Belastung. Jetzt sollen wir verantwortlich sein. Aber warum sollen wir individuell die Schäden tragen, mehr als 70 Jahre nach Ende des Krieges?“ Sie sieht die Allgemeinheit gefordert.

Grundstückseigentümer stehen laut Stadt mit in der Verantwortung

Josefine von Freiesleben ergänzt, dass vor Ort erklärt worden sei, dass die Kosten für die Sondierung in zwei bis sieben Metern Tiefe zwischen 4500 und 50 000 Euro liegen könnten. Am Drossel- und Eulenweg lägen ihres Wissens vier Bomben im Boden. Im Rathaus erklärt Suzanne Moenck, dass die Rechtslage eindeutig sei, Grundstückseigentümer zumindest bis zu einem gewissen Grad in der Verantwortung stünden (siehe Kasten). „Die Stadt ist zurzeit in engem Austausch mit mehreren Grundstückseigentümern und hat 13 Punkte im Stadtgebiet abstecken lassen“, sagt die Pressesprecherin. „Der Mittelpunkt, von dem die spätere Sondierung ausgeht, ist jeweils markiert. Es laufen Gespräche mit einer Fachfirma.

In Absprache mit ihr, den Eigentümern, den im Rathaus, bei Polizei und Rettungsdiensten erforderlichen Kräften wird ein Zeitplan abgesprochen.“ Vermutlich stünden wieder Evakuierungen an, daher habe man die Punkte auch zusammengefasst.

„Ursprünglich war angedacht, bis zum Sommer die Punkte abgearbeitet zu haben. Diese Absicht ließ sich nicht halten, wegen der Vielzahl der Gespräche, die zu führen sind und weil vieles logistisch zusammenpassen muss. Überdies bindet der G-20-Gipfel Kräfte vor allem bei der Polizei, sodass geplante Evakuierungen zu vermeiden sind.“
Es werde also noch dauern, bis die gefährlichen Hinterlassenschaften verschwinden. Die besorgten Anwohner möchte sie beruhigen: „Es ist kein Blindgänger freigelegt oder bewegt worden beim Abstecken auf den Grundstücken. Erfahrungswerte vergangener Jahre legen die Einschätzung nahe, dass von einem Blindgänger, der tief im Erdreich liegt, im Normalfall keine akute Gefährdung ausgeht.“

Von Carlo Eggeling

Eigentum verpflichtet — Wer zahlt bei einem Bombenfund?
„Bei einer Sondierung auf privatem Grund geht die Stadt finanziell in Vorleistung“, erklärt Suzanne Moenck. Liege kein Blindgänger in der Erde, trägt die Stadt die Kosten der Sondierung. „Denn dann ist der Einsatz Teil der Gefahrenerforschung.“ Werde ein Blindgänger gefunden, müsse der Grundstückseigentümer die Kosten für Sondierung und Freilegung zahlen. Denn jeder Mensch ist für sein Eigentum verantwortlich und auch dafür, dass von diesem Eigentum keine Gefahr ausgeht.

Im Durchschnitt rechnet die Stadt aktuell mit rund 10 000 Euro pro Sondierung. An der IGS Lüneburg in Kaltenmoor waren Kosten von rund 14 000 Euro entstanden. Die Kosten für die Entschärfung, Bergung und Entsorgung eines Blindgängers durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen trägt das Land.

One comment

  1. Denn jeder Mensch ist für sein Eigentum verantwortlich und auch dafür, dass von diesem Eigentum keine Gefahr ausgeht.
    seltsam ,war nicht mal jemand anderes eigentümer eines grundstücks? darf der einfach verkaufen und schon ist er alle sorgen los? den letzten beißen die hunde? dass soll eine rechtsprechung sein?