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Ein Erixx-Zug, unterwegs zwischen Lüneburg und Dannenberg, hält in Wendisch Evern. Damit dürfte es in einigen Jahren vorbei sein. Foto: t&w

Bahnstrecke nach Dannenberg: Ausbau braucht Zeit

Wendisch Evern. Noch sind viele Bürger von Wendisch Evern überhaupt nicht einverstanden damit, dass ihr Bahnhaltepunkt im Zuge der Strecke Lüneburg – Dannenberg geschlossen werden soll, um die Fahrtzeit auf der Strecke zu verkürzen und den Landkreis Lüchow-Dannenberg besser an das Oberzentrum Lüneburg anzubinden. Umso überraschter waren manche, als Bürgermeister Clemens Leder (CDU) bei der jüngsten Ratssitzung am Montagabend einen von der zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) aufgestellten Fahrplan vorlegte, in dem Wendisch Evern, aber auch die ebenfalls zur Schließung anstehenden Haltepunkte Neetzendorf und Leitstade, schon gar nicht mehr vorkamen.

Der Prozess kommt in Gang

„Ein Vorentwurf, ohne Datierung“, beruhigte Leder jetzt auf LZ-Anfrage. Allerdings, darauf wies LNVG-Pressesprecher Rainer Peters hin: „Richtig ist, der Prozess kommt in Gang. Aber bis die Strecke Lüneburg – Dannenberg ertüchtigt ist, werden noch Jahre vergehen.“ Der im Gemeinderat erwähnte neue Fahrplan beziehe sich nicht auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2017. Ziel der LNVG ist es, dass Züge zwischen Lüneburg und Dannenberg künftig mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h statt bisher 60 km/h verkehren können, dann nur noch 55 statt bisher 67 Minuten für die Strecke brauchen. Erreicht werden soll damit ein Zwei-Stunden-Takt statt des bisherigen Drei-Stunden-Takts. Die Erixx-Fahrgäste hätten dann in Lüneburg Anschluss an die Metronom-Züge nach Hamburg.

Um die angestrebten bis zu 80 km/h erreichen zu können, so hatte es die LNVG vorgegeben, müssten drei von acht Haltepunkten an der Strecke geschlossen werden. In der Samtgemeinde Elbtalaue fiel die Wahl auf Leitstade, in der Ostheide entschied sich der Samtgemeindeausschuss nach langen Diskussionen für die Schließung von Wendisch Evern – gegen heftigen Protest aus dem Dorf.

Protest gegen Schließung von Neetzendorf

Da aus der Samtgemeinde Dahlenburg keine Entscheidung kam, sprach sich der Kreisausschuss des Landkreises für die Schließung von Neetzendorf aus. Dagegen hatte erst vor wenigen Tagen noch einmal der zuständige Rat der Gemeinde Boitze protestiert (LZ berichtete). Doch für die Ertüchtigung der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg seien noch „eine ganze Reihe von Investitionen“ notwendig. „Und die sind nicht mal eben bis zum nächsten Fahrplanwechsel Ende des Jahres zu machen“, erklärte LNVG-Pressesprecher Peters.

Um künftig bis zur 80 km/h fahren zu können, seien Arbeiten am Gleisbett ebenso nötig wie bei der Sicherheitstechnik, Bahnübergängen, an den Stationen, den Bahnsteigen und bei der Beleuchtung. Peters: „Nach einer ersten Grobschätzung belaufen sich die Kosten auf bis zu 13 Millionen Euro.“

Kurzfristig plant die LNVG für die Zeit nach den Sommerferien, so Peters, einen Gesprächstermin „mit allen Beteiligten“, das heißt, den Landkreisen, Samtgemeinden und Gemeinden aber auch den Fahrgastverbänden. Schauplatz könnte Lüneburg sein. Auf diesen Termin setzt unter anderem auch Wendisch Everns Bürgermeister Clemens Leder. „Ich hoffe, dass wir dazu eingeladen werden. Ich werde dabei noch einmal alle unsere Argumente mit Nachdruck auf den Tisch bringen.“ Bürgermeister Leder hatte nach der Entscheidung des Samtgemeindeauschusses kritisiert: „Diese Entscheidung wurde gegen den Willen der Gemeinde Wendisch Evern getroffen.“

Solidarität mit Landkreis Lüchow-Dannenberg

Aus Sicht der Wendisch Everner biete sich für eine Schließung eher der Haltepunkt Bavendorf an, unter anderem auf Grund der Fahrgastzahlen, die in Wendisch Evern höher seien und weil die Anzahl der im 1,5-Kilometer-Radius um den Bahnhaltepunkt lebenden Menschen erheblich größer sei.

Als der Wirtschaftsausschuss des Landkreises Anfang Juni über die Schließung der Bahnhaltepunkte Neetzendorf und Wendisch Evern debattierte, hatte der Erste Kreisrat Jürgen Krumböhmer zu Solidarität mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, einer Region, die zu denen mit der schlechtesten Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz Deutschlands zählen, aufgerufen. Krumböhmer damals: „Es ist ein Opfer, das wir abverlangen, es ist aber kein unermessliches Opfer.“

Leo Demuth, Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), hatte in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses kritisiert, dass andere Möglichkeiten der Ertüchtigung, etwa durch den Einsatz von „spurtstärkeren Fahrzeugen“, nicht geprüft worden seien.

Von Ingo Petersen