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Sie haben in der Geschichte gestöbert: (von links) Mailin Dietz, Kilian Schröter, Leo Giesler, Dr. Ingmar Probst und Jesko Gerken mit einem Modell der St. Lambertikirche des 17. Jahrhunderts

Johanneum als Motor der Reformation

Lüneburg. Das Thema „Reformation“ findet in diesem Jahr in ganz Deutschland Beachtung, da sich der Anschlag der kirchenkritischen 95 Thesen von Martin Luther an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg zum 500. Mal jährt. Für Schüler eines Seminarfachkurses des 12. Jahrgangs am Johanneum war das Jubiläum Anlass, die Geschichte ihrer eigenen Schule genauer zu untersuchen. Immerhin existierte die Schule zum Beginn des Entstehens der evangelischen Kirche schon länger als ein Jahrhundert.

Von der St. Johannis-Gemeinde 1406 ins Leben gerufen als Bildungsstätte für den Priesternachwuchs, war das Johanneum von Anfang an beteiligt, als Bürger und Rat der Stadt Lüneburg in den 1520er-Jahren über die Reformation diskutierten. Nachdem Lüneburg im Jahr 1530 offiziell evangelisch geworden war, wurde die gesamte Belegschaft des Gymnasiums ausgewechselt. Als neuer Rektor wurde Hermann Tulich aus Wittenberg berufen. Unterstützung in seiner Arbeit bekam er von den Reformatoren Urbanus Rhegius und Lucas Lossius, der ebenfalls in Wittenberg studiert hatte. Er blieb bis zu seinem Lebensende gut fünf Jahrzehnte später am Johanneum tätig. Die Reformation wurde in Lüneburg nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache etabliert, dass am örtlichen Gymnasium Kinder im Sinne Luthers unterrichtet wurden. Entsprechend trägt die Ausstellung, die die Schüler erstellt haben, den Titel „Das “.

Das Johanneum schloss sich ziemlich früh und konsequent der Reformation an

Neben der Durchsicht alter Festschriften und Schulprogramme aus dem Schularchiv haben sich die Gymnasiasten mit Stundenplänen des 16. Jahrhunderts, damals verwendeten Materialien sowie Schul- und Kirchenordnungen auseinandergesetzt. „Überraschend war dabei, dass im Unterricht am Johanneum die Kirchenmusik eine fast gleichberechtigte Rolle neben griechischen und lateinischen Texten spielte“, findet Janina Lindemann. Für Marie Plaschke und Juhl Harneit war besonders spannend, „dass sich das Johanneum ziemlich früh und so konsequent der Reformation anschloss“. Zur Veranschaulichung haben Aileen Thormann und Vivien Nguyen Modelle der damaligen Rathausfassade und St. Lambertikirche erstellt, während Kilian Schröter und Lena Kieckhöfel sich mit einem zeitgenössischen Stadtplan auseinandergesetzt haben. Auch ein Nachdruck der Luther-Bibel von 1534 ist in der Ausstellung zu sehen.

Kurslehrer Dr. Ingmar Probst freut sich am meisten darüber, „dass die Schüler bereit waren, kurz vor und sogar noch während ihrer Abiturprüfungen die Ausstellung fertigzustellen“. Da im Kursus allein Klaus Bergann vorher zur Schulgeschichte seine Facharbeit verfasst hatte, war das Thema für viele Neuland. „Solch eine Leistung zum Abschluss des Unterrichts zu erbringen, verdient höchste Anerkennung“, urteilt Probst. Auch nach den Sommerferien wird die Ausstellung im Forum des Johanneums zu sehen sein. lz