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Jamar Shakuri hat bei dem Schwimmkurs des Kreissportbundes auch die Angst vorm Wasser verloren. Foto: t&w

Zum Schwimmer in acht Stunden

Lüneburg. Konzentriert gleitet Jamar durchs Wasser, seine Bewegungen führt der 19-Jährige wohlüberlegt aus. Noch harmoniert nicht alles perfekt, aber die Streck e durchs Schwimmbecken schafft er mühelos. Auch für Hayder stellt die Etappe keine Hürde mehr dar. Das war für den Iraker vor acht Wochen noch unvorstellbar. Jetzt sind beide stolz und glücklich, den Schwimmkursus absolviert zu haben, den der Kreissportbund zusammen mit dem MTV-Treubund für hier lebende Migranten und Flüchtlinge angeboten hat.

„Ich wollte immer schon schwimmen lernen, aber das war war in meiner Heimat oft nicht möglich und meist auch viel zu teuer“, sagt Haydar, der gar nicht mehr aus dem Wasser herauskommen möchte. Immer wieder setzt er zu neuen Bahnen an, manchmal schluckt er noch etwas Wasser, wenn der Kopf nicht rechtzeitig hoch genug aus dem Wasser ragt. „Das macht nichts und ist auch schon viel weniger“, sagt der 21-Jährige und strahlt.

Jamar und Hayder gehören zu der Gruppe, die am 25. April mit dem Kursus im neuen Bewegungsbecken des Sportparks Kreideberg an den Start ging und jetzt ihre letzte Schwimmstunde absolviert. „Mit großem Erfolg“, wie Nurka Casanova, beim Kreissportbund für die Koordinierungsstelle Integration zuständig, berichtet, „denn jeder von ihnen hat schwimmen gelernt“.
Einmal pro Woche kamen die zwölf Teilnehmer zusammen, darunter Menschen aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und dem Irak. Dass zu der Gruppe auch fünf Frauen gehörten und es von keinem der Teilnehmer, zu denen auch Muslime zählten, Vorbehalte gegen eine gemischte Gruppe gegeben habe, bezeichnet sie als „großen Erfolg!“.

Männer und Frauen nehmen gemeinsam teil

„Die waren alle total motiviert“, sagt Schwimmlehrerin Verena Biester, die selbst beeindruckt ist, dass alle es in so kurzer Zeit gelernt haben: „Das waren ja gerade mal acht Stunden.“ Sehr geholfen habe, dass alle recht gut Deutsch sprechen können.
„Schade war aber, dass wir immer erst so spät abends starten konnten“, sagt Casanova. Denn nach den Schwimmeinheiten um 21 Uhr fuhr kein Bus mehr zurück in die Stadt, ein Problem vor allem für Auswärtige. „Sonst hätten wir sicher deutlich mehr Teilnehmer gehabt, denn das Interesse war groß.“

Der lange Weg nach Lüneburg hat Hayder indes nicht von seinem Vorhaben schwimmen zu lernen abbringen lassen. Der 21-Jährige wohnt in Nieperfitz und ist jedes Mal mit dem Bus nach Lüneburg gekommen. „Zurück gehe ich zu Fuß zum Bahnhof und fahre mit dem Zug zu Freunden nach Hamburg“, sagt der Iraker, denn ein Bus zurück in das Dorf hinter Dahlenburg fährt um diese Uhrzeit nicht mehr.

Jamar will auf jeden Fall weiter üben, um das Gelernte nicht wieder zu verlernen. „Jetzt habe ich auch keine Angst mehr vor dem Wasser“, sagt der Afghane, der übers Mittelmeer nach Europa gekommen ist. Vom 8. August bis zum 26. September läuft der nächste Kursus. „Noch sind einige Plätze frei“, sagt Nurka Casanova, die Anmeldungen unter casanova@kreissportbund-lueneburg.de entgegennimmt.

Von Ulf Stüwe