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Etwas tiefer gelegt und breitere Reifen, derart ausgestattet absolvierten am Sonntag Hobby-Schrauber mit ihren frisierten Fahrzeugen ein Sicherheitstraining in Embsen. Foto: t&w

Embsen: PS-Fans drehen ihre Runden

Embsen. Es wurden viele Grenzen ausgetestet: die der Fahrer und ihrer getunten Fahrzeuge auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Grenzen der Toleranz von Polizei und Prüfingenieuren. 40 Hobby-Schrauber und Tuning-Fans nahmen am Sonntag teil bei den vom Bundesverkehrsministerium geförderten „Track & Safety Days“, die jetzt Station machten im ADAC Fahrsicherheitszentrum Hansa/Lüneburg in Embsen. Auf der Teststrecke lernten Teilnehmer, wie sich das Fahrverhalten ihrer aufgemotzten Autos in Extremsituationen darstellt und erfuhren in Wokshops mit Prüfern und Polizeibeamten, worauf es beispielsweise bei einem regelkonformen Tuning ankommt. So mancher Teilnehmer hätte für seine Fahrzeugumbauten bei einer regulären Verkehrskontrolle wohl mindestens ein Knöllchen kassiert. Jedoch: „Uns ist Einsicht oft mehr wert als ein Bußgeld“, sagte Polizeihauptkommissar Bernd Friedrichs.

Teilnehmer Thomas Hennig (v.l.) gewährt dem Prüfer Thomas Schuster und Polizeihauptkommissar Bernd Friedrichs Einblicke in das Innenleben seines BMWs. Foto: t&w
Mit sattem Grollen fahren die meist etwas breiter bereiften VW-Polos, Dreier-BMWs oder Toyota GT86 über die künstlich mit Wasser überflutete Piste. „Die Teilnehmer sollen hier nicht lernen, wie man besonders schnell um die Kurve fährt, sondern besonders sicher“, sagt Jan Henning Klapper von der Initiative „Tune it! Safe!“. Das Teilnehmerfeld reicht von Rendsburg über Rotenburg/Wümme bis Lippstadt.

Mehr Understatement als große Show

Mit von der Partie ist auch der Lüneburger Christian van Vügt. Der 28 Jahre alte IT-Fachmann fährt seit vier Jahren einen 3er-BMW-Kombi E91, dunkelblau, etwas tiefer gelegt, 19 Zoll große Puschen und STX-Gewindefahrwerk. Für ihn gilt die Maxime „Fahren und genießen“, das Schrauben überlässt er meist lieber seinem Kumpel Felix Diekelmann aus Itzehoe. Beide zählen sich zu den „E91 Freaks“, die sich jährlich zu einem bundesweiten Treffen in Bad Hersfeld einfinden. Van Vügt setzt beim Tunen eher auf dezenten Wandel: mehr Understatement als große Show. Und damit ist er nicht die Ausnahme.

Gleichwohl gibt es sie auch, die aufgemotzten Sportwagen, die manchem TÜV-Prüfer die Stirn in tiefe Sorgenfalten legen lässt. Und dabei mag das noch nicht einmal jedem Tuner bewusst sein – bis er erwischt wird. Und sei es, weil die Radabdeckung nach EG-Norm über den sehr breiten Reifen hinten etwas zu luftig ausgefallen ist. Polizeihauptkommissar Friedrichs berichtet, dass in der Tuning-Szene nicht selten große Defizite vorherrschen beim Lesen der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) und man sich eher nach dem richtet, was andere Szene-Freunde beim Tuning vorgemacht haben.

Tuner nicht automatisch Raser

Doch auch um Missverständnisse auszuräumen, dazu dienen die „Track & Safety Days“, bei denen Prüfer, Polizeibeamte und Hobby-Schrauber ins Gespräch kommen. Polizeihauptkommissar Friedrichs wirbt fürs gegenseitige Verständnis: „Wir von der Polizei sind nicht die Bösen und längst nicht alle, die ihre Autos tunen, sind Raser.“ Diejenigen, die mit illegalen Rennen auffielen, hätten oft „Autos von der Stange“, sagt Friedrichs. In die gleiche Kerbe schlägt auch Klapper von „Tune it! Safe!“: „Wer so viel Geld und Liebe in das Tuning seines Autos steckt, hat kein Interesse daran, es kaputt zu fahren.“ Im Gegenteil.

Neben dem Fahrsicherheitstraining gab es am Sonntag auch Workshops für die PS-Fans. Mitinitiator und Prüfingenieur Thomas Schuster freut sich über die Wissbegierde der Teilnehmer: „Wir sind hier nicht die Spielverderber, wir wollen informieren.“ Dabei sollten Tuning-Fans nicht nur darauf achten, etwa ihre neue Rad-Reifen-Kombination gemeinsam mit dem neuen Fahrwerk amtlich prüfen zu lassen, sondern auch Veränderungen unter der Haube beispielsweise ihrem Kfz-Versicherer mitzuteilen, um den Versicherungsschutz nicht aufs Spiel zu setzen.

Von Dennis Thomas