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Jörg Lickfett während seiner Tour durch Deutschland. Foto: nh

Der Benefiz-Radler aus Echem

Echem. „Einmal mit dem Fahrrad durch Deutschland fahren.“ Für den Echemer Jörg Lickfett war das schon immer ein Traum. Jetzt hat der 56-Jährige sich diesen Trau m verwirklicht. 1262 Kilometer legte Lickfett innerhalb von 13 Tagen zurück. Mit seinem Tourenrad, mit 14-Gang-Nabenschaltung und vier Gepäcktaschen, startete Jörg Lickfett in Süderlügum in Nordfriesland, bis nach Oberstdorf im Allgäu führte ihn sein Weg. Und die ganze Tour brachte auch noch einen ansehnlichen Ertrag für einen guten Zweck.

Insgesamt 2500 Euro kamen zusammen, die an den Verein „Teach first“ gehen, der sich unter anderem für die Sprachintegration von geflüchteten Kindern engagiert. „Gute Sprachkenntnisse sind ein Schlüssel zur Integration“, sagt Jörg Lickfett.
Der Echemer, der beruflich viel unterwegs ist, hatte schon vor seiner Tour gesagt: „Es gibt unzählige Menschen, die reisen müssen, weil ihre Heimat durch Krieg und Zerstörung vernichtet wurde. Ich habe das Privileg, unbegrenzt und freiwillig reisen zu dürfen. Aus diesem Grund möchte ich die gesammelten Gelder denen zur Verfügung stellen, die bei uns eine neue Heimat suchen.“

Lickfetts Deutschlandtour war die Einlösung eines Versprechens: Als der 56-jährige Agrar- und Wirtschaftsingenieur, der für ein Lebensmittellabor tätig ist und auf rund 30 geschäftliche Reisen pro Jahr kommt, im vergangenen Sommer beim Wettbewerb „Business-Helden2016“ des europaweit führenden Hotelbuchungsportals HRS im Internet um „likes“ für den Sieg warb, gab er eine Zusage: „Gewinne ich, mache ich eine Fahrradtour quer durch Deutschland.“ Der Erlös solle einer Initiative zugutekommen, die sich um die Ausbildung junger Geflüchteter kümmert. Und Wirtschaftsingenieur Lickfett bekam wirklich die meisten „likes“ in der Kategorie „Pharma/Wissenschaft“ (LZ berichtete).

Lickfetts Reise, die von der Nordsee über Achim, Bad Hersfeld und Würzburg bis an die Alpen führte, stand unter einem guten Stern: Ganze zwei Stunden lang während der 15 Tage fuhr er durch leichten Nieselregen, „ansonsten war es durchgehend trocken“. Eher plagte Hitze den Echemer, etwa in der Rhön, heftige Steigungen gingen vor allem im Allgäu mächtig in die Beine. Eine Panne am Rad eines Mitfahrers war zu beheben, nur einmal hatte der Echemer selbst Pech, aber auch da Glück im Unglück: als ihm ein Auto, kurz hinter Würzburg, die Vorfahrt nahm, er stürzte, aber unverletzt weiterfahren konnte.

1262 Kilometer im Fahradsattel zurückzulegen, täglich sechs, sieben Stunden auf dem Fahrrad zu sitzen und dabei insgesamt 8000 Höhenmeter zu überwinden, war die eine Sache – Spenden für den guten Zweck zusammenzubekommen, war die andere. „Das Spendensammeln war gar nicht so einfach, es gab auch manche Enttäuschung“, berichtet Jörg Lickfett.

Eine gute Grundlage waren die 500 Euro, die seine Heimatgemeinde Echem per Ratsbeschluss beisteuerte. „Wir sind stolz darauf, dass einer unserer Mitbürger eine solche Aktion ins Leben gerufen hat“, sagt Bürgermeister Steffen Schmitter. 250 Euro gab es von der Samtgemeinde Scharnebeck. Bürgermeister Laars Gerstenkorn erklärt: „Wenn man jemanden wie Jörg Lickfett hat, dann unterstützen wir das auch.“

Nach der Fahrradtour ist vor der Fahrradtour

Spenden gab es auch von Kommunen, in denen Jörg Lickfett für eine Nacht sein Quartier aufschlug. Etwa von der Stadt Aalen in Baden-Württemberg (Lickfett: „Eine internationale und weltoffene Stadt“), wo deren Integrationsbeauftragte den Gast mit 150 Euro auf die Weiterreise schickte.

Insgesamt neun Mitfahrer hatte Jörg Lickfett auf seiner Tour durch Deutschland, vom Begleiter auf einer kurzen Teilstrecke, über die drei Hannoveraner, die ihn spontan ein ganzes Stück begleiteten, bis hin zum Lüneburger Peter Schlichtmann, der fünf Etappen und 450 Kilometer an Lickfetts Seite radelte. Die letzten fünf Etappen, als es mehr und mehr bergig wurde, fuhr der Echemer dann allein. „Aber auch das ist angenehm, man kann sein eigenes Tempo fahren, sich den Tag einteilen. Es ist schön, wenn man die Morgenkühle ausnutzen kann.“

Die Spende für den Verein „Teach First“ wird Jörg Lickfett in den nächsten Tagen nach Berlin auf den Weg bringen. Dann heißt es für ihn: Nach der Fahrradtour ist vor der Fahrradtour. Mit seiner Frau Gesine macht er sich auf eine 800-Kilometer-Tour. „Ganz in Ruhe, wir haben dafür 14 Tage Zeit.“

Von Ingo Petersen