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Ein Teil der Kunststoffrohre liegt bereits parat. In den kommenden Tagen beginnen die Arbeiten.

Frommestraße wird wieder zur Baustelle

Lüneburg. Der Bereich gilt ewig als schwierig, die Kanäle an der Frommestraße mussten häufig instand gesetzt werden. Der Boden arbeitet gewaltig. Nun steht der nächste Eingriff an, jetzt rücken Bauarbeiter an, um Misch- und Regenwasserkanal zu erneuern. Klaus Niemann, stellvertretender Chef der Abwassergesellschaft (AGL), hat lange überlegt, welche die beste Lösung ist. Am Ende musste er einige Überlegungen fallen lassen: zu aufwändig, zu teuer. Trotzdem geht die AGL neue Wege, sie will sogenannten flüssigen Boden einbringen, um die Rohre zu stabilisieren. Handwerker sollen in diesem empfindlichen Bereich Erschütterungen vermeiden.

Die beiden 90-Zentimeter-Hauptleitungen nehmen das Wasser auf aus den Vierteln, die nach Reppenstedt hin liegen, spielen also eine zentrale Rolle. Wie gewaltig die Erde an der Frommestraße und im angrenzenden Park nachgibt, ist auf einen Blick zu erkennen. Da liegt es auf der Hand, dass sich auch die Rohre im Boden verschieben, nahe der Bastionstraße. Niemann berichtet, dass seine Vorgänger bereits vor drei Jahrzehnten einen 20 Meter entfernten Bypass geschaffen haben: Die Abwasserrohre nehmen von der Frommestraße eine Kurve durch den Park, dort fallen die Erdbewegungen geringer aus.

Das Gefälle reicht nicht mehr für den Ablauf

Trotzdem ist einer der beiden Kanäle so weit abgesackt, dass sich das Wasser in den Rohren staut, auch der andere hat gelitten. Das Gefälle reicht nicht mehr für den Ablauf. Wie groß die Schäden genau sind, will Niemann mit einer Kamerafahrt herausfinden. Dafür muss Wasser abgepumpt werden, um etwas sehen zu können.

Der Ingenieur setzt auf Kunststoffrohre. „Die haben den Vorteil, dass wir sie zurechtschneiden können.“ Dazu kommen spezielle Muffen, sie verbinden die Röhren. All das erleichtert es den Arbeitern künftig, Reparaturen zu erledigen, denn: „Der Boden bewegt sich weiter. Kann sein, dass wir hier in zehn Jahren wieder stehen, um etwas auszutauschen.“

Mit diesem Verfahren und gerade mit dem Verwenden des flüssigen Bodens betritt Niemann Neuland. Die Masse ist eine Mischung aus Erde, Zement und anderen Stoffen. Sie verdichtet sich ohne schwere Rüttelmaschinen, soll später mit einer Schaufel wieder ausgehoben werden können.

Die Maßnahme ist zu klein für die großen Firmen

Auf eine Ausschreibung seien nur zwei Angebote eingegangen: „Die Maßnahme ist zu klein für die großen Firmen.“ Und sehr teuer: Unternehmen wollten den Bereich ausschachten, eine Sohle gießen und die Rohre dann mit einer besonderen Konstruktion nach unten drücken: „Als Hohlkörper würden sie sonst aufschwimmen.“

Nun will die Baufirma die verlegten Rohre mit Wasser füllen und Gewichte darauflegen – ein ähnlicher Effekt. Niemann lässt das nur an einem Teil der 40 beziehungsweise 70 Meter langen Strecke ausprobieren, über die die Leitungen verlegt werden: „Wir wollen gemeinsam mit dem Unternehmen herausfinden, wie es läuft.“ Man könne an anderen Stellen ähnlich vorgehen. Die Kosten sind mit rund 200 000 Euro angesetzt. Niemann weiß, dass es auch etwas teurer werden kann. Allerdings spart er im Vergleich zu anderen Angeboten einen sechsstelligen Betrag.

Von Carlo Eggeling